Überfüllte Hörsäle, schlechte Betreuung, überall Kürzungen - junge Akademiker finden die Hochschulmisere offenbar nicht so schlimm, dass sie deshalb vor einem Studium zurückschrecken würden. Könnten sie sich noch einmal entscheiden, würden sie erneut studieren. Mehr als neunzig Prozent standen rückblickend zu ihrer Entscheidung für ein Studium, ergab eine repräsentative Absolventenbefragung des Hannoveraner Hochschul-Informations-Systems (HIS).
Die Studie wird alle vier Jahre im Auftrag des Bildungsministeriums durchgeführt, befragt wurde der Absolventenjahrgang 2001. Trotz der grundsätzlichen Zufriedenheit zeigen sich auch die Schwachpunkte in der deutschen Hochschullandschaft. So würden nur zwei Drittel der Absolventen mit relativ hoher Sicherheit wieder das gleiche Studienfach wählen. Bei der Frage, ob sie wieder an dieselbe Hochschule gehen würden, äußerte über die Hälfte mehr oder weniger starke Vorbehalte.
Der Start ins Studium fiel den Befragten schwer. 40 Prozent der Fachhochschul- und mehr als 50 Prozent der Universitätsabgänger hatten Mühe, schnell zu begreifen, worauf es im Studium ankam. Ein Viertel der erfolgreichen Absolventen hatte ernsthaft daran gedacht, das Studium abzubrechen.
Trend zum Studium nach dem Studium
Im Rückblick kritisierten sie besonders häufig fehlende Praxisbezüge, aber auch Schwächen in der Studienorganisation und die mangelhafte Kommunikation mit den Lehrenden. Die Absolventen forderten zudem mehr berufsorientierende Veranstaltungen und individuelle Beratung bei Stellensuche und Berufseinstieg. Um die Studienqualität zu heben, empfehlen die HIS-Mitarbeiter transparentere Anforderungen und ein besseres Feedback über die Studienleistungen.
Der Untersuchung zufolge steigt der Bedarf an weiterqualifizierenden Abschlüssen. So wollen 18 Prozent der FH-Absolventen weiter lernen, 1989 waren es lediglich sieben Prozent. Als wichtigsten Grund dafür gaben sie fachliche Defizite an.
Bei Uni-Absolventen ist das Forschungsinteresse entscheidend dafür, dass jeder Vierte ein Jahr nach dem Examen weiterstudiert oder promoviert. Drohende Arbeitslosigkeit ist nach HIS-Angaben nicht mehr der Hauptgrund. Der Trend zu höheren akademischen Weihen zeige auch, welches Interesse an weiterführenden Masterstudiengänge man von künftigen Bachelor-Absolventen erwarten könne.
Der Übergang in reguläre Erwerbstätigkeit gelingt den Befragten besser als zuvor untersuchten Jahrgängen. Zwar waren mehr Absolventen zunächst arbeitslos, jedoch war knapp 80 Prozent der FH-Absolventen nach zwölf Monaten der Berufseinstieg geglückt. Von allen Absolventen hatte etwa jeder zweite eine Stelle gefunden, die fachlich und vom Niveau der Tätigkeit dem absolvierten Studium entspricht.
Als Hauptkriterien für einen erfolgreichen Berufsstart nannten die Befragten gute Selbstvermarktung und den Nachweis von Praxiserfahrungen. Ihre Studienleistungen dagegen beurteilen sie als weniger entscheidend.
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