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29.04.2004
 

Praktikumszeugnisse

Vergiftetes Lob

Arbeitgeber drücken sich gerne ums Schreiben von Praktikumszeugnissen. Wer dennoch eins ergattert, sollte es genau lesen: Bestimmte Formulierungen und Auslassungen können versteckte Codes enthalten.

Wohlwollend sollen Arbeitszeugnisse sein und Arbeit suchenden Menschen keine Steine in den Weg legen. Das gilt auch für qualifizierte Zeugnisse für Schüler, die ein Praktikum ableisten oder einer anderen Arbeit nachgehen. "Praktikumszeugnisse sind letztlich nichts anderes als qualifizierte Arbeitszeugnisse in geringerer Ausführlichkeit", sagt Hans Georg Rumke, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Weilheim.

Arbeitszeugnis: "Man darf nicht zu viel wollen"
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GMS

Arbeitszeugnis: "Man darf nicht zu viel wollen"

Mit den Tätigkeitsbeschreibungen und Beurteilungen können Schüler bereits ein Bild von sich vermitteln. "Auch ein Praktikumszeugnis ist wichtig für den Lebenslauf - denn viel mehr Handfestes haben Schüler und Studenten nicht vorzuweisen", sagt Anne Backer, Anwältin in Kissingen (Bayern) und Autorin des Buches "Arbeitszeugnisse. Entschlüsseln und mitgestalten".

Auch Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin unterstreicht, dass jeder bei Ende eines Arbeitsverhältnisses auf eine gute Beurteilung drängen sollte. "Mit einem schlechten oder gar keinem Zeugnis sieht es heute ganz übel aus", sagt er.

Entscheidend ist, was fehlt

"Arbeitgeber schreiben notorisch ungern Zeugnisse", sagt Backer. Daher ist mancher Arbeitnehmer oder Praktikant schon froh, wenn er überhaupt eines bekommt - obwohl er einen Rechtsanspruch darauf hat. Doch auf Aufbau und Inhalt der Beurteilung kommt es ebenso an. "Anstatt die Worte, die vielleicht ihre weitere berufliche Zukunft entscheiden, einmal genau unter die Lupe zu nehmen, geben viele Arbeitnehmer sich mit ein paar nett klingenden Sätzen zufrieden", sagt Klaus Schiller von der Personalmanagement Service GbR in Berlin, die unter anderem die Website arbeitszeugnis.de betreut.

Warnt vor Fallen in Zeugnissen: Jürgen Hesse

Warnt vor Fallen in Zeugnissen: Jürgen Hesse

Doch genau da liegt die Krux, sagt Jürgen Hesse: "Die Zeugnissprache ist eine eigene Sprache, die nur Lob kennt - das kann mitunter sehr vergiftet sein." Dieser Code in den qualifizierten Zeugnissen - also jenen, in denen die Beurteilung der Leistung im Vordergrund steht - kennt verschiedene Verfahren. Einerseits gibt es die so genannte Leerstellentechnik. "Wenn bestimmte Angaben im Zeugnis fehlen, ist Achtung geboten", sagt Backer. So kann es passieren, dass im formalen Aufbau Dinge fehlen. "Das ist ein Hinweis darauf, dass der Arbeitnehmer nicht wichtig war oder schlecht gearbeitet hat", erläutert Backer.

Ein Zeugnis unterliegt bestimmten Konventionen. "Es muss grundsätzlich auf Firmenpapier im Format DIN A4 geschrieben sein, und nach Datum und Einleitung die Beschreibung der Tätigkeit enthalten", erläutert Schiller. Auch Fertigkeiten und Spezialkenntnisse sollten vorkommen, ergänzt Hesse. "Die Leistungsbeurteilung hat einen zentralen Stellenwert in einem qualifizierten Zeugnis", unterstreicht Anwältin Backer.

Der Boss sollte unterschreiben

Folgen sollte das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden sowie die Gründe für das Gehen und eine Dankesformel. Die Unterschrift ist zwar der letzte, aber mit der wichtigste Punkt auf der Beurteilung. "Die Signatur einer in der Hierarchie unwichtigen Person entwertet das Zeugnis", erklärt Hesse.

Ein Hinweis für einen kundigen Zeugnisleser kann neben der Leerstellentechnik die so genannte Reihenfolgetechnik sein. "Auch wenn etwas falsch angeordnet ist, spricht das eine klare Sprache über den Arbeitnehmer", erklärt Backer. Die Experten raten, sich nach Erhalt des Zeugnisses in Ruhe hinzusetzen und die vermeintlich gut klingenden Sätze genau durchzulesen.

Backer rät, sich zunächst mit dem Vorgesetzten zu unterhalten und die Kritik vorzubringen. "Man darf aber nicht zu viel wollen", sagt sie. Alle Angaben auf einem Zeugnis müssen der Wahrheit entsprechen - auch wenn sie in einem Zweifelsfall immer im Sinne des Arbeitnehmers formuliert werden sollen.

Von Verena Wolff, gms

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