Der eine Kollege sammelt verklebte Kaffeetassen neben dem Computer. Beim nächsten erinnern zehn leere Wasserflaschen an den letzten heißen Sommer, der volle Aschenbecher steht auf einem sich gefährlich neigenden Papierstapel, und in der Zimmerecke verstaubt ein Gummibaum, der schon vor Monaten sein letztes Blatt abgeworfen hat. Alles nur Geschmackssache?
Keineswegs, sagen Benimm- und Karriereexperten. Auch bei der Gestaltung von Büro und Schreibtisch sollte man sich an einige Etikette-Regeln halten.
"Das Ambiente im Büro sagt viel über die Persönlichkeit und über das Gespür für Professionalität und Qualität eines Mitarbeiters aus", betont Susanne Helbach-Grosser vom Benimm-Institut "Takt und Stil" in Schwäbisch-Gmünd. Sie berät Firmen in Etikette-Fragen und vermittelt ihren Seminarteilnehmern den korrekten Umgang mit Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden. Helbach-Grosser ist überzeugt: Wer an seinem Arbeitsplatz für Ordnung sorgt, der zeigt, dass er sich für das Erscheinungsbild der Firma mitverantwortlich fühlt.
Ordnung zählt besonders bei Kundenkontakten
Oft seien es nur Kleinigkeiten - aber in der Summe entschieden sie darüber, welchen Eindruck man bei Chefs, Kollegen und Kunden hinterlasse, glaubt zumindest die Benimmexpertin. "Die ausgelatschten Joggingschuhe gehören zum Beispiel nicht unter den Schreibtisch, sondern in den Schrank, ebenso die Einkaufstaschen", zählt Helbach-Grosser auf. "Natürlich darf man bei der Arbeit Erfrischungsgetränke trinken. Es sollten aber nicht drei Flaschen auf dem Schreibtisch herumstehen, sondern nur ein schönes Glas."
Zu gordischen Knoten zusammengerollte Telefonschnüre fallen ebenso unangenehm auf wie zu Wolkenkratzern wachsende Papierstöße oder vergammelte Pflanzen. Auch mit Familienfotos und kuriosen Sammelobjekten sollte man eher sparsam sein.
Besonders wichtig wird die Optik im Büro, wenn Kunden zu Gast sind. Wenn erst die Aktenstapel vom Besucherstuhl geräumt werden müssen und die Kaffeetassen noch schmutzig sind, dann fühlt sich kaum ein Gast willkommen. Es macht auch keinen sonderlich guten Eindruck, wenn vertrauliche Unterlagen offen auf dem Schreibtisch herumliegen. "Denn dann muss der Besucher befürchten, dass mit seinen Daten ähnlich schlampig umgegangen wird", mahnt Helbach-Grosser.
Leader, Genie oder Animateur?
Der Schreibtisch kann sogar über Karrierechancen entscheiden, mahnen Psychologen. Der britische Wissenschaftler Cary Cooper klassifizierte in einer Studie im Auftrag des Computerzubehör-Unternehmens Logitech fünf Büro-Typen:
Doch nicht nur Chefs, auch Kollegen ärgern sich mitunter über das Chaos auf dem Nachbarschreibtisch. Was tun? Susanne Helbach-Grosser rät zu einem netten Meeting über das Erscheinungsbild im Büro. Wobei es nicht darum gehe, dass alle Schreibtische in einem Großraumbüro gleich aussehen: "Es arbeiten ja auch nicht alle gleich", sagt sie. Nur sollte eben der Gesamteindruck stimmen.
Helbach-Grosser macht deshalb in ihren Beratungsgesprächen in den Unternehmen durchaus auch Unterschiede je nach Branche. In einer Werbeagentur dürften die Büros anders aussehen als in einer Behörde. Doch auch hier gelte: "Ein kreatives Chaos im Büro ist in manchen Berufen durchaus erlaubt - es darf nur kein schmutziges Chaos sein."
Ein bisschen Chaos ja, aber kein Schmutz
Eine angenehme Arbeitsumgebung stellen Arbeitsforscher sich anders vor. Hell und farbig soll es nach einer Studie des Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sein. Attraktiv wirkt ein Büro beispielsweise durch den Einsatz von Farben und von hochwertigen Materialien wie Glas, Holz und Textilien. In billig wirkenden Kunststoffen hingegen fühlen sich die wenigsten Arbeitnehmer wohl, ebenso wenig an ergonomisch schlecht gestalteten Einfach-Möbeln.
Die Arbeitsbereiche sollten strukturiert sein und Möglichkeiten zum Rückzug bieten, aber auch Plätze, an denen man sich mit den Kollegen treffen kann. Weniger wichtig war den Befragten dagegen, dass sie ihren Arbeitsplatz mit persönlichen Dingen dekorieren können.
Das Fazit der Forscher: Es lohnt sich für die Firmen, bei der Bürogestaltung für "Wohlfühlqualität" zu sorgen. Denn das unterstützt die Leistungsfähigkeit und sorgt für zufriedene und kreative Mitarbeiter.
Von Eva Dignös, DDP
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