Von Klaus Werle
Kitzbühel - In der Vorstandssitzung herrscht Nervosität. Wird die Konkurrenzfirma mit einem Kampfpreis auf den Markt gehen? Oder erkennt der Wettbewerber, dass es für alle Beteiligten das Beste ist, die Preise möglichst lange möglichst hoch zu halten?
Die Vorstände entwerfen ein Szenario nach dem anderen, aber letztlich hilft nur eines: den Gegner richtig einzuschätzen, seinen nächsten Zug vorherzusehen. Würde man das Licht dimmen und ein paar dicke Zigarren in schweren Aschern auf den Holztischen platzieren, hätte die Sitzung einiges von einem Pokerabend.
Wirtschaft ist eben immer auch Psychologie, und deshalb mögen die Beobachter von McKinsey die simulierten Vorstandssitzungen über die richtige Preisstrategie eines fiktiven Unternehmens auch so gern.
In der ersten Übung im Finale des Wettbewerbs "CEO of the Future", mit dem "manager magazin" und McKinsey die Führungskräfte von morgen suchen, muss jeder Teilnehmer reihum einmal in die Rolle des Vorstandsvorsitzenden schlüpfen. Die McKinsey-Beobachter sehen dann genau, wer Nerven zeigt, wer ruhig und souverän bleibt, wer auch unter Druck noch sachlich argumentieren kann.
Mehr als 19.000 Bewerber
Eigenschaften, die für einen idealen CEO mindestens genauso wichtig sind wie eine internationale Ausbildung, brillante analytische Fähigkeiten oder fließendes Business-Englisch. Die 20 Teilnehmer, die es zum Finale nach Kitzbühel geschafft haben, müssen innerhalb von zwei Tagen zeigen, dass sie beides mitbringen: das intellektuelle Format und die entsprechende Nervenstärke.
Alle Finalisten haben einen harten Weg hinter sich. In der Vorrunde mussten sie als Leiter der virtuellen Firma CardioChem mit einer cleveren Strategie Aktienkurs und Unternehmenswert ihrer Firma nach oben treiben.
Über 19.000 Interessenten aus 74 Ländern hatten die CD angefordert; die 20 Besten wurden teilweise aus China oder den USA nach Kitzbühel eingeflogen. Im Schnitt sind sie 28 Jahre alt, in der Mehrheit Betriebswirte, aber auch einige Ingenieure und Naturwissenschaftler.
Nach den Preisgesprächen stehen auf dem Prüfungsplan noch Verhandlungsgeschick und die Präsentation eines Businessplans vor prominenten Juroren, darunter McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge und Linde-Vorstand Peter Diesch.
Was den Chef von morgen ausmacht, hat Kluge in seiner Rede zur Preisverleihung schon gesagt: "Leidenschaft, Leistungsbereitschaft, Kreativität, kurz: erkennbare Persönlichkeiten."
"Leidenschaft, Leistungsbereitschaft, Kreativität"
Dass die auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nicht immer ganz leicht zu finden sind, musste selbst McKinsey erfahren: "Im vergangenen Jahr wollten wir 200 neue Berater einstellen", sagt Kluge, "aber wir haben nur gut 130 gefunden."
In Kitzbühel allerdings wurde die Jury schließlich fündig. Die fünf Gewinner erhalten als Preis Karrierecoachings durch McKinsey, die drei Erstplatzierten zusätzlich noch Trainingsgutscheine in Höhe von 8000, 4000 und 2000 Euro.
Welche Impulse solche Trainings der eigenen Karriere geben können, zeigt der Werdegang der Sieger der beiden vorangegangenen Wettbewerbe. Simon Peter und Christoph Harmann investierten ihr Preisgeld in Kurse an der US-amerikanischen Eliteschmiede Harvard. Beide absolvierten ein Praktikum bei McKinsey und McKinsey-Vormann Jürgen Kluge vermittelte einen Kontakt zum renommierten MIT in Boston.
"Von McKinsey gecoacht zu werden und in Harvard zu studieren, was wie der schönste Traum eines Wirtschaftsstudenten klingt, ist für mich durch diesen Wettbewerb Realität geworden", sagt Simon Peter rückblickend.
So sehen Sieger aus - die Gewinner des CEO-Wettbewerbs im Porträt:
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