Eines unserer zentralen Ergebnisse ist, dass sich Selbstinszenierung mehr als Beziehungsarbeit auszahlt. Vor die Wahl gestellt, sich zwischen Ich-AG und kollegialem Joint Venture zu entscheiden, raten die meisten unserer Befragten zum Ersten. Das ist komplett anders als vor 20 Jahren; damals empfahl sich mikropolitische Zurückhaltung. Heute fährt man ganz offensichtlich besser mit dem Herausstreichen eigener Fähigkeiten und Ideen. Selbstinszenierung zahlt sich im wortwörtlichen Sinne mehr aus als Beziehungsarbeit.
Selbstinszenierung ist eine Gratwanderung. Droht nicht schnell die Gefahr, als Aufschneider abgetan zu werden?
Mayrhofer: Sicherlich ist Selbstinszenierung nicht nur positiv, sondern ein Stück weit doppelwertig besetzt. Wer sich allerdings auf das Motto "Tue Gutes und rede darüber öffentlich" fokussiert, der fährt gut damit. Andererseits ist es unzulässig, Selbstinszenierung als den alles entscheidenden Faktor für den beruflichen Erfolg herauszustellen.
Wie unterteilt sich beruflicher Erfolg nach Geschlechtern?
Mayrhofer: Wir haben herausgefunden, dass objektiver und subjektiver Karriereverlauf nicht parallel verlaufen. Objektiver Karriereerfolg beinhaltet nachvollziehbare Komponenten wie Einkommen, Aufstieg, Zahl der Untergebenen und einiges mehr. Subjektiver Karriereerfolg umfasst all das, was einzelne Personen für sich selbst als wesentliche Erfolgsmaßstäbe erachten, wie zum Beispiel Glück und Zufriedenheit. Interessant ist nun, dass Frauen signifikant häufig in der Kombination objektiv wenig erfolgreich und subjektiv sehr erfolgreich zu finden sind.
Karriere: "Es wird einem nichts geschenkt"
Mayrhofer: Die niederschmetternde Variante lautet: Frauen haben sich damit abgefunden, dass sie objektiv weniger erfolgreich Karriere machen als Männer, sich aber für das Gefühl etwas zurechtzimmern. Die positivere Interpretation lautet: Frauen sind stärker in der Lage, sich von den klassischen objektiven Erfolgsmaßstäben zu lösen und schätzen eher andere Faktoren wie eine ausgewogene Work-Life-Balance. Das könnte man schon fast als Startvorteil verstehen, da die klassischen Erfolgsfaktoren mehr und mehr in der Ablösung begriffen sind.
Zugespitzt gefragt: Hat Karriere ein Geschlecht?
Mayrhofer: Zynisch gesprochen: Ja! Karriere ist ein Stück männlich. Männer haben im Schnitt deutliche Vorteile, was späteres Einkommen angeht. Im absoluten Topmanagement ist dies allerdings nicht mehr so. Wie eine Studie der amerikanischen Kollegin Susan Adams und ihrer Kollegen ergab, die die Einkommen der CEOs von 1500 großen amerikanischen Unternehmen verglich, gibt es keinen Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern. Weibliche CEOs verdienen im Endeffekt sogar mehr.
Welcher Faktor hat das größte Gewicht für die Karriere?
Mayrhofer: Wir haben als Einflussfaktoren für das Verhältnis von subjektivem und objektivem Karriereerfolg das Geschlecht, den sozioökonomischen Hintergrund und verschiedene personenbezogene Merkmale zu Grunde gelegt.
Dabei ist ganz deutlich geworden, dass Führungsmotivation den größten Einfluss hat. Personen, die also sehr gewillt sind, Führungsverantwortung zu übernehmen, sind objektiv wie subjektiv erfolgreicher. Anders gesagt: Führungsmotivation fördert den objektiven und den subjektiven Karriereerfolg. Dagegen ist der Einfluss der Leistungsmotivation, Gewissenhaftigkeit, emotionaler Stabilität, Kontaktfähigkeit und Flexibilität auf objektive Merkmale des Karriereerfolgs zwar nachweisbar, aber nicht sehr hoch.
Lesen Sie im zweiten Teil:
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