Sie haben auch zum Thema soziale Herkunft geforscht. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Mayrhofer: Wirtschaftsakademiker kommen, was ihre soziale Herkunft betrifft, aus den "besseren" Schichten, also eher aus den höheren Bildungs- und Berufsschichten. Für Männer gibt es zudem einen direkten positiven Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad der Eltern und dem durchschnittlichen Jahreseinkommen. Je höher die Bildung des Vaters ist, desto mehr verdient der Sohn.

Kleiner Unterschied: "Karriere ist ein Stück männlich"
Das ist für die heutige Generation der 15- bis 25-Jährigen ziemlich ernüchternd. Als Jugendlicher kann ich mir also schon anhand meines Elternhauses ausrechnen, wie weit ich es später nach oben schaffe.
Mayrhofer: So mechanisch geht's nun auch wieder nicht. Soziale Herkunft hat zwar grundsätzlich eine wesentliche Rolle - Stichwort "Eliten produzieren Eliten" - und "bessere" Schichten haben so gesehen einen Startvorteil. Nur ist das nicht allein das Ticket für eine erfolgreiche Karriere. Andere Faktoren wie "Netzwerke bilden" müssen noch hinzukommen.
Stichwort Arbeitszeit: Wie wirkt sich längeres Arbeiten auf die Karriere erfolgreich aus? Wie viele Stunden muss man mehr arbeiten, um signifikant Karriere zu machen?
Mayrhofer: Die Schwelle liegt bei 55 bis 60 Stunden. Darüber zahlt sich Mehrarbeit aus. Unterhalb dieser Schwelle ist dies faktisch auch schon als Mehrarbeit anzusehen, aber gilt schon fast als erwartete Mehrarbeit und hat keinen Effekt. Die Botschaft ist also: Wer mehr arbeitet, sollte signifikant mehr arbeiten, um auf der Karriereleiter hinaufzuklettern.
Was müssen Studenten heute beachten, was ist für den Berufseinstieg am wichtigsten?
Mayrhofer: Gute Noten und schnelles Studieren haben beim Berufseinstieg keinen Effekt, Berufstätigkeit und Praxiserfahrung aber sehr wohl. Interessant ist, dass Auslandsaufenthalte per se keine klaren Effekte auf den Karriereerfolg beim Berufseinstieg haben. Sie wirken eher über den Umweg Praxiserfahrung.
Im weiteren Berufsverlauf gilt aber: Wer bereits im Studium gut und schnell studiert hat, ist auch später erfolgreicher. Erfolg meint hier aber nicht gute Noten, sondern vorbildliches Arbeitsethos wie hohen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit. Diese Erkenntnis müsste eigentlich auch Folgen für die elterliche Erziehung haben. Denn wer als Elternteil noch sagt, das Studium habe mit dem späteren Erfolg im Beruf nichts zu tun, der irrt gewaltig.
Sie haben auch herausgefunden, dass sich der Einstieg in bestimmten Unternehmen später finanziell mehr lohnt. Welche Unternehmen sind das?
Mayrhofer: Unsere Daten sagen sehr deutlich, dass der Berufseinstieg in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen, die in einer Wachstumsbranche sind und in ihrer Branche zur Spitze gehören, für den späteren finanziellen Karriereerfolg ideal sind. Ein Beispiel wären etwa wirtschaftlich erfolgreiche, alternative Unternehmen der Telekommunikation.
Mit Ihrer Studie festigen Sie das Bild des strebsamen Workaholic, der 60 Stunden und mehr arbeiten sollte, um Erfolg zu haben. Zudem haben Ihrer Meinung nach Karriereunterbrechungen wie ein Sabbatical deutlich negativen Einfluss auf den hierarchischen Aufstieg.
Mayrhofer: Meine Antwort lautet: "Es wird einem nichts geschenkt." Wer nach den üblichen Kriterien erfolgreich sein will, der muss seinem Job einen höheren Stellenwert im Leben geben. Mein Appell lautet aber auch: Man sollte sich bewusst sein, dass man mit Unterbrechungen der Karriere zumindest ein großes Risiko eingeht.
Wie lautet Ihr Appell an die heutige Studentengeneration, was deren Karriere angeht?
Mayrhofer: Erstens: Überlege, was für dich Erfolg bedeutet, nach subjektiven wie objektiven Maßstäben. Sei dir zweitens bewusst, dass du von deiner Herkunft geprägt bist. Drittens: Mach' etwas aus deinen Fähigkeiten - individuelle Anstrengung macht auch hier den Unterschied.
Das Interview führte Martin Scheele, manager-magazin.de
Buchtipp
Wolfgang Mayrhofer, Michael Meyer, Johannes Steyrer: "Macht? Erfolg? Reich? Glücklich? - Einflussfaktoren auf Karrieren". Linde Verlag, Wien 2005, 280 Seiten, 24,90 Euro.
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