"Wie lange ich studiert habe, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Das waren so um die drei bis vier Semester", erzählt Markus Espenhain, "zumindest war ich in der Zeit eingeschrieben, hatte aber parallel ja schon die Firma. Und das ist dann irgendwann kollidiert."
Heute ist Markus Espenhain Unternehmer. Mit seinen drei Kollegen arbeitet er in einem Hinterhof-Büro in der Stuttgarter Innenstadt. Unter dem Namen Etes bauen sie Netzwerke für Unternehmen auf und passen Software an die Bedürfnisse ihrer Kunden an. Einen Hochschulabschluss hat der ehemalige Informatikstudent nicht: "Es hat dann eben zu terminlichen Problemen geführt in der Firma, dann ist auch die Auftragslage gestiegen, dadurch musste etwas leiden. Und das war dann letztendlich die Uni."
Vor allem Informatiker wagen es
Vorlesung und Firma - das geht oft nicht zusammen. Damit die Selbstständigkeit doch irgendwie klappt, bietet die Stuttgarter Universität Hohenheim ihren Studenten Büros auf dem Campus zur Miete an. Die Hochschule unterstützt die jungen Gründer auch über die Universitäts-Tochterfirma "Innovation und Bildung Hohenheim".
"Ich kann zum Teil tagsüber studieren gehen, komme zwischen meinen Vorlesungen oder am Nachmittag direkt hierher und arbeite an meiner Unternehmensgründung", schildert Geschäftsführer Marcus Witzke die Vorteile dieser uninahen und betreuten Selbstständigkeit. "Und durch die technischen Zugänge, da wir komplett im Campus-Netz eingebunden sind, kann ich auch hier alle Arbeiten machen, die ich sonst an jedem Standort der Hochschule auch machen könnte."
Auch für Markus Espenhain wäre die Sache "durchaus interessant gewesen", sagt er. Nach fünf Jahren ist seine Firma immer noch erfolgreich: Gewinn und Umsatz steigen - "ich denke, wir sind auf einem guten Weg."
Welche Fächer die neuen Selbstständigen studiert haben, hängt nicht zuletzt auch vom Arbeitsmarkt ab. Im Jahr 2001 waren vor allem die Techniker und Naturwissenschaftler, die gerne eigene Firmen gründeten. "Das war natürlich so ein Fach wie Informatik, vor allem durchaus auch an Fachhochschulen, also nicht nur an Universitäten", hat Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System herausgefunden, "das gibt es auch noch in anderen technischen und naturwissenschaftlichen Fächern."
Zweite Chance für das Studium
Heute würde das Ergebnis anders aussehen, vermutet Heublein. Aktuelle Untersuchungen gibt es aber nicht. Auch weiß niemand so genau, wie viele Existenzgründer ihr Studium abbrechen. Klar ist nur: Nicht jeder hat Erfolg.
Matti Toomes hat mit zwei Freunden 1999 die Firma Boost gegründet und Software für Internetseiten programmiert. Dafür hat er sein Medientechnik-Studium aufgegeben. Zunächst liefen die Geschäfte gut. "Aber im Jahr 2002 war die Situation dann so, dass es aus unserer Sicht nicht mehr möglich war, neue Kunden zu gewinnen, der Wettbewerb war einfach zu hoch. Es gab zu viele Wettbewerber, die etwas Ähnliches anboten, und zu wenige Kunden, die bereit waren, zu investieren."
Nach dem Abschluss will er erst mal in einer größeren Firma unterkommen. Denn jetzt kennt Matti Toomes die Probleme von Selbstständigen. "Wenn mich ein Student jetzt fragen würde, ob er sein Studium abbrechen soll, würde ich mich bemühen, ihm die Risiken darzulegen: dass er sehr lange sehr viel arbeiten wird, dass er dabei sehr wenig verdienen wird. Und dass er, wenn's schlecht läuft, am Ende auf Null rauskommt und sozusagen finanziell die Zeit verschwendet hat."
Von Christian Burgdorf und Patrick Bernau,
""Campus & Karriere" / Deutschlandfunk
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