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05.08.2005
 

Wirtschaftsingenieure

Begehrte Alleskönner

Von Peter Ilg

Wenn Technik und Wirtschaft aufeinander treffen, kommen Wirtschaftsingenieure zum Einsatz. Die Studentenzahlen sind explodiert und die Absolventen bei Firmen gefragt, weil sie sich in beiden Welten zurechtfinden - wie die Vertriebsexpertin Jandira Duarte Silva, 28.

Ingenieurin Duarte Silva: Studium lieber doppelt genäht
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Ingenieurin Duarte Silva: Studium lieber doppelt genäht

Eine lange Reise hat Jandira Duarte Silva auf sich genommen, um ihren Traumberuf zu erlernen. Vor zehn Jahren kam sie von den Kapverden, einer Inselgruppe mit 400.000 Bewohnern vor der Westküste Afrikas, nach Deutschland und begann mit dem Studium der Wirtschaftsingenieurwissenschaften. "Ich wollte Technik und Wirtschaft zugleich lernen", begründet sie ihre Wahl. 2001 hat sie ihr Diplom an der Fachhochschule in Esslingen abgelegt und ging anschließend zu IBM in Stuttgart als Vertriebsbeauftragte für "Middelware". Durch solche Programme können unterschiedliche Anwendungen miteinander kommunizieren.

Zurzeit betreut Duarte Silva einen Kunden, dessen Informationstechnologie im Laufe der Jahre ausgeufert ist. Kollegen kümmern sich um Server und Applikationen, sie selbst ist für die Schnittstellen zuständig. Auf Kundenseite hat Duarte Silva mit dem IT-Chef ebenso zu tun wie mit Mitarbeitern aus dem Rechnungswesen. Denn die neue Software soll nicht nur zuverlässig funktionieren, sie muss sich auch rechnen. Weil die 28-Jährige die technische wie auch die kaufmännische Seite in ihrem Studium gelernt hat, kann sie beiden Ansprechpartnern gerecht werden. "In solchen Momenten weiß ich mein Wirtschaftsingenieurstudium zu schätzen", sagt sie.

Darf's auch etwas mehr sein als 100 Prozent?

Die Absolventen arbeiten an der Nahtstelle zwischen Technik und Wirtschaft - als Generalisten mit Überblick finden sie sich in beiden Bereichen zurecht. Das gelte besonders im Marketing und Vertrieb, weiß Christian Schuchardt, Marketingprofessor an der Hochschule Bremen und Präsident des Verbandes Deutscher Wirtschaftsingenieure. Die Alleskönner würden aber auch gern im Controlling, der Produktion oder in der Unternehmensleitung eingesetzt.

Startgehälter: Wirtschafts- und andere Ingenieure
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Startgehälter: Wirtschafts- und andere Ingenieure

Die Ausbildung sei zu 50 Prozent Technik und zu 80 Prozent Wirtschaft - dass die Studenten gleich 130 Prozent geben müssen, erklärt Schuchardt, selbst vom Fach, so: "Das spiegelt exakt den Ruf des Wirtschaftsingenieurs, dessen Studium deutlich höhere Anforderungen stellt als klassische Studiengänge."

Das Engagement zahlt sich aus, denn von der Arbeitsmarktkrise bleiben Wirtschaftsingenieure weitgehend verschont. Ihre doppelte Ausbildung macht sie vielfältiger einsetzbar, dazu kommt ihre Fähigkeit, verschiedene Sichtweisen zu integrieren und sie den Beteiligten in den jeweiligen Fachgebieten zu vermitteln - wie bei Jandira Duarte Silva.

Den Vorwurf, Wirtschaftsingenieure seien weder richtige Ingenieure noch richtige Betriebswirte und säßen deshalb zwischen den Stühlen, widerlegt die steigende Nachfrage am Arbeitsmarkt. Unter Abiturienten hat sich das herumgesprochen: Binnen 20 Jahren hat sich die Zahl der Studenten des Fachs vervierfacht. Im Wintersemester 2003/2004 schlossen 4685 Wirtschaftsingenieure ihr Studium ab, über 43.000 waren eingeschrieben. Kaum ein anderer Studiengang hat eine derart explosionsartige Entwicklung erlebt.

Mehr Frauen als in klassischen Technikfächern

Dennoch ist diese besondere Spezies noch eher rar: Der Anteil der Wirtschaftsingenieure innerhalb des Ingenieurwesens beträgt gerade sechs Prozent. Dafür rangiert die Frauenquote mit 17 Prozent deutlich vor den übrigen Ingenieurwissenschaften, die im Schnitt nur 5,7 Prozent Studentinnen verzeichnen.

Die Automobilindustrie zieht Wirtschaftsingenieure geradezu magisch an. Automobilzulieferer Bosch etwa plant, in diesem Jahr rund 170 Wirtschaftsingenieure einzustellen. Audi rechnet mit 600 neuen Ingenieuren, darunter zahlreiche Wirtschaftsingenieure. In einer Umfrage des Recruiting-Unternehmens Access bewerten Absolventen des Studiengangs die Automobilbranche mit 62,5 Prozent als besonders attraktiv. Erst mit riesigem Abstand folgen Unternehmensberatungen (26 Prozent) und Transport/Logistik (19,8 Prozent). Am wenigsten zieht es die Wirtschaftsingenieure zu Banken und Versicherungen, die abgeschlagen auf den letzten Plätzen landeten.

Nach Auskunft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erhält ein FH-Absolvent im Schnitt als Einstiegsgehalt rund 37.500 Euro jährlich. Ein Uni-Absolvent darf sich über 3000 Euro mehr freuen, wer zudem promoviert hat, liegt bei knapp 46.000 Euro Gehalt - kein schlechter Start in den Beruf.

Stellenmarkt im Aufwind

Krisenmanager Hofmann: Vom Spezialisten zum Generalisten
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Laut Access-Studie sind Marketing, Logistik und Produktion die Bereiche, die Absolventen am meisten reizen und für die sich viele entscheiden. Die Unternehmen indes suchen Wirtschaftsingenieure in erster Linie für den Einkauf, den Vertrieb und das Projektmanagement. Zu diesen Ergebnissen kommt der Personaldienstleister Adecco in seiner Stellenmarktanalyse und hat zugleich steigenden Bedarf ermittelt: 2004 wurden fast zehn Prozent mehr Wirtschaftsingenieure gesucht als im Vorjahr.

Dass sie wirklich Alleskönner sind, zeigt das außergewöhnliche Beispiel von Thorsten Hofmann. Der selbstständige Krisenmanager hat zunächst bei der Bundeswehr Luft- und Raumfahrttechnik studiert und ein Aufbaustudium als Wirtschaftsingenieur drangehängt. "Ich wollte als Generalist arbeiten, dafür fehlte mir das betriebswirtschaftliche Wissen", begründet das der 36-Jährige. Hofmann stieg beim Bundeskriminalamt ein, war im Innenministerium und im Krisenstab des Auswärtigen Amtes tätig.

Vor drei Jahren hat er die Agentur PRGS in Berlin gegründet, die auf Krisenmanagement spezialisiert ist. Zur Kundschaft zählen Behörden sowie nationale und internationale Unternehmen. Für die entwickelt er potentielle Bedrohungsszenarien, baut Krisenstäbe auf und trainiert mit ihnen den Ernstfall. Hofmann ist sicher: "Wäre ich nicht Wirtschaftsingenieur, könnte ich einen solchen Job nicht machen."

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