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05.10.2005
 

Jobsuche in den USA

Dicke Bewerbungsmappen sind out

Jenseits des Atlantiks gilt vor allem: "Zeit ist Geld." Bewerber in den USA schicken Anschreiben und Lebenslauf per E-Mail, das Vorstellungsgespräch dauert höchstens eine halbe Stunde. Doch trotz der oft lockeren Art ist die Auswahl knallhart.

In den USA sollten die Bewerbungsunterlagen optisch ansprechend und auf das Wesentliche beschränkt sein. Im Anschreiben legt man Wert auf die persönliche, direkte Anrede des Gegenübers, das Karriereziel des Bewerbers sollte im Vordergrund stehen. Tabu sind Angaben über Familienstand, Religionszugehörigkeit, Alter, Herkunft, Gesundheit - und auch ein Lichtbild. Denn der potenzielle Arbeitgeber will wegen der strengen Antidiskriminierungsgesetze keinen Prozess riskieren.

Bewerbung: Fürs Gespräch reicht in den USA eine halbe Stunde
[M]DDP;mm.de

Bewerbung: Fürs Gespräch reicht in den USA eine halbe Stunde

Der Lebenslauf müsse rein optisch interessant gestaltet und knapp bemessen sein, sagt Liz Kressel, die in ihrer New Yorker Firma "CollectorsQuest" 17 Angestellte beschäftigt. Länger als zehn Sekunden schaue sie nicht auf einen Lebenslauf.

"Da muss etwas stehen, das sofort ins Auge sticht. Längere Abhandlungen lege ich gleich ab", erklärt Kressel. Dem Bewerber müsse klar sein, dass er auf einen Blick einen überzeugenden Eindruck davon liefern muss, was er kann. Kressel warnt vor ausschweifenden Berufsbezeichnungen und Ausbildungsabschlüssen und empfiehlt eine einfache, fachbezogene Sprache. Wer sich bewirbt, müsse von sich aus schriftlich nachweisen, dass er ein Bewerbungsgespräch verdient habe.

Rätseln für die Karriere

Die meisten Großunternehmen in den USA bieten mittlerweile standardisierte Bewerbungsformulare auf ihren Webseiten an. Trotzdem sind fast zwei Drittel der offenen Stellen nicht ausgeschrieben. Initiativbewerbungen haben deshalb einen hohen Stellenwert. Im Dotcom-Bereich erfolgt die Vorauswahl gelegentlich auf unkonventionelle Art.

Die Internet-Suchmaschine Google machte vor kurzem mit komplizierten mathematischen Rätseln auf Plakatwänden in der Nähe von Universitäten von sich reden. Wer ein Rätsel löste, gelangte auf eine Bewerbungswebseite und war bereits in der Vorauswahl.

Der Mathematikdozent Keith Devlin von der Stanford University beobachtet seit mehreren Jahren die Trends bei Bewerbungen in den USA. Sein Fazit: Bei Dotcom-Firmen wird gerne experimentiert, aber die Bewerbungsverfahren in der Privatindustrie oder an einer Universität sind im Kern gleich.

Hightech-Firmen in Silicon Valley und anderswo nutzten mathematische Rätsel und logische Fragen seit den fünfziger Jahren, um bei den Bewerbern den Weizen von der Spreu zu trennen, erklärt Devlin. "Microsoft ist berühmt-berüchtigt für seine oft höchst komplizierten Rätsel. Es ist allerdings nicht ganz geklärt, ob diese die effektivste Methode sind, die Bewerber auszusortieren."

Kein Achselschweiß, kein Handygeklingel

Universitäten und andere private Forschungseinrichtungen halten sich dagegen streng an das traditionelle Bewerbungsschema. Die Dotcom-Firma macht jedenfalls deutlich, dass sie auf intellektuelle Talente außergewöhnlich großen Wert legt.

Die New Yorkerin Liz Kressel sucht für ihr Unternehmen, das sich Hobbysammlern, ihren Sammelobjekten und deren Vermarktung widmet, immer wieder Angestellte. Dabei sind die K.O.-Kriterien klar: kein Kaugummigekaue, keine Schweißachseln, keine Flirterei, kein Handygeklingel, kein Rasierwasser-, Parfüm- oder Zigarettengeruch und keine Piercings, erklärt Kressel. "Smalltalk, Humor und Lockerheit ja, aber bitte zur Sache kommen."

Auch der Dresscode ist bei Kressel streng. Männer sollten einen Anzug tragen und ein weißes Hemd, Frauen präsentieren sich am Besten im Hosenanzug oder mit Rock und Jackett. Keine schreienden Farben, sondern dezent. "Am Wichtigsten ist mir dann, dass der Bewerber sich schon vorher über die Firma kundig gemacht hat. Wer mich etwas fragt, was ich auf meiner Webseite beantwortet habe, hat schon verloren. Das ist nämlich Zeitvergeudung."

Einen positiven Eindruck hinterlasse der Bewerber außerdem, wenn er sich beim Vorstellungsgespräch aktiv zeige. "Er oder sie sollte versuchen, den Gesprächsverlauf mit zu beeinflussen und nicht nur mir zu überlassen", empfiehlt Kressel. Und auch ein Dankesschreiben ein oder zwei Tage später könne nützlich sein. "Das dient mir als Erinnerung an die Person."

Von Max Bohnel, Campus & Karriere / Deutschlandfunk

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