Ihren Nachnamen gibt Katy nicht preis. Und auch der Vorname ist erfunden. Denn Katy hat die Bewegung der "Praktikanten in Wut" aus der Taufe gehoben und fürchtet nun, sich damit potentielle Arbeitgeber zu verprellen. Als aufmüpfig verschrien zu werden, wo sie doch nur eines möchte: endlich einen richtigen Arbeitsplatz.
32 ist Katy heute und hat nach dem Abitur insgesamt zehn Jahre Studium absolviert - mit einem Management-Abschluss an einer Pariser Elite-Uni, einem Master an der Akademie der Schönen Künste. Sie hat also eine ziemlich hochwertige Ausbildung und sucht trotzdem seit eineinhalb Jahren vergeblich nach einem Job. "Ich muss feststellen, dass heute die Zahl der Praktikumsangebote ins Uferlose steigt und die der Jobangebote in den Keller geht", erzählt sie. "Ich selbst habe mittlerweile acht Praktika absolviert, Posten in verantwortungsvoller Position, Arbeit, für die ich null Euro Lohn bekam."
Lange dachte Katy, das Problem der unbezahlten Praktika betreffe nur ihren Bereich, den Kultursektor oder auch die Verlagsarbeit. Doch seit Ende des Sommers wird sie von den Zeugenaussagen von Schicksalsgenossen geradezu überrollt, die auf ihr neu gegründetes Blog. Betroffen seien auch die Bereiche Werbung, Personalführung. "Aus dem Bank- und Finanzwesen kommen viele Mitglieder unserer Protestbewegung her, ebenso wie aus den Rechtswissenschaften, aus dem Consulting-Bereich. In unseren Reihen befinden sich sogar Informatik-Ingenieure", sagt Katy.
Hinzu kämen der öffentliche Dienst, Dienstleistungsunternehmen, der Versandhandel. Katy: "Ebenso wie all die anderen nutzen Börsen-Firmen, die eigentlich schwarze Zahlen schreiben, die Praktikanten als kostenlose Arbeitnehmer aus, mit denen man umspringen kann, wie man will." Die Praktikanten in Wut kämpfen nun für ein Gesetzesprojekt: Im Arbeitsrecht soll der Praktikantenstatus verankert und genau definiert werden. Für ihren Einsatz wollen sie Lohn. Der Arbeitgeber soll die Sozialversicherung übernehmen, die Länge der Praktika auf einige Monate beschränkt bleiben und im selben Betrieb nicht beliebig fortschreibbar sein.
"Ich hege die Hoffnung, irgendwann mal einen Posten in meinem Sektor, der Kultur, zu ergattern, wo ich mich dann zu meinem Traumjob hocharbeiten kann", sagt Katy. "Ich bin jetzt 32, ich würde gerne eine Familie gründen, aber derzeit sieht es damit verdammt schlecht aus. Und auch das ist für eine junge Frau wie mich ziemlich schmerzhaft."
Von Suzanne Krause, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk
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