Silvio Uhlig ist nach 20 erfolglosen Bewerbungen frustriert. Der gelernte Maler- und Lackierermeister will jetzt seine Chancen außerhalb Deutschlands ausloten. "Ich will nicht nur den deutschen Arbeitsmarkt kennen lernen, man muss auch mal über den Tellerrand schauen", sagt der 26-Jährige. Obwohl er sich in Deutschland wohl fühle, könne er sich ein Jahr Schweiz vorstellen.
Neue deutsche Welle: Ab ins Ausland
So wie die beiden denken angesichts der schlechten Arbeitsmarktlage immer mehr Arbeitssuchende. Die "kollektive Depression" führt dazu, dass die Zahl derer, die ihren Mut zusammennehmen und aus Deutschland auswandern, zunimmt, sagt Migrationsforscher Klaus J. Bade.
150.667 Bundesbürger packten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2004 ihre Koffer und suchten ihr Glück außerhalb Deutschlands. Im Vergleich zu 1991 stieg die Zahl der Fortgezogenen um rund 52.000. Damit sei 2004 das stärkste Auswanderungsjahr seit der Wiedervereinigung gewesen, erklärt Bade. Dieser Anstieg hält auch weiterhin an. Allein im ersten Halbjahr 2005 kehrten 65.500 Menschen Deutschland den Rücken.
Furcht um die Hochqualifizierten
Auf der Suche nach Jobs und angenehmeren Lebensbedingungen werden vor allem die USA (13.000 Fortgezogene), die Schweiz (12.800) und Polen (9700) als Zielland bevorzugt. Von den USA-Auswanderern fallen mehr als die Hälfte in die Altersgruppe der 25- bis 50-Jährigen. Rund 43.000 Deutsche dieser Altersgruppe wanderten ins europäische Ausland aus.
Grundsätzlich halte er Abwanderung für gut, solange die Aufenthalte nur zeitweise seien und die Menschen mit neuen Erfahrungen zurückkehrten, sagt Migrationsforscher Bade. Schlecht sei es, wenn die Hochqualifizierten auf Dauer fehlten und keine Experten im Gegenzug kamen.
Experten sprechen dann vom "Brain Drain". Allein in die USA wanderten jährlich 6000 Hochqualifizierte aus. "Aus Angst, vom renommierten Professor zum 'Hartz IV'-Empfänger abzurutschen, retten sich habilitierte Dozenten ins Ausland", sagt Bade.
Nach Einschätzung von Claudia Diehl vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung lastet auch auf vielen Absolventen der Druck, Auslandserfahrungen aufweisen zu können. "Aber wer einmal die Luft der Ferne schnuppert, für den ist das Risiko groß, auch permanent im Ausland zu bleiben", sagt sie.
Jeanette Tandel, ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH