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21.06.2006
 

Berufseinsteiger

"Du bist ein ganz anderer Mensch"

Von Christine Zerwes und Katrin Schmiedekampf

Ich will so bleiben, wie ich bin, schwören sich viele junge Akademiker. Bis der erste Job alles anders macht: Man hat Geld, aber kaum Freizeit, ist zu erschöpft für Partys, verliert alte Freunde aus den Augen. Mein Leben, mein Job - sieben Berufsstarter erzählen.

In der Uni kam es nicht so drauf an. Klar gab es auch Stressphasen, die langen Büchernächte vor Klausuren, diese wirklich unangenehme Seminararbeit und am Ende das Ringen um eine gute Diplomarbeit. Aber ob man die Vorlesung einmal ausfallen ließ und den letzten Pflichtschein im Sommer- oder im Wintersemester machte - so wichtig schien das nicht. Im Zweifel blieb immer Zeit: für ausdauerndes Feiern, für Gespräche über die Beziehungsnöte der besten Freundin, für den Spontan-Trip nach Mailand und den Kanuurlaub in Schweden.

Gejobbt hat an der Uni fast jeder. Die erste "richtige" Stelle ist anders. Nicht so unverbindlich. Viel fordernder. Mit Fehlern, vor denen man Angst hat, und vielen Erwartungen von anderen oder an sich selbst. Dass der Alltag völlig anders aussieht, merkt jeder sofort. Dass man selbst sich schleichend verändert, nicht unbedingt.

Freunde und Verwandten fällt das oft zuerst auf: Plötzlich fehlt die Zeit und Energie, um sich nach einem langen Tag im Büro oder auf Terminen nachts noch auf der Piste herumzutreiben. Aus Buchlesern werden Fernsehgucker. Der Faktor Geld gewinnt an Bedeutung, dieser aufdringliche Bankberater meldet sich alle drei Wochen, die Einkommenssteuererklärung wartet, und es werden Versicherungsverträge abgeschlossen, über die früher immer alle gespottet haben. Die alten Freunde sind jetzt so weit weg und scheinen in einem Paralleleluniversum zu leben - was hat man sich noch zu sagen? Und vielleicht wandeln sich auch die Vorstellungen von Gesellschaft und Politik total: "Hilfe, werde ich jetzt Spießer"?

Was das Arbeitsleben anrichtet, wie es die Persönlichkeit beeinflusst, wie Menschen sich mit dem Job und durch den Job wandeln - sieben Berufsstarter berichten.

Christoph, 29, Vertriebsbeauftragter in München

"Meine Freunde sagen, ich sei erwachsener geworden. Das hört sich immer so komisch an, aber ich finde das auch. Einfach in den Tag hinein leben, das ist eben vorbei." mehr...

Carola, 27, Beraterin in München

"Ich bin stressresistenter, lasse mich nicht mehr durch Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen. Ich entscheide schneller, bin pragmatischer und optimistischer geworden. Aber irgendwann möchte ich mich wieder mehr um mein Privatleben kümmern." mehr...

Max, 29, Kameramann in Berlin

"Früher habe ich mir nicht so viel Sorgen um die Zukunft gemacht. Jetzt beschäftigen mich Dinge wie: Werde ich Kinder haben? Kann ich mit meinem Job eine erfüllende Beziehung führen? Meine Freunde warnen mich oft, dass ich nicht in diesem Tempo weitermachen kann." mehr...


Christiane, 27, Grundschullehrerin in München

"Dass ich immer noch bis spätabends am Schreibtisch sitze, hätte ich nicht gedacht. Inzwischen höre ich gegen 19 oder 20 Uhr auf, leider bin ich dann meist zu müde, um noch Freunde zu treffen." mehr...

Andreas, 27, Architekt in Berlin

"Meine Freunde sagen, ich sei ernster geworden, seit ich arbeite. Ich denke, das stimmt, so ausgelassen und spontan wie früher bin ich nicht mehr. Dafür bin ich organisierter." mehr...

Nicole, 24, Junior Key Account Managerin in Paderborn

"Unter der Woche gehe ich nicht mehr aus, am nächsten Morgen will ich fit für die Arbeit sein. Die Zeiten, in denen man abends feiert und sich in der Uni am nächsten Tag berieseln lässt, sind vorbei." mehr...

Florian, 26, betreibt in Berlin eine Internet-Werbeagentur

"Ich trete selbstbewusster auf und kann mich auch bei Konferenzen durchsetzen, bei denen ich der Jüngste bin. Woran das liegt? Daran, dass ich genau das mache, was ich schon immer machen wollte." mehr...


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insgesamt 365 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.10.2011 von chirin: Berufsstart - wie sind Ihre Erfahrungen?

Bei Ihnen bricht man ja bald in Tränen aus!Wenn Sie sich schon selbst fragen, was mal aus Ihnen werden soll, ist das ein Zeichen, dass Sie überhaupt nicht geeignet sind, ein vom Steuerzahler - auch den nichtstudierten [...] mehr...

17.09.2011 von Phillo:

Eines ist sicher: es wird viel von einem erwartet und gefordert, wenn man in das Berufsleben startet. Man hat sich gerade zu Beginn täglich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen, aber ich denke gerade das ist auch das [...] mehr...

10.09.2011 von dickebank: Spaß

Ja, Arbeit kann Spaß machen. Aber wer kann schon tarifliche 8 Stunden Spaß ertragen? Vielen tätigkeiten fehlt der Esprit und so sind sie wie schale Witze, die mit noch so viel Schmerzensgeld nicht erträglicher wird. mehr...

10.09.2011 von Kirschelein:

Also ich sehe es nicht gleich als negative Erfahrung in der Arbeit an. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Arbeit kann dennoch Spaß machen und den Job gern tun, den ich habe. Nichtsdestotrotz kann es nicht sein, dass [...] mehr...

07.08.2011 von crazillo:

Wenn man das hier so ließt, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, es wird nie wieder schöner als im Studium. Ich werde ab dem Winter meinen Master beginnen und fühle mich innerlich einerseits getrieben, endlich eigenes Geld [...] mehr...

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