Von Anne-Dore Krohn
In den Romanen des 19. Jahrhundert trifft man sie auf fast jeder Seite: die Müßiggänger. Autoren wie Jane Austen oder Henry James führen vor allem Frauen gehobenen Standes als wahre Meisterinnen des Nichtstuns vor. Sie sitzen auf ihren Zimmern, spazieren, speisen, legen einen Schönheitsschlaf ein. Ihre Fertigkeiten beschränken sich auf Klavierspiel und Konversation.
Die Kunst des Müßiggangs - auftrumpfen kann man damit heute nicht mehr. Wenn eine Gesellschaft nach dem biblischen Gebot "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" lebt, so steigt das Selbstwertgefühl proportional zum beruflichen Erfolg. Arbeitslosigkeit: ein unerträglicher Zustand, den es abzuwenden gilt. Der "wohlverdiente Ruhestand": Mancher Rentner fällt in ein tiefes Loch und weiß nichts mit seiner Zeit anzufangen.
Zählt wirklich nur die klassische Erwerbsarbeit zum Glücklichsein - oder einfach eine Tätigkeit, ein Ehrenamt, das Gefühl, gebraucht zu werden? Initiativen wie das "Netzwerk Grundeinkommen" fordern angesichts von Massenarbeitslosigkeit eine Trennung von Arbeit und Einkommen. Vollbeschäftigung ist schon lange ein Mythos; selbst Unternehmer wie Götz Werner, Chef der Drogeriekette dm, streiten inzwischen für ein Grundeinkommen für alle.
Wie geht man damit um, wenn die Tage keine feste Struktur mehr haben, weil man gefeuert wurde, freiwillig seine Arbeit aufgegeben hat oder in Rente gegangen ist? Wie geht es denen, die dem Arbeitsmarkt nur noch von außen zusehen? Drei Menschen berichten, was Arbeit für sie bedeutet und ob sie darauf in ihrem Leben verzichten können.
Ingrid A., 50: "Ich bin meine eigene Sozialarbeiterin"
Rita Band, 65: "Es tut gut, gebraucht zu werden"
Werner Berthold, 69: "Arbeiten ist eine einseitige Sache"
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