Der Neue - er heißt Lars Hendrik Röller - war bis vor kurzem der Chefvolkswirt der Europäischen Union und will klotzen statt kleckern. Bisher gab es an der privaten Berliner Managernachwuchsschmiede, der European School of Management and Technology (ESMT) gerade mal sieben Professoren. Allesamt ohne große Namen. Das soll sich jetzt ändern: "Die Forschung muss im Mittelpunkt stehen. Das ist das Herzstück, das ist der innovative Teil einer wissenschaftlichen Einrichtung", so Röller, "sie ist natürlich nicht Selbstzweck, sie dient der Vermittlung von Wissen. Insofern sind die Forschung und die Professoren, die Köpfe, die hier sind, das Baumaterial, mit dem wir werkeln. Und das muss auch so sein."
Der 48-jährige Lars-Hendrik Röller, Sohn des früheren Dresdner-Bank-Chefs Wolfgang Röller, kündigt den Aufbau einer schlagkräftigen und renommierten Fakultät an. In ihr sollen verstärkt betriebswirtschaftliche Themen mit politischen Fragestellungen verknüpft werden. "Hybrid Faculty" nennt er das. Es bedeutet ganz schlicht, dass Lehrkräfte in interdisziplinären Arbeitsgruppen zusammenarbeiten und forschen. Für den Volkswirt und Wettbewerbsexperten Lars-Hendrik Röller etwas, was es in dieser Form bisher an deutschen Unis noch nicht gegeben hat, sagt er zumindest.
60 Professoren will er so schnell wie möglich an die Eliteschule an die Spree locken. Damit würde zukünftig an der ESMT jeder einzelne Studierende auf das Know-how zweier Professoren zurückgreifen können. So hofft der designierte Präsident, eine Marke zu schaffen, an der keiner mehr vorbeikommt. Zum Vergleich: Alle Berliner Wirtschaftstudenten, die an staatlichen Hochschulen studieren - und das sind rund 7500 -, müssen mit ähnlich vielen Professoren auskommen.
"Wir werden das jetzt sukzessiv ausbauen, wir müssen Qualität einstellen, wir werden uns hier nicht treiben lassen von irgendwelchen Außenstehenden", sagt der künftige Präsident. "Qualität zählt, und wie gesagt: Forschung, Lehre, Köpfe - nach Berlin holen! Das ist die wichtige Aufgabe. Das Herzstück ist die Fakultät, die noch fehlt."
Bei Zukunftsplänen wortkarg
Damit reagiert Röller, der eigentlich mal Tennisprofi werden wollte, auf den neuralgischen Punkt der Elite Business School: die fehlende akademische Reputation. Doch wenn es konkreter wird und man wissen möchte, wer in Zukunft am Berliner Schlossplatz lehren wird, dann beginnt das große Schweigen. Ähnlich sieht es bei der Finanzierung aus. Auch hier reagiert man reserviert. Sogar Aufsichtsratsmitglieder sind bei diesem Thema äußerst wortkarg: "Also mit mir haben sie geredet, vielleicht mit Ihnen nicht, mit mir haben sie geredet. Das waren Gespräche, die für mich sehr, sehr wichtig waren, und wir haben auch im Kuratorium Unterstützung von sehr renommierten Persönlichkeiten. Und diese Gespräche waren absolut entscheidend für mich", so ein Aufsichtsratmitglied.
Mit Lars-Hendrik Röller ist ganz bewusst einen Mann mit besten Kontakten zur Wirtschaft an die Spree geholt worden. Er hat eine schwere Aufgabe zu lösen. Denn er soll aus der Schule - und das besser heute als morgen - eine große Marke mit höchstem Wiedererkennungswert schaffen, koste was es wolle. "Unsere Berufungspolitik war bisher ganz strikt entlang der Umsatzentwicklung. Also wenn wir nicht zusätzlichen Umsatz haben, können wir auch nicht mehr Professoren berufen", sagt dazu Gründungsdekan Wulff Plinke, "von dieser strengen Klammerung haben wir uns jetzt ein Stückchen gelöst, mit dem Kuratorium, das der neue Präsident Spielraum für neue Berufungen kriegt, im Vorgriff auf zukünftiges Wachstum."
Manche nennen das unseriös, andere Klotzen statt Kleckern - damit endlich aus einem müden Gaul ein rassiges Rennpferd wird. Die ESMT wurde 2002 durch die Initiative von 25 deutschen Unternehmen und Verbänden gegründet. Unterrichtssprache ist Englisch, und seit Jahresbeginn sind 29 Studenten für das Master of Business Administration Programm (MBA) eingeschrieben.
Der Berliner Senat schaut sehr genau hin. Denn die Erwartungen sind groß. Und weil man sich mächtiges Prestige für die Stadt erhofft, war man nicht knauserig und hat der Managerschmiede kurzerhand ein richtiges Filetstück vermacht: das ehemalige und denkmalgeschützte Staatsratsgebäude, früherer Amtsitz Erich Honeckers.
Der Berliner Senatsdirigent Bernhard Kleber, verantwortlich für Berlins Hochschulen, ringt nach Worten, wenn es um den Stellenwert der "European School of Management and Technology" in der Berliner Hochschullandschaft geht: "Also wenn Sie mich nach dem Stellenwert derzeit fragen, dann hat er nur einen Stellenwert vom Architektonischen her", so Kleber, "vom Studienbetrieb und der Forschungsleistung und Einfluss auf die akademische Landschaft hier kann ich nichts feststellen."
Die Uhr tickt, und die Zeit läuft. Der Wissenschaftsrat hat lediglich bis Ende nächsten Jahres der ESMT die staatliche Anerkennung erteilt. Jedoch ist es schwer vorstellbar, dass sie ihr entzogen wird, liest sich doch der Aufsichtsrat wie das "Who is Who?" der deutschen Wirtschaft.
Eine deutsch-türkische Fachhochschule wie die Berliner "OTA" beispielsweise, die gerade um ihre weitere staatliche Anerkennung kämpft, hat es da wahrscheinlich um ein Vielfaches schwerer.
Von Christoph Richter, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk
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