SPIEGEL ONLINE: Sie haben im Jahr 2004 beim Wettbewerb "CEO of the future" mitgemacht und sind zweiter Sieger geworden. Wie haben Sie das geschafft, als Chemiker unter all den BWL-Cracks?
Thorsten Daubenfeld: Anfangs hatte ich mir keine besonders guten Chancen ausgerechnet. Doch im Laufe des Spiels merkte ich, dass man mit der Herangehensweise des Naturwissenschaftlers relativ viel erreichen kann.
SPIEGEL ONLINE: Was haben Naturwissenschaften mit Wirtschaft zu tun?
Daubenfeld: Um die Simulation erfolgreich spielen zu können, muss man als Teilnehmer komplexe Systeme durchdringen und aus einem Wust von Zahlen die wichtigen Daten herausfiltern. Da sich im Spiel viele Kennzahlen änderten, sobald man an einer Stellschraube drehte, ging es darum, ein optimales Gleichgewicht zu finden. Im Grunde ist es nicht so schwer, wie es sich zunächst anhört: Faszination am Lösen spannender Problemstellungen genügt vollkommen, um erfolgreich zu sein.
SPIEGEL ONLINE: Was war die konkrete Aufgabe?
Daubenfeld: Ich sollte als Chef eines fiktiven Unternehmens den Lebenszyklus eines neuartigen Produkts steuern. Ich hatte zum Beispiel ein Budget für Marketing und musste Vertreter einstellen, um das Produkt auf dem Markt einzuführen. Es ging aber auch darum, in Forschung und Entwicklung zu investieren, um die nächste Produktgeneration zu entwickeln - die Umsätze des alten Produkts gingen nämlich zurück.
SPIEGEL ONLINE: Nicht gerade Entscheidungen, die Studenten typischerweise fällen müssen, oder?
Daubenfeld: Das war ja gerade der Reiz an der Sache: Wie weit komme ich mit dem Werkzeugkoffer an Methoden und Denkweisen, den ich im Studium erworben habe? Und da können Denkweisen unterschiedlicher Studienrichtungen eine ganz innovative Dynamik entfalten, mit der sich unheimlich viel anfangen lässt.
Daubenfeld: Die anderen kochen auch nur mit Wasser. In der Endrunde waren überdies auch Mediziner, Juristen, Mathematiker und andere wirtschaftsferne Studiengänge vertreten. Auch Geisteswissenschaftler sollten sich daher voll zutrauen, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Gerade in den späteren Spielrunden werden ihre speziellen Fähigkeiten voll zum Tragen kommen.
SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie mit dem Wirtschafts-Fachchinesisch zurecht?
Daubenfeld: Fachvokabeln waren nicht notwendig. Alles, was man braucht, ist gesunder Menschenverstand.
SPIEGEL ONLINE: Welche Tipps haben sie für Studenten, die sich überlegen, das Mitte September beginnende Planspiel anzugehen?
Daubenfeld: Allein die Teilnahme am Spiel ist bereits ein Gewinn: Das Spiel fesselt, man entwickelt ein Gefühl für wirtschaftliche Zusammenhänge und lernt obendrein noch nette und interessante Menschen kennen. Der Wettbewerb hat mir ganz neue Karrieremöglichkeiten aufgezeigt: Vor dem Wettbewerb war für mich klar, dass ich eine akademische Karriere einschlagen würde. Nach den zwei Tagen der Endrunde war mein Hunger geweckt, nach Abschluss meines Studiums doch in die Wirtschaft zu gehen.
Das Interview führte Jan Friedmann
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