Mittwoch, 10. Februar 2010

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14.09.2006
 

Aperitif-Schreiben an Bewerber

Gekonntes Vorspiel

Was macht eine Firma, wenn sie eine Bewerbung bekommt, aber dem Kandidaten noch nichts sagen kann? Genau: Sie schickt einen Zwischenbescheid. Dass der Brief auch originellere Floskeln enthalten kann als nur "Vielen Dank" und "Wir melden uns", beweist ein Wettbewerb.

Personalchefs sind angehalten, mit Bewerbungen sorgsam umzugehen: Sie wenden sich immerhin an mögliche neue Kollegen - oder zumindest an mögliche Kunden. Die reagieren vielleicht verschnupft auf eine unfreundliche oder verspätete Antwort und lästern dann bei Freunden und Kollegen über das Unternehmen ab.

Große Personalabteilungen machen deshalb eine regelrechte Wissenschaft daraus, wie Jobbewerbern am besten zu antworten sei. Die Recruiting-Firma refline und die Firma Terra Personalmarketing prämieren in regelmäßigem Abstand die gelungensten solcher Spezial-Schreiben. Zuletzt waren das die schönsten "Eisschreiben" - Briefe, mit denen Bewerber in eine hoffnungsfrohe Wartestarre versetzt werden - und die gelungensten Absagen.

Heute werden in Köln die besten "Aperitif-Schreiben" prämiert, die zudem in einem Buch erscheinen sollen. Ein Aperitif-Brief ist das, was man nüchtern auch Zwischenbescheid und Empfangsbestätigung nennen kann: Die Unterlagen des Bewerbers liegen in der Personalabteilung, für eine prompte Absage ist er zu gut. Er kommt also erst einmal auf den Stapel mit den möglichen Kandidaten.

Schmeicheleinheiten für den Bewerber

Um den durchzuforsten, brauchen Personaler Zeit, manchmal viel Zeit. Und in dieser Frist soll der aussichtsreiche Bewerber keine schlechte Laune bekommen. Deshalb sparen die prämierten Unternehmen nicht mit Vorschusslorbeeren. "Der Wettbewerb hat gezeigt, dass viele Unternehmen ihre Kontakte mit dem Bewerber ganz gezielt für ein gutes Unternehmensimage nutzen", sagt Nadine Reich, Beraterin bei Terra Personalmarketing. "Damit drückt sich ja auch eine Wertschätzung aus, und der Kandidat fühlt sich in seiner Entscheidung zur Bewerbung bestätigt."

Ungeahnte Qualitäten bewies der Fernsehsender RTL 2 mit einem sehr persönlichen Zwischenbescheid: Im Text wird ein Detail des Bewerber-Lebenslaufs erwähnt - der Personalchef hat ihn also wirklich gelesen. Für Rückfragen wird dem hoffnungsfrohen Kandidaten eine direkte Durchwahl genannt. Er muss sich so nicht mit lästigen Hotlines und Verbindungsschleifen herumschlagen - dafür gab es den ersten Preis.

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Der dritte Sieger, Monster Deutschland, startet den Brief mit einem bedeutungsschwangeren Zitat: "Es gibt drei Dinge, die man anfängt, ohne zu wissen, wie sie enden: eine Liebe, eine Revolution und eine Karriere." Falls Kandidaten noch nicht bewusst war, welche Tragweite ihre Bewerbung hatte, hier wird es ihnen klar.

Zum Festhalten bleibt ihnen allerdings wenig, denn da ist Monster tatsächlich so vage wie ein bislang erfolglos umworbenes Liebesobjekt: "Vielleicht sind Sie in der nächsten Runde dabei. Bis dahin danken wir Ihnen für Ihre Geduld."

jaf

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