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Strom für die Welt Volle Kraft voraus

Wie kommt der Strom von morgen in die Steckdose? Das Mega-Thema Energie beschäftigt auch viele Studenten. Sie forschen an den Kraftquellen der Zukunft - von der Kerntechnik bis zur Solarenergie.

Grit will ein Atomkraftwerk bauen. Das Risiko, sagt sie nüchtern, sei "beherrschbar".

Sven haben es Windräder angetan. Schon als Jugendlicher stand er staunend vor den riesigen Rotoren, heute tüfftelt er selbst an der Technik.

Nele spürt dem Kraftstoff des neuen Jahrtausends hinterher: Sie erforscht madagassischen Boden, auf dem die Jatropha-Pflanze wächst. Aus dem Öl, das aus deren Nüssen gewonnen wird, kann Diesel raffiniert werden.

Ganz schön energisch, wie die drei ihr Studium angehen. Sie wollen die Energiequellen der Zukunft finden - oder lernen, diese besser auszunutzen. Damit liegen sie im Trend. Ressourcenmangel, Ölvorräte, Atommülllagerung: Stromerzeugung und die Reserven der Natur sind beherrschende Themen, das ist sowohl an den Schlagzeilen als auch an den Benzinpreisen ablesbar.

Wie lange Öl und Gas die stets hungrige Weltwirtschaftsmaschinerie noch befeuern können, scheint ungewiss. Klar dagegen ist, dass jetzt schon nach Alternativen gesucht werden muss. Deutsche Firmen für Solartechnik boomen seit zwei Jahren an der Börse, manche mit Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozent.

Allmählich beginnt auch Deutschlands akademischer Nachwuchs, sich auf den neuen Trend einzustellen. Nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der Studierenden in ingenieurwissenschaftlichen Fächern seit dem Wintersemester 2001/2002 um rund 20.000 auf etwa 274.000 an. Entschieden sich Ende der neunziger Jahre nur 17 Prozent der Neu-Studenten für die eher trocken anmutenden Studiengänge, so erhöhte sich ihr Anteil auf heute 19 Prozent.

Job-Boom bei erneuerbaren Energien

Weil das für die Welt von morgen kaum ausreicht, werden die Zukunftsfächer auch politisch massiv gefördert. Für eine neue Hightech-Offensive will die Bundesregierung bis 2009 immerhin fast 15 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat eine "nationale Strategie" für die Eroberung der wichtigsten Zukunftsmärkte angekündigt. Damit will die Bundesregierung auch das EU-weit beschlossene Ziel erreichen, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für "Forschung und Entwicklung" auszugeben. Bislang krebst der Anteil bei 2,5 Prozent herum.

Die Investitionen werden die bereits guten Jobaussichten wohl noch weiter verbessern. Wer im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten möchte, hat schon derzeit, und wahrscheinlich auch in Zukunft, gute Chancen: Bis zum Jahr 2020 sollen in diesem Sektor rund 150.000 neue Arbeitsplätze entstehen, prognostiziert eine gerade erschienene Studie des Bundesumweltministeriums.

"Die Beschäftigungsdynamik ist wahrscheinlich sogar noch höher", sagt Theo Bühler vom Wissenschaftsladen Bonn, einer gemeinnützigen Einrichtung, die akademische Erkenntnisse in den Alltag der Bürger bringen will. "Das Potential der erneuerbaren Energien ist bislang nur zu einem Bruchteil erschlossen", so Bühler.

Der Berater geht davon aus, dass für mehr als die Hälfte der neuen Jobs akademisch qualifizierte Fachleute gebraucht werden. Das hat ein Arbeitsmarktmonitoring des Wissenschaftsladens ergeben. Schon jetzt gibt es einen Mangel an Ingenieuren; durch den Boom des neuen Zweigs werde es zu einem weiteren Engpass kommen: "Die regenerativen Energien werden mit den Einsatzfeldern der traditionellen Energiewirtschaft um Fachkräfte konkurrieren müssen", so Bühler.

Vor allem in den Bereichen Photovoltaik, Wind und Biomasse sieht Bühler vielfältige Betätigungsmöglichkeiten. Von 528 ausgewerteten Stellenanzeigen aus der Öko-Energie-Branche im ersten Quartal dieses Jahres kamen 176 aus der Solartechnik, 168 aus der Windenergie. Der Arbeitsmarktexperte empfiehlt Interessenten ein übliches Ingenieurstudium mit einer branchenspezifischen Vertiefung sowie Praxiserfahrungen im Hauptstudium.

Zwar entscheidet sich noch immer eine Mehrheit der angehenden Ingenieure für klassische Schwerpunkte wie Verfahrens- oder Konstruktionstechnik. Aber: "Das Interesse an den erneuerbaren Energien steigt kontinuierlich, das haben wir auch auf unserer Jobmesse festgestellt."

Atomkraft? Ja bitte!

Der Wandel vollzieht sich atemraubend schnell. Mittlerweile gibt es einige eigenständige Studiengänge im Bereich der erneuerbaren Energien. Doch dadurch allein lässt sich in absehbarer Zukunft kein Industrieland mit Strom versorgen. Immer mal wieder schwappt die Diskussion um die Atomkraft hoch.

Eleni Konstantinidou vom Verein deutscher Ingenieure mahnt, die Kerntechnik nicht zu vergessen. Der Bedarf an Arbeitskräften in diesem Bereich sei so groß, dass wahrscheinlich sogar Absolventen aus dem Ausland geholt werden müssten. "Es werden weiter Ingenieure für Betrieb und Entsorgung der alten Kernkraftwerke gebraucht", erklärt Konstantinidou, "auch wenn keine neuen AKW mehr gebaut werden sollten."

In Aachen und Jülich will die Düsseldorfer Landesregierung daher drei Lehrstühle für Kerntechnik, Nuklearentsorgung und Strahlenschutz neu besetzen. Bundesweit stehen neun neue Berufungen in den Atomfächern an.

Damit wird die Nuklearforschung wieder etwas aufgewertet, die auf politischen Druck in den achtziger und neunziger Jahren heruntergefahren wurde. Vor allem die ungelöste Frage der Entsorgung des Atommülls, aber auch hohe Subventionsansprüche der Industrie haben zum Aus einiger Neuentwicklungen geführt. Als fast fertiger Bau wurde 1991 beispielsweise das milliardenteure Kraftwerk "Schneller Brüter" im nordrhein-westfälischen Kalkar dichtgemacht und vier Jahre später an einen niederländischen Spaßparkbetreiber verkauft. Es scheint ausgeschlossen, dass in Deutschland in absehbarer Zeit ein neues Atomkraftwerk genehmigt wird.

Aber Grit Mayer könnte sich auch vorstellen, im Ausland einen Meiler zu bauen. Allein in China sollen über 30 neue Kernkraftwerke entstehen. Atomkraft? Ja bitte!

Andere Kommilitonen schwärmen von den Möglichkeiten der Solarzellen - schließlich ist die Sonne der größte Energielieferant für die Erde, und das für weitere fünf Milliarden Jahre. Brennstoffzellen, die heute zum Beispiel schon in Bussen verwendet werden, produzieren keine giftigen Abgase. Aus Biomasse lässt sich Kraftstoff erzeugen.

Es gibt also viel zu erforschen - fünf Studenten und Doktoranden aus dem Zukunftsfeld Energie stellt der UniSPIEGEL vor.

Die UniSPIEGEL-Energiewoche:

Dienstag: Zwei Monate lang lebte sie in der hügeligen Grassavanne Madagaskars und erkundete afrikanischen Boden, auf dem wegen der Dürre kaum etwas wächst - außer einer Spritquelle der Zukunft. Nele Sutterer erforscht die Herstellung von Biodiesel.


Mittwoch: Einige ihrer Freunde haben blöd geguckt, als sie sich im Maschinenbau-Studium ausgerechnet auf Kernenergie spezialisierte. Sie aber ist überzeugt, dass die Risikotechnik beherrschbar ist - Grit Mayer möchte ein Atomkraftwerk bauen.


Donnerstag: An ihrer Werkstatt hätte Daniel Düsentrieb seine Freude gehabt. An der Technischen Universität Chemnitz schrauben fünf Studenten an einer futuristischen Seifenkiste herum, die auf den Namen "Sax 1" hört. Das junge Team entwickelt einen Brennstoffzellen-Renner.


Freitag: Als Partner für seine wissenschaftliche Laufbahn hat der Doktorand sich eine verlässliche Gefährtin ausgesucht, die noch geschätzte fünf Milliarden Jahre Energie im Übermaß auf die Erde senden wird: die Sonne. Birger Zimmermann entwickelt Solarzellen der nächsten Generation.


Samstag: Dieser Mann dreht ein ganz großes Rad und war immer schon fasziniert von gigantischen Rotorblättern. Er kennt sich aus mit erneuerbaren Energien und hat darüber auch seine Diplomarbeit geschrieben. Sven Büschken hat ein Faible für Windkraftanlagen.

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