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26.02.2007
 

Jungmanager im Wettbewerbs-Finale

"Chefs sind auch nur Menschen"

Von Jan Friedmann, Kitzbühel

Beim Online-Strategiespiel "CEO of the future 2007" zockten rund 5000 Studenten und Berufseinsteiger darum, wer der beste Manager von morgen ist. Die Finalisten sollten vor echten Wirtschaftbossen glänzen. Selbstvermarktung ist wichtig - aber längst nicht alles, sagen die Sieger.

So ein Szenario träumen sich Jobbewerber in der unruhigen Nacht vor einem wichtigen Vorstellungsgespräch zusammen: Die komplette Chefetage erscheint und beäugt kritisch, wie sich der Kandidat in der Business-Königsdisziplin - Präsentieren mit Powerpoint-Folien - schlägt. Dann die obligatorische fiese Frage: Warum sollten ausgerechnet Sie in ein paar Jahren auf meinem Chefsessel sitzen?

Für 24 Studenten und junge Berufstätige wurde der schaurig-schöne Traum am Wochenende im österreichischen Kitzbühel Wirklichkeit: Sie sollten sich selbst und ihre Geschäftsideen einer Hochkaräter-Jury präsentieren. Zu den Juroren zählten unter die Firmenbosse Klaus Kleinfeld von Siemens, Henning Kagermann von SAP und Werner Wenning von Bayer. SPIEGEL ONLINE begleitete die Veranstaltung als Medienpartner und war ebenfalls in der Jury vertreten.

Zum Glück für die Management-Einsteiger wollten die Chefs nur spielen, beziehungsweise mitspielen: Sie sollten beurteilen, wie sich die Endrundenteilnehmer des Internet-Planspiels "CEO of the future" bewährten. Bei der einzigartigen Wirtschafts-Simulation hatten über 5000 Studenten und Young Professionals online gegeneinander gekämpft, für einige Wochen die Geschäftsführung des virtuellen Mobilfunkkonzerns "Savvy-Phones-Inc." übernommen und ein neues Mobiltelefon auf den Markt gebracht.

In Kitzbühel galt es für die besten 24 Spieler, auch vor den echten Chefs zu bestehen. In Gruppen von je vier Teilnehmern bearbeiteten sie eine Fallstudie, jeder Kandidat übernahm bei der Präsentation eine bestimmte Fragestellung. Punkten konnten sie mit analytische Fähigkeiten, sozialer Kompetenz und Verhandlungsgeschick - denn solche Eigenschaften wünschen sich Mitarbeiter vom idealen Chef.

Powerpoint-Folien und Business-Denglisch

Viele Powerpoint-Folien und einige Wortwechsel in Business-Denglisch später standen zwei erste Sieger fest - und mehrere Einsichten: "Chefs sind auch nur Menschen, die unterhalten werden wollen", sagt Verena Delius, 28. Die Jungunternehmerin aus München überzeugte die Jury mit ihrem selbstbewussten Vortrag. Ihr Mitsieger heißt Clemens Fischer, 31. "Es ist wichtig, das, woran man glaubt, auch gegen Widerstände zu verfechten - im Planspiel wie im wirklichen Wirtschaftsleben", sagt der Harvard-Absolvent.

Blender, da sind sich die beiden Gewinner einig, haben im Wirtschafts-Olymp keine Chance: "Gut zu verkaufen ist die Kür, ein stimmiges Konzept aber Pflicht", sagt Delius. Chefs wollen zwar unterhalten werden - doch sie können auch gut rechnen. "Die CEOs haben jeden Schwachpunkt unserer Präsentation aufgespürt und offen gelegt", lobt Robert Kratz, 23, Elektrotechnik-Student an der TU Darmstadt, den Scharfsinn der Bosse.

Die Beratungsfirma McKinsey suchte mit dem Spiel "CEO of the future" bereits zum vierten Mal die Manager von morgen, diesmal gemeinsam mit den Unternehmen Allianz, Bayer, Credit Suisse, SAP, Siemens und Vodafone. Zu gewinnen gab es für die Sieger Karrierebudgets für Trainings, Schulungen im Wert von 15.000 Euro sowie einen Vorstandsvorsitzenden als persönlichen Mentor.

Für die Finalisten hatten sich die Unternehmen konkrete Beispiele ausgedacht: Eine Pharma-Firma hat aus der Papaya-Frucht ein revolutionäres Schmerzmittel gewonnen - wie bringt sie es so den Markt, dass sie möglichst lange viel daran verdient? Oder: Welche neuen Finanzprodukte kann eine Großbank ihren Firmenkunden anbieten, die von wachsenden Belastungen durch Mitarbeiterkonditionen gedrückt werden?

Schmankerl für die Personalchefs

Die Aufgabenstellungen seien "nahe dran" an den Aufgaben, mit denen Berater seines Hauses häufig konfrontiert würden, sagt Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey. Die Geschäftsideen der Wettbewerbs-Teilnehmer überzeugten ihn nicht durchweg, oft seien sie "noch weit von der Marktreife entfernt". Dafür lobte Mattern die sichtbare Bereitschaft, neue Wege zu gehen und neue Technologien zu erkunden - das sei auch für gestandene Unternehmenslenker spannend. McKinsey nutze den CEO-Wettbewerb auch, um junge Talente zu sichten: "Wir wollen damit Persönlichkeiten finden, Studenten und junge Berufstätige, die schon spannende Dinge gemacht haben."

Schon mit ihren Lebensläufen verbreiteten die Finalisten akademischen Glanz - etwa mit illustren Uni-Namen wie St. Gallen, Oxford, Cornell, häufig auch die der neu gekürten deutschen Elite-Unis TH Karlsruhe und TU München. Und dazu mit Preisen bei Wettbewerben wie "Jugend forscht", Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes, Fremdsprachen in Hülle und Fülle, eigenen Patentanmeldungen und Erfindungen. Der Teilnehmer Matthias Wissert, Karlsruher Student der Physik und Elektrotechnik, legte gar ein Abi mit Maximalnote hin: 840 von 840 möglichen Punkten im gestrengen Bundesland Baden-Württemberg.

Ob sie eines Tages bei einem Großkonzern einsteigen, hielten sich viele der Nachwuchstalente offen. Die Wirtschaftsbosse preisen ja gerade ihre "Entrepreneurship"-Qualitäten, also die Bereitschaft, unternehmerisch zu denken und Risiken einzugehen. Siegerin Verena Delius, die erst ein Sushi-Restaurant und dann "Delius Capital", ihre Firma für Finanzbeteiligungen, gründete, sagt es so: "Ich finde es gut, dass nicht der Mainstream-Konzerntyp gewonnen hat."

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