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Vorsicht, Frau! Wie Studentinnen die Männer überholen

3. Teil: "Sobald sich da was anbahnt, gebe ich meinen Job auf" - die Tücken der Familienplanung

Wahre Schätze könnte der Fiskus im Pool der Akademikerinnen heben, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung eindrucksvoll belegt: Wenn nur die rund 250 000 akademisch ausgebildeten Mütter, die ihre Kinder derzeit ganztags zu Hause betreuen, eine Arbeit aufnehmen würden, bekämen die öffentlichen Haushalte der Studie zufolge Steuermehreinnahmen von 1,1 Milliarden Euro. Die Sozialversicherungsträger könnten sogar 1,4 Milliarden Euro zusätzlich kassieren.

Frauen beißen sich durch: "Dass wir Karriere machen, ist normal"
Shell

Frauen beißen sich durch: "Dass wir Karriere machen, ist normal"

Mütter - das ist das Stichwort. Die berufliche Zukunft der Alphamädchen wird sich vor allem an der Frage entscheiden, wie sie Job und Familie vereinbaren können. Und wollen.

Die neueste Shell-Jugendstudie deutet darauf hin, dass Mädchen den alten Geschlechterrollen immer mehr entwachsen. Sie seien mindestens ebenso ehrgeizig wie Jungs und gewillt, Karriere und Kinder miteinander zu verbinden: "Neuere Erhebungen lassen vermuten, dass der Drang junger Frauen, auch als Mütter ihre beruflichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, weiter steigt."

Ähnliches ergab kürzlich eine Umfrage von TNS Forschung für den SPIEGEL: Die jungen Deutschen wollen demnach berufstätig sein und gleichzeitig Kinder haben. Zwei Drittel der 18- bis 29-jährigen Frauen und Männer favorisieren jenes Familienmodell, in dem die Partner sich gleichberechtigt die Erwerbsarbeit, die Kindererziehung und den Haushalt teilen. Traditionelle Modelle, in denen die Frau nur in Teilzeit arbeitet oder ganz zu Hause bleibt, lehnt die junge Generation mehrheitlich ab.

Bei Familienplanung zählen die Kindheitserfahrungen

So viel zur Theorie. Tatsächlich gelebt wird das Modell ja erst, wenn der Nachwuchs dann da ist. Und manche Akademikerin kann sich schon von vornherein nicht vorstellen, als Mutter in Vollzeit zu arbeiten, weil sie es zu Hause anders kennenlernte - die eigene Kindheitserfahrung scheint die Lebensentwürfe junger Frauen oft mehr zu bestimmen als die unmittelbaren Karriereoptionen.

Die Ingenieurin Sara Demer liebt ihren Job, die praktische Arbeit im Flugzeugrumpf, die hohen Leistungsanforderungen. Und mit 3600 Euro brutto im Monat verdient sie sogar mehr als ihr Freund, der ebenfalls Ingenieur ist. Doch wenn es um die Familienplanung geht, gibt es für Demer keinen Zweifel: "Sobald sich da was anbahnt, gebe ich meinen Job auf." Bestenfalls halbtags möchte sie als Mutter noch berufstätig sein - "wenn mein Mann arbeitet und die Kinder in der Schule sind, wird mir ja sonst langweilig".

Sara Demers Mutter, eine Lehrerin, blieb nach der ersten Geburt ebenfalls zu Hause. Ein bisschen stolz erzählt Sara Demer, dass sie vom Elternhaus nie einen Schlüssel besessen habe. "Es war ja immer jemand da." Ihre Schwester und sie seien "sehr behütet aufgewachsen. Und das möchte ich an meine Kinder weitergeben".

Durch ihre beiden Cousinen, die in Frankreich groß wurden und jetzt Teenager sind, kennt sie auch das andere System, in dem knapp die Hälfte der Mütter Vollzeit arbeitet. "Da werden die Kinder sofort nach dem Abstillen in die Krippe gesteckt." Wenn man wissen möchte, wie ihre Cousinen denn geraten seien, überlegt Sara Demer eine Weile und sagt: "Gut eigentlich. Die sind schon deutlich früher selbständig gewesen als meine Schwester und ich. Aber das System hat ja auch Nachteile." Auf die Frage, welche das seien, fällt ihr keine Antwort ein.

"Nur um das Kind kümmern? Ich wäre unausgelastet"

Franziska Kretzschmar, Doktorandin der germanistischen Linguistik an der Uni Marburg, hatte schon ziemlich früh einen eigenen Haustürschlüssel. "Ich bekam ihn in der dritten Klasse", erzählt sie, "und ich war unheimlich stolz darauf, diese Verantwortung zu tragen."

Kretzschmar, Jahrgang 1980, wuchs in Potsdam auf. Ihre Eltern waren beide berufstätig, Tochter Franziska kam früh in die Krippe und ging als Schülerin nachmittags in den Hort, für ostdeutsche Verhältnisse ein ganz normales Kinderleben.

"Ich habe diese Betreuung außerhalb meiner Familie sehr positiv erlebt", sagt sie, "ich war Einzelkind und hatte dadurch viele Kontakte zu anderen Kindern."

Ihre Eltern vermisste sie nicht, man sah sich eben erst später: Die Familienzeit begann meist nachmittags um fünf und wurde intensiv genutzt, mit Gesprächen, Spielen und festen Ritualen wie dem gemeinsamen Abendessen.

Ein Leben ohne Berufstätigkeit? Diese Frage stellt sich für Kretzschmar nicht. An der Wissenschaft hat sie viel Freude, und: "Ich bin mit dem Argument erzogen worden, dass eine Frau ökonomisch selbständig sein muss. Und angesichts der Scheidungsraten finde ich das sogar immer wichtiger."

In ein paar Jahren möchte die Stipendiatin gern ein Kind haben - und spätestens ein Jahr nach der Geburt zurück an ihren Arbeitsplatz, in die sprachwissenschaftliche Forschung. "Ich wäre unausgelastet, wenn ich mich 24 Stunden am Tag nur um das Kind kümmern würde."

Also hofft Franziska Kretzschmar, dass die Zahl der Krippenplätze in Westdeutschland bald steigt. Die aktuelle Debatte über die Betreuung von Kleinkindern findet sie "überfällig", und ihre Meinung über Familienministerin Ursula von der Leyen ist klar: "Endlich mal eine Frau, die vorangeht."

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