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Promotion Angst vor der Verschulungs-Falle

Kurz bevor sich Europas Bildungsminister in London treffen, schlagen die Technischen Unis Alarm: Sie bangen um die Qualität der Promotion in Deutschland. Kommt tatsächlich der europäische Einheits-Doktorand, der immer weiter lernen muss, statt endlich zu forschen?

"Das letzte Mal wurden wir über den Tisch gezogen. Das soll uns diesmal nicht passieren", sagt Horst Hippler, Präsident des Verbands der neun großen Technischen Universitäten in Deutschland (TU9). Das letzte Mal - das war die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. "Auf die Meinung der Universitäten wurde damals keine Rücksicht genommen", grollt Hippler.

Doktoranden: Auf dem Weg zum "Doktor Bolognese"?
DPA

Doktoranden: Auf dem Weg zum "Doktor Bolognese"?

Wie etliche andere Länder innerhalb und außerhalb der EU hat sich auch Deutschland 1999 dem "Bologna-Prozess" angeschlossen und verpflichtet, die Studiengänge vom gewohnten Diplom- und Magister-Studium bis 2010 auf Bachelor und Master umzustellen. Die neuen zweistufigen Abschlüsse sollen internationale Vergleichbarkeit schaffen, den fliegenden Wechsel ins Ausland erleichtern, den Weg in den Beruf verkürzen.

Ab Donnerstag wollen 46 Bildungsminister eine Zwischenbilanz ziehen. Die meisten Länder sind mitten in der Umstellung; Deutschland mit seinen zersplitterten Länderkompetenzen kommt eher schleppend voran. Viele Hochschulen murrten vernehmlich, besonders lautstark war stets der Protest aus dem Kreis der TU9 - sie wollten lieber am bewährten Diplom festhalten. Dazu zählen die Technik-Hochschulen in Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Karlsruhe, München und Stuttgart.

"Wir haben ein hohes Gut zu verlieren"

Aus ihrer Sicht droht neues Ungemach, denn diesmal geht es auch um die Einführung europaweit einheitlicher Regelungen für die Promotion. Und diesmal möchten der Karlsruher TH-Rektor und seine Kollegen schneller sein. "Die Promotion darf keine dritte Phase des Studiums werden", sagt Hippler und warnt vor einer Verschulung und Überreglementierung. Wie etwa in Südeuropa könnten deutsche Doktoranden künftig zum Besuch weiterer Lehrveranstaltungen verpflichtet werden - zu Lasten ihrer eigenständigen Forschungsarbeit.

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Viel Anlass zum Stolz auf ihren Umgang mit Doktoranden haben deutsche Universitäten bisher nicht. Geisteswissenschaftler etwa schlingern oft völlig auf sich alleingestellt durch die Dissertation, erhalten wenig bis keine Betreuung und nur alle paar Monate eine Audienz beim Doktorvater. In den Naturwissenschaften rackern Doktoranden oft als Labor-Mulis auf halben Stellen mit halber Bezahlung - leisten aber ganze Arbeit. In den Ingenieurwissenschaften sei das anders, beteuert der TU9-Verband: "Anders als in anderen Fachrichtungen sind die Promovierenden im Allgemeinen als Vollzeitbeschäftigte der Universität tätig" - und ungewöhnlich viele arbeiteten in Unternehmen und promovierten berufsbegleitend.

Daher macht Horst Hippler sich große Sorgen. Denn egal ob ein Doktorand an der Uni oder in einer Firma beschäftigt sei - bei den Ingenieuren stellten die Promotionen intensive Kontakte zwischen Hochschulen und Wirtschaft sicher. Ein ausgesprochen erfolgreiches System, sagte Hippler SPIEGEL ONLINE: "Wenn man uns unseren Weg verbietet, haben wir ein Problem." Eine Verschulung der Promotion sei "grundfalsch", die Ingenieurwissenschaften hätten "ein hohes Gut zu verlieren".

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