Von Katrin Schmiedekampf
Mit im Boot der TU9 sitzen der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sowie die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG). Beide fordern, dass die Promotion weiterhin ausdrücklich der Forschung dienen soll. "Doktoranden sind berufstätige Wissenschaftler, keine Studenten", betonte der DPG-Präsident Eberhard Umbach. Die Belastung mit zusätzlichen Lerninhalten ginge auf Kosten der Forschung.
Was aber die EU-Bildungsminister genau planen, ist derzeit noch diffus. Wird es bald feste Lehrveranstaltungen mit Leistungspunkten für Doktoranden geben, müssen sie künftig gar Studiengebühren zahlen? Die Europäische Union und der zuständigen Kommissar Ján Figel bevorzugten ein Studiensystem mit der Promotion als dritte Stufe, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Demnach wenden mehr als die Hälfte der Staaten das Leistungspunktesytem auch für die Promotionsphase an.
Werden deutsche Hochschulen sich um des lieben europäischen Friedens willen beugen müssen? Diese Gefahr bestehe "ganz klar nicht", sagt eine Sprecherin des Bundesbildungsministeriums: "Eine einheitliche Promotionsordnung steht durch den Bologna-Prozess nicht zur Debatte. Deshalb werden auch deutsche Unis künftig nicht tun müssen, was andere Mitgliedsstaaten planen." Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) versichert, sie werde in London "dafür sorgen, dass erfolgreiche Promotionsmodelle nicht durch falsche Regulierungen beeinträchtigt werden". Es solle einen fruchtbaren Wettbewerb geben, die TU9 sei mit ihrem Programm sehr gut aufgestellt.
"Uns ist auch nicht genau klar, was die eigentlich vorhaben", so Christian Säfken vom Doktorandennetzwerk Thesis. Vorrangig solle es bei der Konferenz in London wohl darum gehen, die Abschlüsse miteinander vergleichbar zu machen, um die Mobilität der Studenten untereinander zu fördern. "Soweit ich weiß, sollen dafür Graduiertenschulen eingeführt werden", sagte Säfken SPIEGEL ONLINE. Solche Graduiertenschulen werden auch in Deutschland im Zuge des Exzellenz-Wettbewerbes künftig stärker gefördert.
"Keine Studiengebühren für Doktoranden"
Thesis sei nicht grundsätzlich gegen eine Angleichung der Promotion - "aber nur mit Einschränkungen". Es dürfe nicht nur einen Zugang zur Promotion geben; wenn jemand in der Industrie über ein Projekt forschen wolle, sollte man ihn nicht in eine Graduiertenschule zwingen. Auf keinen Fall dürfe es Studiengebühren für Doktoranden geben. "Wir sind alle gespannt, was in London herauskommen wird", so Säfken.
Rektor Hippler ist sicher: "Eine Vereinheitlichung führt dazu, dass die Qualität sinkt", die Graduierten-Veranstaltungen seien unnötig. "Ich weiß nicht, ob Deutschland und Großbritannien sich gegen eine Verschulung durchsetzen können", sagt er. "Wenn der Druck der anderen Staaten zu stark wird, kann es gut sein, dass sie einknicken."
Susanne Töpfer, 29, promoviert an der TU Ilmenau und teilt Hipplers Berfürchtungen. "Wenn es zu viele festgeschriebene Veranstaltungen gibt, ist es nicht mehr möglich, frei zu forschen", sagt die Ingenieurin. Es sei wichtig, sich selbst überlassen zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und für ein Projekt voll verantwortlich zu sein. "Genau diese Erfahrungen sind wichtig. Aus diesem Grund werden promovierte Ingenieure so gern eingestellt."
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