Von Frank van Bebber
Buchholz ist sicher, die Vorbereitung war wichtig für seinen Erfolg. Den spürt der Tutor, wenn sich Studenten nach bestandener Klausur bei ihm bedanken. Das spricht sich herum. Im vergangenen Semester durfte Buchholz einen Professor sogar in dessen normalem Kurs vertreten. "Ich mache das weniger wegen des Geldes, sondern weil es Spaß macht", sagt er. Inzwischen haben der 24-Jährige und andere Tutoren der Hochschule Niederrhein einen Stammtisch gegründet. Die Idee kam ihnen beim Neujahrsempfang, den der Prorektor für Lehre als Dank für die Tutoren der Hochschule gibt.

Das Zentrum für Hochschul und -Qualitätsentwicklung der Universität Duisburg-Essen veranstaltet seit zwei Jahren die mehrtägigen Kurse "Train-the-Tutors I und II". Jede Schulung umfasst 20 Lektionen von je 45 Minuten Dauer. Die Beauftragten der Fachbereiche werden zum Werkstattgespräch "Train-the-Trainer" eingeladen. Erstmals gab es in diesem Sommer englischsprachige Tutoren-Schulungen für nicht-deutsche Studenten der Ingenieurwissenschaft.
Tutorien als "Schattenlehre"?
Als wichtig gilt in Duisburg-Essen die Zusammenarbeit mit den Fächern. Das für die Kurse ausgegebene Tutoren-Zertifikat bringt drei ECTS-Punkte und einen Vorteil bei der Job-Suche. Andernorts locken Preise: An der Hochschule Niederrhein gibt es für den besten Tutor des Semesters einen Buchgutschein über 160 Euro. Die Informatiker der TU München lassen für den Top-Tutor 500 Euro springen. Auch sie bieten Didaktiktraining und Supervision an.
Supervision und Coaching – ein Didaktik-Experte, der anonym bleiben möchte, sagt: "Viele Tutoren besuchen längst mehr Didaktik-Kurse als ihre Professoren. Experte Müller-Benedict sagt über die Schwierigkeiten der Tutoren: "Das sind Probleme, die eigentlich jeder Hochschullehrer auch hat." Dabei ist Training für den Tutor weniger neu, als es die Flut neuer Angebote nahelegt.
Bereits in den neunziger Jahren diagnostizierte das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium "einen Trend zur Professionalisierung der Tutorien". Und es warnte vor den Folgen eines zu breiten Einsatzes der willigen Helfer. "Die Lehrenden können sich so von weniger attraktiven Einführungs- und Betreuungsaufgaben entlasten", heißt es in einer Bilanz eines damaligen Aktionsprogramms "Qualität der Lehre". Tutorien würden so zur "Schattenlehre". Bei der Analyse der Tutorien folgerte das NRW-Wissenschaftsministerium damals: "Tutorien, die eine professionelle Schulung und Begleitung aufweisen, laufen besser." Besonders wirkten sich didaktische Sicherheit der Tutoren sowie verbindliche Strukturen für deren Arbeit aus.
Die Aussagen des Ministeriums basierten zu großen Teilen auf einem Projekt der Universität Wuppertal. Diese hatte 1991 ein Tutorenprogramm eingeführt mit Seminaren über Lehren und Lernen. Ergebnis nach sechs Jahren: Die teilnehmenden Tutoren empfanden neue Kenntnisse als "bedeutsam und umsetzbar". Trotz klarer Ergebnisse riss die Betreuung der Tutoren aber auch in Wuppertal ab - und wird nun wiederentdeckt. "Wir haben vor zwei Jahren neu angefangen", sagt Dr. Heike Berner von der Stelle für Qualitätssicherung und Evaluation (QSL). Die Tutoren nutzten das Programm, das die QSL mit der Studienberatung anbietet. "Tutoren sind fachlich qualifiziert, aber es ist eine andere Sache, sich vor eine Gruppe zu stellen", sagt Berner.
Kurse gegen die Angst
Darum bietet Trainerin Petra Schubert für Wuppertaler Tutoren das Basismodul "Seminargestaltung und -leitung" sowie die Aufbaukurse Moderation und Präsentation. Manche Tutoren wüssten nicht, was auf sie zukomme, sagt sie, "ich will ihnen die Angst vor dem Ungewissen nehmen."
Nicht jeder Tutor steht vor einer freundlichen Kleingruppe, mit der er im Gespräch den Stoff aufarbeitet. Bis zu 100 Studenten säßen bisweilen in einem Tutorium, berichtet Schubert. "Was mache ich da, wenn ich alleine vorne stehe und keiner antwortet?", nennt sie eine der Fragen. Viele Tutoren beruhige es, wenn sie schon einmal gehört hätten: "Keine Panik! Es ist normal, wenn die mal unruhig sind."
Fast alle Tutoren meisterten ihre Aufgabe, sagt Schubert. Wenig überraschend, weil Professoren meist besonders gute und engagierte Studenten auf den Job ansprechen. Oft fragten sie nach weiteren Tipps. "Sie haben den unbedingten Willen, es besser zu machen", sagt Schubert über Tutoren: "Und sie bringen etwas mit, was Dozenten manchmal über die Jahre verloren geht: die Begeisterung und die Erkenntnis, etwas beibringen zu wollen."
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