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28.08.2007
 

Hochstapelei

Falsche Ärztin foppte Uni-Klinik jahrelang

Lassen Sie mich durch, ich bin Ärztin: Eine angebliche Assistenzärztin fälschte sämtliche Zeugnisse, arbeitete an der Hamburger Uni-Klinik, gewann sogar wissenschaftliche Preise. Die Mitarbeiterin galt als kompetent - erst nach vier Jahren flog der Schwindel auf.

Der Schock ist Jörg F. Debatin, dem ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), anzumerken. Erst am Montag hat er erfahren, dass eine Assistenzärztin das Krankenhaus jahrelang betrogen hat. Die als Frau E. bezeichnete Medizinerin hatte sämtliche ihrer Bewerbung zugrunde liegenden Zeugnisse und Urkunden gefälscht und dann ohne gültige Zulassung gearbeitet. Das sei erst jetzt "ans Licht gekommen", so Debatin am Dienstag.

Geschwindelt: Die falsche Ärztin fiel jahrelang nicht auf
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DPA

Geschwindelt: Die falsche Ärztin fiel jahrelang nicht auf

Seinen Angaben zufolge wurde die Anfang Dreißigjährige am 1. März 2003 als Ärztin im Praktikum eingestellt. Die junge Frau sei damals erstmals zur Ärztekammer Hamburg gekommen, um sich anzumelden, ergänzt Dorthe Kieckbusch, Sprecherin der Ärztekammer. Die Frau habe ein Zeugnis über die Ärztliche Prüfung sowie eine Erlaubnis für die Tätigkeit als Ärztin im Praktikum vorgelegt. Bei sämtlichen Unterlagen habe es sich um sehr exakte Fälschungen gehandelt.

"Frau E. ist 1998 dreimal durch das Physikum, die vorärztliche Prüfung, gefallen", erklärt Debatin. Dieses Zeugnis habe sie dann gefälscht und danach normal in der Hansestadt weiterstudiert. Sie habe jedoch nie wieder eine Prüfung abgelegt oder ein Examen absolviert. Nach ihrer Zeit als Ärztin im Praktikum sei sie ab dem 1. September 2004 als Assistenzärztin an der Hamburger Klinik für Kinder- und Jugendmedizin weiterbeschäftigt worden.

Bei der Arbeit fiel niemandem auf, dass es sich nicht um eine echte Ärztin handelte. Im Gegenteil beschreibt UKE-Vorstandsmitglied Debatin sie sogar als "sehr kompetent", "kollegial" und "engagiert". Frau E. habe wissenschaftliche Arbeiten publiziert, die mit Preisen ausgezeichnet wurden. Zudem sei sie im Ausland tätig gewesen und habe dort "exzellente Empfehlungen" erhalten.

"Am Ende verhängten wir ein Ultimatum"

"Kein Schadensfall am UKE kann mit ihr in Verbindung gebracht werden", betont Debatin. Sie sei zudem nie "eigenverantwortlich ärztlich tätig" gewesen und habe stets unter "Aufsicht eines Fach- beziehungsweise Oberarztes" gearbeitet. Auch unter den Kollegen sei der Schock groß gewesen, schließlich habe Frau E. "eine unglaubliche kriminelle Energie" an den Tag gelegt. "Wir fühlen uns hintergangen", erklärt Debatin. Auch von der "menschlichen Seite her" sei der Fall "dramatisch".

Montagmittag kam der Betrug endgültig ans Licht. Die Ärztekammer habe seit drei Jahren gefordert, dass Frau E. ihre Approbationsurkunde im Original vorlegt, schildert Dorthe Kieckbusch das Ende der Hochstapelei. Die angebliche examinierte Medizinerin habe jedoch stets nur Fotokopien eingereicht. Zum Schluss sei ein Bußgeld verhängt und die Gesundheitsbehörde informiert worden.

Debatin zufolge versuchte Frau E. mit weiteren Tricks, etwa Krankschreibungen, die Vorlage des Originals zu verzögern - "am Ende verhängten wir ein Ultimatum". Wenn sie die Urkunde nicht zeige, könne sie nicht mehr ärztlich tätig sein, legte der Vorstand fest.

Frau E. legte im Gespräch mit der Klinikleitung am Montag ein vollständiges Geständnis ab. Sie wurde sofort suspendiert. Noch am Abend zeigte sich die Betrügerin selbst bei der Staatsanwaltschaft Hamburg an. Für eine reine Urkundenfälschung könnten eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden. Mehrere Fälschungen könnten zu einer höheren Gesamtstrafe führen.

An der Uniklinik wird jetzt darüber nachgedacht, ob der Einstellungsprozess für Mitarbeiter modifiziert werden muss. "Gegen gute Fälschungen werden wir vermutlich nie vollkommen gefeit sein", sagte Debatin. In Diskussionsrunden zusammen mit der Ärztekammer und dem Landesprüfungsamt soll zumindest über neue Sicherheitsmechanismen gesprochen werden.

Nadine Schimroszik, ddp

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