Sonntag, 22. November 2009

UniSPIEGEL



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10.09.2007
 

Hickhack um Juniorprofessur

Linke Nummer an der FU Berlin

Von Philipp Wittrock

2. Teil: Die Kollegen stellen sich hinter den Kandidaten - doch das Präsidium bleibt hart

Schwer nachvollziehbar ist auch, wieso sich das Präsidium mit der altersbegründeten Ablehnung so viel Zeit gelassen hat. Den Brief des Vizepräsidenten, der zweimal explizit die 42 Lebensjahre Scharenbergs anführt, erhielt die Dekanin nur wenige Tage nach dem Geburtstag des Bewerbers. Hatte man extra gewartet, bis der Favorit auf dem Papier noch ein Jahr älter war, um der Begründung mehr Nachdruck zu verleihen?

Dass man Scharenberg nicht wollte, schien jedenfalls schon deutlich eher festzustehen - und zwar weniger aus Alters- oder Kompetenzgründen. Signale aus dem Präsidium deuteten schon im Februar in eine ganz andere Richtung, heißt es aus Kreisen der Berufungskommission.

"Es steckt mehr dahinter als das Alter", sagt ein Mitglied. Ein anderes sagt: "Alle wissen, dass die Entscheidung irrational ist, sie hat allein einen politischen Hintergrund." Aus dem Umfeld des Präsidiums wird fast schon Abscheu für die Kuratoriumstätigkeit Scharenbergs überliefert: "Stellen Sie sich vor, der ist in der Rosa-Luxemburg-Stiftung." Hinter verschlossenen Türen werde auf höchster Ebene über linke Seilschaften und Verschwörungen spekuliert.

"Sind Sie Mitglied in einer kommunistischen Partei?"

Präsident Lenzen gilt als Manager-Typ. Er ist Botschafter des neoliberalen Thinktanks "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", die FU machte er zur "unternehmerischsten Hochschule" des Landes. Ärger mit Personalien ist unter Lenzen nicht neu: Vor zwei Jahren sollte nach seinem Willen Wolfram Weimer, Chefredakteur des Magazins "Cicero", für das auch Lenzen als Autor tätig war, den Lehrstuhl für journalistische Praxis besetzen. Kurzerhand kassierte Lenzen die akademische Empfehlung, die einen Wissenschaftler favorisierte. Weimer zog schließlich seine Bewerbung zurück.

Fürchtet das wirtschaftsnahe Präsidium im Fall Scharenberg nun einen neuen Peter Grottian, jenen Politik-Prof, der immer wieder als linker Aktivist Schlagzeilen machte? In den vergangenen Monaten kam ein Kenner des Berufungsverfahrens einmal auf Scharenberg zu und scherzte in Anspielung auf die Kommunisten-Jagd in den USA der Mc-Carthy-Ära: "Sind Sie Mitglied in einer kommunistischen Partei?" Ist er nicht. Scharenberg hat kein Parteibuch, Kollegen beschreiben ihn als linksliberal.

Die Fachgremien weiß der Politologe klar hinter sich. Sowohl der Fachbereichsrat als auch der Institutsrat haben sich dem Druck des Präsidiums bislang nicht gebeugt. Im Gegenteil: Sie haben ihre Empfehlung pro Scharenberg mit klaren Voten bekräftigt und dies der Universitätsleitung in einem Schreiben Ende Juli übermittelt. Darin schlägt die Berufungskommission auch vor, weitere auswärtige Gutachten einzuholen.

"Kein guter Stil"

Doch das Präsidium antwortete nicht, schlug bislang auch Gesprächsangebote des Gremiums und des Bewerbers aus. Dabei ist nicht einmal klar, ob das Präsidium überhaupt das Recht hat, die Empfehlungsliste zurückzuweisen und auf einer Neuausschreibung der Juniorprofessur zu bestehen.

Das Berliner Hochschulgesetz sieht für das Präsidialamt im Berufungsverfahren keine aktive Rolle vor: Danach hat es die Empfehlungen des Fachbereichs lediglich an den Senator weiterzuleiten, der dann entscheidet. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich Präsident Lenzen zu dem Verfahren nicht äußern. Zu Personalangelegenheiten nehme man grundsätzlich nicht Stellung, hieß es aus seinem Büro.

"Das ist kein guter Stil", sagt ein langjähriger Kollege von Scharenberg enttäuscht. "Und für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Institut ist es katastrophal."

Hinweis der Redaktion:
Das Gutachten über Albert Scharenberg liegt SPIEGEL ONLINE vor. Der Kasseler Wissenschaftler Christoph Scherrer legt Wert auf die Feststellung, dass es ohne sein Zutun bekannt wurde.

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