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09.09.2007
 

Sprachkurse neben dem Job

Wer parliert, der profitiert

Kurse und Alltagsgespräche vor Ort lassen eine neue Fremdsprache am besten haften. Wer voll berufstätig ist und nebenher Vokabeln und Grammatik bimst, braucht viel Disziplin. Besonders wichtig für den Lernerfolg: Rückmeldung von Muttersprachlern.

Polen war der EU kaum beigetreten, da war Christoph Kodron, 60, auch schon in Krakau, um Polnisch zu lernen. Im Land selbst geht das schneller und leichter, so die Überlegung des Diplom-Soziologen. Vormittags drückte er die Schulbank in der deutsch-polnischen Akademie, nachmittags büffelte er Grammatik, Vokabeln und Aussprache.

Sprachkurs: Tief eintauchen hilft am besten
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DPA

Sprachkurs: Tief eintauchen hilft am besten

Ganz im Gegensatz zu seinen im Schnitt 25 Jahre alten Mitschülern: "Die haben sich nach dem Unterricht in Straßencafés amüsiert und trotzdem besser gelernt als ich." Das sei wohl eine Folge seines fortgeschrittenen Lernalters, meint der wissenschaftliche Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt: "Die Gedächtnisleistung lässt mit zunehmendem Alter nach."

Vielleicht haben es Kodrons junge Mitschüler aber einfach auch nur instinktiv richtig gemacht. Schließlich sagen Sprachforscher dem authentisch fremdsprachlichen Gespräch mehr Motivationskraft nach als jeglichem Lehrwerkmaterial.

"Es ist sehr motivierend, wenn man eine Fremdsprache vor Ort ausprobiert und merkt, dass man damit tatsächlich weiter kommt", sagt Thorsten Piske, Englischprofessor an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Und was das betrifft, hat Christoph Kodron mit seiner "Gastfamilie" wohl richtig Pech gehabt: "Es war so gut wie nie einer zu Hause, mit dem ich hätte Polnisch üben können."

Eintauchen in eine andere Sprache

Der korrekte, authentische Input sowie anschauliche und motivierende Lernbedingungen gelten als entscheidend für den Lernerfolg, sagt Piske - Bedingungen, die Kompaktkurse im Ausland im allgemeinen böten und die für diese Lernform sprächen. Allerdings fehle der Auslandsschule ein entscheidendes Erfolgskriterium, und das sei die Dauer: "Je länger der Kurs geht, umso besser."

Der Professor ist ein Vertreter des Immersionsansatzes: "Immersion" bedeutet das Eintauchen in eine andere Sprache. Dabei sollte die Lernsprache täglich gehört und angewendet werden. Das Regel- und Bedeutungssystem wird dabei Stück für Stück aufgebaut.

Das geschieht etwa in bilingualen Schulen, wenn auch Geschichte oder Biologie auf Englisch unterrichtet werden. Übertragen auf erwachsene Lerner heißt das: "So viel hochwertigen Input, so viel Sprachanlässe wie möglich und dies möglichst über einen längeren Zeitraum."

Die gute Nachricht des Wissenschaftlers: "Auch Erwachsene können noch muttersprachliches Niveau in der Fremdsprache erreichen, wenn sie viele Kontakte zu der Zielsprache haben und ein gutes phonologisches Gedächtnis besitzen." Damit räumt er auf mit dem Mythos vom kinderleichten Spracherwerb. "Frühbeginn allein reicht nicht." Kinder hätten einfach nur weniger Hemmungen und Angst, Fehler zu machen. Außerdem sei die Muttersprache noch nicht so ausgeprägt und habe daher weniger Einfluss auf die Aussprache.

"Lernatmosphäre ist nicht alles"

Zeit ist der Faktor, der vielen Erwachsenen beim Lernen einen Strich durch die Rechnung macht: Wer neben Arbeit, Haushalt und anderen Verpflichtungen nicht nur einmal die Woche zum Sprachkurs gehen, sondern auch täglich in die Unterlagen schauen soll, braucht viel Disziplin. "Ich habe auch einen Volkshochschulkurs Polnisch angefangen, aber ein Drittel des Unterrichts habe ich verpasst, weil ich beruflich unterwegs war", erzählt Christoph Kodron, der bereits fließend Englisch und Französisch spricht.

Mehr Flexibilität für die Berufstätigen versprechen Konversationskurse. In der Hamburger Language Lounge etwa, einer Kombination aus Restaurant, Bar und Sprachschule, können die Mitglieder wie in einem Fitnessstudio aus dem abendlichen Konversationsangebot frei wählen. Da stehen dann die Klimadiskussion bei Kaffee oder Wein, "English for Meetings" oder auch auf Wunsch das Grammatiktraining auf dem Programm. "Das ist natürlich, praxisnah und zeitlich flexibel", erläutert Gründerin Alisa Edwards.

Piske bleibt skeptisch: "Eine entspannte, angenehme Lernatmosphäre kann nicht alles sein." Der wissenschaftliche Nachweis, dass das Lernen im Sessel leichter als das im Klassenzimmer oder Online-Module effizienter als die Gruppe seien, stehe noch aus. Und solange dies gilt, sollten Erwachsene Angebote genau vergleichen und das wählen, was am besten zu ihrem Lerntyp und ihrem Zeitrahmen passt.

Christoph Kodron hat für diesen Sommer seinen zweiten Kompaktkurs in Polen gebucht. Dieses Mal ist es ein Angebot der Gewerkschaft für deutsche und polnische Lehrer, die sich "im Tandemverfahren" jeweils in der Fremdsprache austauschen. "Lehrer", so Kodron, "sind wohl im Schnitt näher dran an meiner Altersliga."

Deike Uhtenwoldt, gms

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