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18.09.2007
 

Quereinsteiger

Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer

Von Carolin Jenkner

Mit dem "Zukunftsberuf"-Slogan köderte Nordrhein-Westfalen Seiteneinsteiger als Lehrer. Viele bissen an - und fühlen sich jetzt getäuscht und ausgenutzt: Die Altersgrenze für die Verbeamtung wurde drastisch gesenkt, ein neuer Tarifvertrag sorgt für Dumpinglöhne.

Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar in einem Berufskolleg in Köln: Der WDR-Wissenschaftsjournalist erklärt den Schülern, wie ein Kondensator als Energiespeicher für Fahrradrücklichter funktioniert. Neben ihm lächelt NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU).

Das war Anfang 2006. Der Moderator und die Ministerin warben mit einer großangelegten Kampagne für den "Zukunftsberuf Lehrer in NRW" - vor allem für Quereinsteiger. Wie einige andere Bundesländer in den letzten Jahren zwickte Nordrhein-Westfalen die Angst vor einem Lehrermangel. Also buhlte man mit viel Getrommel um Berufstätige aus anderen akademischen Disziplinen.

Lehrer Müller-Radtcke: Lust auf den "Zukunftsberuf" vergangen
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Lehrer Müller-Radtcke: Lust auf den "Zukunftsberuf" vergangen

Zukunftsberuf? Darüber kann Wilfried Müller-Radtke nur lachen. Er fühlt sich von der Kampagne getäuscht. Denn auch er ist Quereinsteiger. Nach dem Studium hat er acht Jahre lang als Rundfunkredakteur gearbeitet, nach einer betriebsbedingten Kündigung dann als freier Journalist. Anschließend übernahm er eine Vertretung an einer Kölner Hauptschule und bewarb sich für ein Referendariat in den Fächern Deutsch und Sowi. Immer im Hinterkopf: Wer ein Mangelfach unterrichtet, wird in NRW noch bis 45 verbeamtet - eine solide Perspektive.

Da lohnte es sich auch, noch ein Jahr an der Uni dranzuhängen, um das Referendariat antreten zu können. Vor einem Jahr begann Müller-Radtke sein Referendariat an einer Bonner Gesamtschule. Weil er mit 1100 Euro netto Frau und Tochter nicht ernähren konnte, nahm er einen Kredit über 20.000 Euro auf. Es sollte die Investition in eine sichere Zukunft sein.

Aber dann kam das, was Müller-Radtke als "den ersten Knaller" bezeichnet: Die Landesregierung setzte den "Mangelfacherlass", nach dem Lehrer auch noch bis 45 verbeamtet werden, wenn sie eines von elf Mangelfächern unterrichten, ein Jahr vor der eigentlichen Frist ab - im August 2006. Kurz nach Beginn seines Referendariats war für Müller-Radtke der erste Traum geplatzt. Er war 44, und damit plötzlich zu alt für eine Verbeamtung: Denn die neue Grenze liegt jetzt bei 35 Jahren.

Gehaltskürzung um 500 Euro brutto

Es folgte die zweite Enttäuschung: Ende vergangenen Jahres wurde der bisher für angestellte Lehrer geltende Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) durch einen neuen Tarifvertrag TV-L ersetzt. Die Folge: Ortszuschläge entfallen, die Gehälter im TV-L sind niedriger, und Berufsjahre werden beim Einstiegsgehalt nicht mehr berücksichtigt.

Arbeitsplatz Schule: Überall trommelten die Bundesländer in den letzten Jahren für den Lehrerberuf
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DDP

Arbeitsplatz Schule: Überall trommelten die Bundesländer in den letzten Jahren für den Lehrerberuf

Für Müller-Radtke bedeutete das eine finanzielle Katastrophe. Er hatte sich alles so schön ausgerechnet: Nach dem BAT hätte er netto 2300 Euro verdient und davon noch gut seinen Kredit abbezahlen können. Nach dem neuen Tarif wird er nur 1600 bis 1700 Euro netto verdienen - für Raten und Familie reicht das nicht.

Müller-Radtke und andere Referendare wehrten sich gegen die Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer. Sie gründeten eine Betroffenen-Initiative und setzten beim Land durch, dass zumindest die Lehrer, die vor ihrer Ausbildung nichts von den Dumping-Löhnen wussten, höher eingestuft werden sollten, wenn sie Berufserfahrung mitbringen. Ein Teilerfolg für die Initiative.

Müller-Radtke schrieb daraufhin einen Brief an seine zuständige Bezirksregierung, um seine Einstufung zu erfahren. Bis jetzt - neun Monate später - hat er keine Antwort bekommen. Kollegen von ihm, die bereits als Lehrer angestellt sind, bekamen zwar zunächst mehr Geld, viele wurden aber ein paar Monate später wieder zurückgestuft. So ging es auch einem 37-jährigen Lehrer aus Minden, der sich bei der ehemaligen Schulministerin Ute Schäfer (SPD) beschwerte. "Damit wurde mir mein Gehalt nach sechs Monaten brutto um 495,69, netto: ca. 200 Euro gekürzt (Nettogehalt nun: 1777,37 Euro)", schreibt er in dem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit?

Der Lehrer aus Minden ist nur einer von vielen, die sich bei den Schulpolitikern des Landes beschwert. Seine verbeamteten Kollegen haben netto weit über 2000 Euro in der Tasche. Der Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Arbeit" scheint in den Lehrerzimmern Nordrhein-Westfalens nicht mehr zu gelten.

Andrej Priboschek vom Schulministerium sieht bei der Landesregierung und Schulministerin Barbara Sommer indes keinen Fehler: "Mit der Umstellung von BAT auf TV-L hat das Schulministerium nichts zu tun", sagt er. Die Tarifgemeinschaft der deutschen Länder habe den Vertrag ausgehandelt. Der Mangelfach-Erlass sei zurückgenommen worden, weil die Liste der Mangelfächer nicht mehr aktuell gewesen sei.

Ex-Schulministerin Ute Schäfer (SPD) hält die neuen Bedingungen jedoch für inakzeptabel: "Das ist Vertrauensbruch gegenüber den Menschen, die im Schuldienst in Nordrhein-Westfalen arbeiten", meint Schäfer. Die Landesregierung müsse den Missstand sofort beseitigen.

Die Landesregierung habe nun alles in die Wege geleitet, sagt Andrej Priboschek vom Schulministerium. Die Beschwerden seien gar nicht so zahlreich: "Nur 35 im Regierungsbezirk Köln, und dort sind die meisten Beschwerden." Außerdem brauche man im Moment gar keine Seiteneinsteiger mehr, "höchstens noch in Berufskollegs".

Den Seiteneinsteigern ist die Lust auf den "Zukunftsberuf Lehrer in NRW" ohnehin schon vergangen: Wilfried Müller-Radtke aus Bonn überlegt, nach seinem Referendariat in Rheinland-Pfalz anzuheuern.

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Die neuesten Beiträge:
08.03.2011 von Dei_Mudda: -

Entschuldigen Sie, aber das sehe ich als Netzwerkadministrator dann doch etwas anders. Das IEEE 802 Projekt besteht jetzt schon seit über 30 Jahren und wird heute immer noch eingesetzt. Also spielt dieses [...] mehr...

08.03.2011 von serdna: massig

Neu zum Beispiel ist das Konzept von Java, das heißt den Code in einer Zwischenstufe festzuhalten, der dann noch eine java virtual machine braucht um abgearbeitet zu werden. Neu sind auf xml beruhende Datenbanken, völlig neue [...] mehr...

08.03.2011 von pescador:

Nun, Sie reden in diesem Forum nicht nur mit Lehrern. Ich zum Beispiel bin keiner. Und was ihre "neuen Prgrammiersprachen" betrifft: können Sie denn wenigstens ein Programmierparadigma bennen, das nicht mindestens 30 [...] mehr...

08.03.2011 von serdna: Es ist doch egal

Lieber AndersSehend, Sie diskutieren in diesem Forum mit LEHRERN. Sie diskutieren mit einer Bevölkerungsgruppe, die vor 20 / 30 Jahren an der Uni mal was gelernt hat und dieses Wissen, so man es denn so nennen will, seit [...] mehr...

08.03.2011 von AndersSehend: selektives lesen und antworten folge x

unterscheiden wir also zwischen "echtem" und "falschem" fachwissen, darauf können wir uns retrospektiv und -aktiv einigen: nein! wirklich? sagen sie bloß ... danke, dass sie mir wieder einmal die welt [...] mehr...

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