Von Jochen Leffers
Es wirkte wie ein schöner, ein sympathischer, ein segensreicher Plan: Erst im Alter von durchschnittlich 42 Jahren erreichen deutsche Wissenschaftler den akademischen Olymp einer regulären Professur. Die Juniorprofessur sollte das ändern - weg mit dem alten Zopf der Habilitation, her mit jüngeren Wissenschaftlern, die nicht mehr am Gängelband der Altvorderen hängen und sich viele früher eigenständig in Forschung und Lehre beweisen können.
Nachwuchs der Wissenschaft: Juniorprofessur, Habilitation, beides?
Hoch lebe die Habilitation, heißt es seitdem an vielen Hochschulen. Jene inzwischen rund 800 jungen Wissenschaftler, die sich auf das Abenteuer Juniorprofessur einlassen, reagieren verunsichert: Ein Drittel plant zusätzlich zur Juniorprofessur auch noch die Habilitation, ein weiteres Viertel ist noch unentschieden. Das ergab im Frühsommer eine Erhebung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).
Zufrieden trotz beruflicher Unsicherheit
Wer dieses Programm schultern will, muss ganz tapfer sein. Denn Juniorprofessoren müssen eine Fülle von Aufgaben in Lehre, Prüfungen, akademischer Selbstverwaltung und Drittmitteleinwerbung bewältigen. Und dann das opus magnum, das große, zweite Buch nach der Dissertation noch obendrauf? "Diese Doppelbelastung widerspricht der ursprünglichen Konzeption der Stelle", sagte Kurosch Rezwan, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Juniorprofessur in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
In den USA etwa ist der "Tenure Track" üblich: Nachwuchskräfte in der Wissenschaft erhalten zeitlich befristete Verträge als Assistenzprofessoren - und wenn sie sich bewähren, haben sie eine feste Laufbahnzusage in der Tasche. Davon sind die deutschen Hochschulen noch weit entfernt.
Die Juniorprofessoren steuern also in eine ungewisse Zukunft. Dennoch ist ihre Zufriedenheit überraschend hoch: "Das Konzept hat sich etabliert, rund drei Viertel würden den Schritt noch einmal gehen", sagte Rezwan. Das bestätigt auch die CHE-Untersuchung: Demnach sind über zwei Drittel mit ihrer Situation eher oder sehr zufrieden. Besonders positiv gestimmt sind die Humanmediziner, bei den Ingenieuren äußern sich viele neutral.
Negative Wertungen gab es am häufigsten bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern. Und hier ist auch der Anteil derjenigen, die parallel die Habilitation anstreben, hoch: Fast die Hälfte sucht nach einem Fallschirm und erhofft sich durch die Habilitation bessere Berufschancen.
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes habilitierten sich im letzten Jahr knapp 2000 Wissenschaftler an deutschen Hochschulen, fast genauso viele wie im Vorjahr. Die Zahl der Juniorprofessoren stieg von 102 im Jahr 2002 auf 617 im Jahr 2005. Die Gesamtzahl der Professoren ist in diesem Zeitraum fast konstant geblieben: bei rund 38.000.
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