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06.12.2007
 

Europas Top-Arbeitgeber

Deutsche Konzerne bei Studenten weniger beliebt

Von Karsten Langer

Im Wettstreit um die besten Talente müssen deutsche Unternehmen sich ins Zeug legen: Siemens, Daimler, SAP und Bosch - sie alle rutschten in der Gunst europäischer Wirtschafts- und Technikstudenten ab. Nur BMW, Porsche und Adidas halten sich wacker, wie eine große Umfrage zeigt.

Angehende Akademiker in Europa haben klare Vorstellungen, bei welchen Firmen sie am liebsten arbeiten wollen: Platz eins des Rankings der attraktivsten Arbeitgeber bei den BWLern nimmt L'Oreal ein. Das ergab das 5. European Student Barometer des Berliner Trendence-Instituts. Der französische Kosmetikkonzern ist bei der Rekrutierung europaweit aktiv und lag schon 2006 vorn.

Gute Aussichten: Talente haben gute Chancen, einen Job bei ihrem Wunschkonzern zu finden
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Sehr beliebt sind auch Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften: Auf Platz zwei wählten Studenten und Absolventen der Wirtschaftswissenschaften PricewaterhouseCoopers, auf Platz vier Ernst & Young und auf Platz neun Deloitte.

Stark gewonnen haben vor allem die Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller. So sind die Unternehmen Coca Cola (Rang 3) und Adidas (Platz 5) in den letzten fünf Jahren in der Studentengunst kontinuierlich gestiegen.

Bei Europas Technikstudenten liegt IBM im Ranking der der Top-Arbeitgeber ganz vorn, gefolgt von Microsoft und BMW. Intel wählten die Befragten auf den fünften Platz hinter Apple auf Rang vier.

Deutsche Unternehmen im Abwärtssog

Deutsche Konzerne schnitten insgesamt schwächer ab als im Vorjahr. Bei Studenten technischer Fachrichtungen hat vor allem das Image von Siemens gelitten: Der Technologiekonzern stürzte um sechs Ränge vom dritten auf den neunten Platz. BMW (jetzt Rang drei) und Porsche (Rang acht) mussten im Vergleich zum Vorjahr nur einen Rang abgeben. Härter erwischte es drei andere deutsche Konzerne: Daimler rutschte vom 18. auf den 30. Platz, Bosch vom 24. auf den 46. und SAP vom 28. auf den 36. Rang.

Auch auf den hinteren Rängen konnten deutsche Technologiefirmen nicht punkten: BASF sackte vom 47. auf den 51. Platz, Lufthansa Technik vom 34. auf den 54. und das Fraunhofer Institut gar vom 21. auf den 62. Rang. Nur Lkw-Hersteller MAN machte ein paar Plätze gut und schob sich vom 67. auf den 59. Platz.

Bei den BWLern erfasste der Abwärtssog Adidas (nun auf Rang fünf), BMW (Rang acht), Porsche (14.), Volkswagen (24.) Lufthansa (jetzt 36.), Daimler (54.) und Beiersdorf (91), allesamt deutlich schlechter platziert als im Vorjahr. Siemens rutschte bei den BWLern gar von Platz 20 auf Rang 45. Dagegen konnte sich der Versicherungskonzern Allianz leicht von Rang 62 auf 56 verbessern.

Zuversichtlich bei der Jobsuche

Insgesamt blicken europäische Studenten optimistisch in die Zukunft. Jeder vierte der Wirtschaftswissenschaftler erwartet 2007 Schwierigkeiten bei der Jobsuche. Durchschnittlich gehen sie davon aus, 26 Bewerbungen schreiben und viereinhalb Monate für die Jobsuche investieren zu müssen. Die Ingenieure erwarten eine noch rosigere Zukunft: Nur 19 Prozent gehen davon aus, dass es schwierig wird, eine Stelle zu finden.

Gute Verdienste: Erwartetes Gehalt pro Jahr
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Gute Verdienste: Erwartetes Gehalt pro Jahr

Was aber macht ein Unternehmen für Studenten und Absolventen attraktiv? Das Gehalt, die Aufstiegschancen, ein spannendes Arbeitsumfeld oder der klingende Firmenname?

Die Befragung zeigt, dass ein Unternehmen vor allem dann als Arbeitgeber interessant ist, wenn es eine attraktive Aufgabe mit interessanten Tätigkeiten bieten kann. 95 Prozent der Befragten sehen diesen Faktor als wichtigen oder sehr wichtigen Grund der Arbeitgeberwahl. Für jeweils 90 Prozent sind auch hilfsbereite und freundliche Kollegen sowie Weiterbildungsmöglichkeiten wichtig.

Die Reihenfolge bei den deutschen Studenten: attraktive Aufgaben vor freundlichen Kollegen, guten Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegsmöglichkeiten. Am wenigsten entscheidend sind für sie der Standort sowie soziale Verantwortung, die das Unternehmen übernimmt.

Zum Wunschprofil des Ideal-Arbeitgebers europäischer Studenten gehört auch eine gute Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit von Arbeit und privaten Bedürfnissen. Rund 87 Prozent sehen das als wichtigen oder sehr wichtigen Faktor. Für die angehenden deutschen Ingenieure ist diese Balance sogar genauso wichtig wie gute Aufstiegschancen.

Deutsche Studenten gehen laut Trendence-Studie von einem deutlich höheren Einstiegsgehalt als viele ihrer europäischen Kommilitonen aus. So erwarten die deutschen Wirtschaftswissenschaftler ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 41.000 Euro pro Jahr, die Ingenieure 42.000 Euro. Der europäische Durchschnitt der BWLer liegt bei 27.855 Euro, bei den Ingenieuren bei 29.400 Euro.

Deutsche Studenten sind einsatzbereit und mobil

Bescheiden zeigen sich vor allem osteuropäische Studenten: Mit 9000 Euro rechnen zum Beispiel ungarische Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler als Einstiegsgehalt, ihre dänischen Kommilitonen dagegen mit etwa 46.000 Euro.

Fleißige Deutsche: Erwartete Arbeitsstunden pro Woche
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Fleißige Deutsche: Erwartete Arbeitsstunden pro Woche

43,4 Stunden - diese Wochenarbeitszeit veranschlagen Europas Studenten der Wirtschaftswissenschaften bei ihrem ersten Arbeitgeber nach Studienabschluss, bei den Technikstudenten sind es 42,4 Stunden. Die befragten Deutschen erwarten deutlich längere Arbeitszeiten und liegen damit europaweit an der Spitze: Die Ökonomen gehen von 47,9 Stunden aus, Ingenieure von 44 Stunden. Spanische Wirtschaftsstudenten etwa rechnen mit 40,6 Wochenstunden im ersten Job.

Der Großteil der befragten Studenten zeigt sich mobil. Über zwei Drittel der Wirtschaftswissenschaftler und 71 Prozent der Ingenieure sagten, sie möchten gern im Ausland tätig sein. Am wenigsten Interesse an einer internationalen Karriere haben die Niederländer und Belgier mit jeweils nur rund 50 Prozent. Von den Schweden und Franzosen würden gut drei viertel für den Berufsstart ins Ausland gehen. Bei den deutschen Studenten sind es 72 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler und sogar 86 Prozent der Ingenieure.

Top 100 Europa: Das BWLer-Ranking

Top 100 Europa: Das Ingenieurs-Ranking

Top 100 Deutschland: Die Favoriten der BWLer

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insgesamt 6 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.12.2007 von Stansfield: Selbst schuld...

Tja, gute Wirtschaftswissenschafter und Ingenieure können eben zwischen mehreren Unternehmen wählen. Schön blöd, wer da zB. zu Continental geht, wenn die Konzernleitung fröhlich verkündet, daß die Auslagerung der Ingenieure nach [...] mehr...

06.12.2007 von maksim: Ja, ja, die Globalisierung

Da spricht sich halt auch rum, dank der internationalen Zusammenarbeit, welches Betriebsklima in den Betrieben herrscht. Habe ich doch schon oft genug gemacht, mit meinen ausländischen Kollegen, wie ist das bei euch so, das [...] mehr...

06.12.2007 von ax0l0tl: ich glaubs nicht

mws: Glauben Sie allen Ernstes in den Naturwissenschaften schauts besser aus. Als Doktorand muessen sie sich in Deutschland die Frage stellen, ob sie nicht Hartz 4 beantragen koennen. mehr...

06.12.2007 von wander: Quittung

Nun, wieder eine Tabelle, die belget, dass die hartleibige, vom SPIEGEL freudig mitunterstützte Angebotspolitik der letzten Jahre ein Desaster ist. Wieso sollen Studenten dümmer sein als Spargestecher? mehr...

06.12.2007 von mws: Liste nicht komplett?

Aha. Die deutsche und die europäische Wirtschaft beruht also nur auf BWLern und Ingenieuren. Wie sieht es mit dem Ranking von Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer aber auch anderer Disziplinen aus? mehr...

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