Von Xenia von Polier
Nach wie vielen Wischbewegungen muss ein Schrubber einen Ketchup-Fleck aufgelöst haben? Welches Geräusch sollte Klebefilm von sich geben, wenn er abgerollt wird? Und mit welchen Zutaten mischt man ein wohlschmeckendes Amaretto-Eis?
In den Antworten auf solche eher unakademischen Fragen steckt das Wissen zahlreicher Werkstudenten, Diplomanden oder Berufseinsteiger. Sie arbeiten daran, Produkte, die wir jeden Tag benutzen, besser zu machen - eine Zahnbürste etwa oder einen Geldschein. Bevor ein solcher Gegenstand in den Gebrauch kommt, ist meist monatelange Tüftel- und Testarbeit im Labor und am Computer nötig. Fünf Helden des Alltags - heute:
Kevin Krieg, Forscher mit Biss
Man sollte denken, dass es genügt, wenn eine Zahnbürste zweimal täglich zuverlässig das Gebiss ihres Besitzers von Essensresten und Bakterien befreit. Dass das gute Stück weit mehr können muss, weiß Kevin Krieg, 27. Der angehende Wirtschaftsingenieur an der TU Darmstadt schreibt derzeit bei der Firma Braun in Kronberg seine Diplomarbeit. Dafür analysiert er bis ins Detail die Anforderungen an elektrische Zahnbürsten.
"Es gibt beispielsweise eine Deutsche Industrie-Norm, die verlangt, dass man mindestens mit 1,5 Kilogramm Zugkraft an einem Büschel der Bürste ziehen darf, ohne dass die Borsten ausreißen", erzählt Krieg. "Für eine gute Bewertung von Stiftung Warentest sollte die Akkuladung mindestens fünf Minuten lang vorhalten, ohne dass die Leistung nachlässt."
Und dann gilt es neben den rund 40 Forderungen von Stiftung Warentest und DIN noch die Wünsche der Verbraucher zu berücksichtigen: "Die Zahnbürste muss eine möglichst lange Lebensdauer haben und soll sicher und geschmeidig auf den Zähnen aufliegen." Unter Einhaltung der hohen Standards sucht Krieg noch nach Wegen, um bei der Produktion Geld zu sparen.
Explodieren darf die Zahnbürste auf keinen Fall
Auf seinem Schreibtisch liegen verschiedene Modelle, die der Techniker in ihre zahlreichen Einzelteile zerlegt hat: ein Miniatur-Motor, ein Akku, ein winziges Getriebe und eine rechteckige Leiterplatte mit einem kleinen schwarzen Kästchen, das die Timerfunktion steuert. Am unteren Ende der Bürste befindet sich zudem eine Spule, die den Akku wieder auflädt.
Krieg ist immer wieder fasziniert von der Technik, die in dem Gebrauchsgegenstand steckt. Er deutet auf ein winziges Loch auf der Rückseite der Bürste. "Das ist eine Goretex-Membran. Sie verhindert, dass die Zahnbürste im Extremfall explodieren könnte, falls die Akkus ausgasen", erläutert Krieg.
Im Moment analysiert der Diplomand, ob es sinnvoll wäre, den Motor auszutauschen. "Der Motor der Braun Vitality ist relativ teuer", sagt Krieg. "Ich untersuche, ob es einen Motor gibt, der günstiger ist und trotzdem die Anforderungen der Verbraucher erfüllt."
Für Zahnärzte ein schauriger Film
Einfach auswechseln lassen kann Krieg den Motor des Modells allerdings nicht. Vorher muss die Zahnbürste, bestückt mit einem Probemotor, zahlreiche Tests durchlaufen. In den Labors werden die Zahnbürsten in einer Falltrommel wie in einer Waschmaschine durch die Luft geschleudert, bis sie irgendwann den Geist aufgeben. Andere Exemplare kommen in den Lebensdauertest: "24 Zahnbürsten werden nebeneinander in eine spezielle Konstruktion mit Gebissen gespannt und müssen so lange schrubben, bis der Motor versagt", erläutert Krieg.
Besonders spannend wird es für ihn, wenn Testpersonen aus Fleisch und Blut die Produkte in die Hand nehmen. In einem Laborraum werden Freiwillige dabei gefilmt, wie sie sich die Zähne putzen. Zahnärzte würden angesichts der Aufnahmen den Glauben verlieren. Im Film ist zu sehen, wie falsch manche Probanden ihr Gebiss reinigen: Sie drücken zu fest auf, machen die falschen Bewegungen, und statt fünf Minuten lang zu schrubben, hören sie schon nach zwei Minuten auf.
Doch Kriegs Zahnbürsten müssen menschliches Versagen kompensieren. Der Student schwärmt von der jüngsten Generation der Produkte: "Die Bürsten können inzwischen sogar mit ihrem Besitzer kommunizieren. Sie sagen ihm beispielsweise, wann er zu stark aufdrückt, wann er den Kopf wechseln muss und wann er mit dem Putzen aufhören darf."
Am Dienstag:
Frank Virus und das gewisse "Ssst"
Am Donnerstag:
Eis-Gourmet Jürgen Löbner
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
© UniSPIEGEL 6/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH