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12.02.2008
 

Lehrstuhl mit 27

Der Turbo-Prof

Von Carolin Jenkner

Georg Schneider ist eine akademische Blitzkarriere gelungen: Er hat zwei Doktortitel, ist BWL-Professor - und gerade mal 27 Jahre alt. Manche Studenten, die er unterrichtet, sind älter als er.

Zum Bilderaufhängen hatte Georg Schneider noch keine Zeit. Die Wände in seinem Büro sind kahl und weiß, die einzigen Möbelstücke ein Schreibtisch und ein paar Stühle. Neben dem Computer liegen die Diplomarbeit eines Studenten und gestapelte Akten. Hier im fünften Stock eines Siebziger-Jahre-Baus der Paderborner Uni hat einer der jüngsten Uni-Professoren in Deutschland seinen Lehrstuhl.

Mit 27 hat Georg Schneider das erreicht, wovon andere ein Leben lang träumen: Er hat einen eigenen Lehrstuhl, nicht als Junior-, sondern als regulärer BWL-Professor. Genau 27 Jahre ist seine Sekretärin älter als er; die meisten seiner Kollegen haben für die Habilitation mindestens zehn Jahre länger gebraucht. Georg Schneider hat schon jetzt einen Stab von Mitarbeitern - und ist jünger als manche seiner Diplomanden und Doktoranden. Nur durch den dunkelblauen Anzug und die violette Krawatte unterscheidet er sich von den Studenten. Das Outfit wirkt ein bisschen konservativ. Es soll ihn älter machen.

"Eigentlich bewundern ihn alle"

Nicht immer funktioniert das. Neulich, als er mit seinen älteren Kollegen in die Mensa ging, wollte ihm jemand einen Flyer in die Hand drücken: "Ich hab einen Job für dich", sagte der Promoter. Schneider antwortete: "Danke, aber ich habe schon einen. Ich bin Professor."

Georg Schneider bringt den Studenten externes Rechnungswesen bei - und sie haben Respekt vor dem Turbo-Prof. "Er sieht nur jünger aus als andere Professoren", sagt BWL-Studentin Quynh Nhu To Tuan, 23, "seine Vorlesungen sind vielleicht manchmal ein bisschen theoretisch, aber eigentlich bewundern ihn alle."

Kein Wunder bei dem Lebenslauf: Nach dem österreichischen Abitur, der Matura, legte er ein Blitzstudium in Mathematik an der Uni Wien hin. Mit 21 hatte er sein Diplom in der Tasche, mit 22 den ersten Doktortitel. Für seine Dissertation im Bereich der komplexen Analysis erhielt er die höchstmögliche Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich.

Als Mathematik-Fachidiot wollte er aber nicht dastehen. Deshalb schrieb er seine zweite Doktorarbeit in BWL, teils an der Uni Wien, teils als Gastdozent in Stanford (USA). Mit 25 hatte er den zweiten Doktortitel vor seinem Namen stehen, wieder mit der höchsten Auszeichnung. Im Sommersemester 2007 bekam der Wiener zuerst eine Vertretungsprofessur an der Uni Paderborn, zum Wintersemester einen eigenen Lehrstuhl.

Mathematik und BWL als Leidenschaft

Nun forscht er an den Schnittpunkten zwischen Mathematik und BWL: Er wendet Mikroökonomische-Modelle auf Fragestellungen des externen Rechnungswesens an. Für den Betrachter wirkt das immer noch sehr theoretisch, zahlenverliebt und abstrakt - für Georg Schneider ist es Leidenschaft. "Das schönste ist, wenn man eine Fragestellung löst, die noch keiner vorher gelöst hat", sagt er und lächelt. Da nimmt man auch die langen Fachbereichssitzungen in Kauf.

Von seinen älteren Kollegen fühlt sich der junge Prof akzeptiert, auch wenn er die in der Wissenschaft üblichen Sticheleien gut kennt: "Jeder Professor ist eitel", sagt er. "Ich bin es aber, glaube ich, nicht übermäßig." Und er weiß: "Wenn man ehrgeizig ist, gibt es immer Leute, die neidisch sind. Damit muss man leben." Als hochbegabt möchte er sich nicht bezeichnen: "Mathematik kann man nicht mit einem IQ-Test überprüfen."

Neben der Begeisterung für sein Fach pflegt Georg Schneider viele Interessen. "Als Universitätsprofessor sollte man mehr darstellen als nur sein Gebiet", sagt er. "Ich lege viel Wert auf humanistische Bildung - Latein zum Beispiel." Oder die Oper: Wenn er in seiner Heimatstadt Wien ist, besucht er jedes Mal eine Vorstellung. In der ostwestfälischen Provinz spielt er regelmäßig Badminton mit den Studenten.

Fürs erste ist Georg Schneider da angekommen, wo er hinwollte. Aber ob das auch für die nächsten 40 Jahre bis zur Rente gilt? "Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und kann mir viele Varianten vorstellen - auch in der freien Wirtschaft. Aber in den nächsten fünf Jahren möchte ich auf jeden Fall in Forschung und Lehre bleiben."

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