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Job als Statussymbol Gefangen in der Coolness-Falle

2. Teil: Mit Haut und Haaren bei der Arbeit - aber Massenentlassungen sind nicht so hip

So cool wie der Ruf der Spiele ist auch die Vorstellung von einem Job im Kölner Zollhafen, einem Neubauprojekt im alten Hafengelände direkt am Rhein. Das Arbeiten in der EA-Zentrale muss Spaß machen. Im Foyer steht ein Kicker, darüber flackern Szenen aus den neuesten Spielen über einen Flachbildschirm, in den Großraumbüros duzt man sich. Jeder Mitarbeiter bekommt nach der Probezeit einen Zuschuss zum Kauf einer Konsole und auch fünf Spiele pro Quartal gratis. Es gibt Bionade und eine Sportsbar, Sabbaticals, umsatzabhängige Bonuszahlungen, flache Hierarchien und hohe Verantwortung in internationalen Projekten.

Personalerin Riech-Neumann betont die lockere Atmosphäre in ihrem Unternehmen: "Es geht heute auch um die Freude an der Arbeit, sonst bringen die Menschen nicht ihre kreativen Potenziale ein." Dass die Einstiegsgehälter mit 31.000 Euro deutlich niedriger liegen als anderswo, nehmen die Mitarbeiter anscheinend in Kauf.

Arbeit als Lifestyle: Auch Eike Rojahn, Creative Director bei der Düsseldorfer Agentur BMZ+more, nickt bei dieser Beschreibung. Er sagt: "Für mich ist Werbung und besonders die digitale, interaktive Kommunikation nicht nur ein Job, sondern eine Faszination." Dass es so etwas wie Arbeitszeitregelungen gibt, gerät nicht nur ihm dabei schnell aus dem Bewusstsein. Auch Rojahn hat in der Agentur viele Kollegen überlebt, die dem Druck nach einiger Zeit nicht mehr gewachsen waren.

Menschen, die es in coole Jobs zieht, geht es dabei nicht so sehr ums Geld. Sondern darum, dass sie etwas erschaffen, das glänzt, prägt, wahrgenommen wird. Denn: Wer sich mit Haut und Haaren in den Dienst des Arbeitgebers stellt, der will sich mit dessen Produkten identifizieren, seien es Werbekampagnen, Pflegeserien, Designermöbel oder PS-starke Sportwagen. Trendforscher Wippermann spricht von einer "Aura", die solche attraktiven Unternehmen umgibt.

Man ist per Du und redet nicht über Frust

Doch bei allem Zauber raten Experten, dass Bewerber lieber geduldiges Bewusstsein als spontane Begeisterung walten lassen sollten. Der Saarbrücker Professor Scholz empfiehlt allen Kandidaten, sich über die eigene Rolle im Unternehmen Gedanken zu machen und die "Entscheidung nicht nur von den tollen Produkten einer Firma abhängig" zu machen. Das scheint umso nötiger, weil immer mehr Absolventen unreflektiert zu hippen Konzernen wollen.

Isabell Krone, Director Human Resources bei Tele Atlas, einem Anbieter von digitalen Karten, beschreibt die Mentalität vieler Bewerber: "Sie machen auf 'cherry picker' und drängen in Unternehmen, die auf den ersten Blick hip und sexy sind." Dabei vergäßen die Nachwuchskräfte oft, dass auch in angesagten Häusern die Arbeit mitunter trocken sein könne. Es klaffe dann eine gewaltige Lücke der Enttäuschung zwischen dem erhofften Lifestyle und dem tatsächlichen Alltagsleben. Noch dazu, wenn Unternehmen zwar ihr Image polieren, um junge Kräfte zu locken, aber allzu wenig tun, um sie auch langfristig zu halten.

Wie etwa der engagierte Flash-Designer, der in einer Hamburger Großagentur immer mehr Projektverantwortung bekam. Am Anfang war er glücklich über seinen Job, sechs Jahre später frustriert: Die Gehaltsverhandlungen mit dem Chef brachten kaum etwas, man war per Du, ging gemeinsam auf Partys. Da kam es nicht gut, auf Konfrontation zu gehen. Nach einer Phase innerer Kämpfe machte sich der leidgeplagte Mitarbeiter erst selbstständig und wanderte dann aus.

Personalerin Krone erwartet eine Art "zweiten Crash" wie einst in der New Economy und rät Bewerbern, auch einen Blick auf die vordergründig steifen Arbeitgeber zu werfen: "Man sollte nicht vergessen, dass es gerade die großen und hippen Player sind, die Massenentlassungen durchführen - wenn es wieder mal bergab geht, weniger die kleinen Mittelständler."

Warum also nicht lieber etwas steifer? Auch vordergründig langweilige Unternehmen können richtig spannend sein - und bieten oft bessere Aussichten auf "Work-Life-Balance". Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns etwa kommt sicher nicht in den Verdacht, Deutschlands coolstes Unternehmen zu sein. "Natürlich haben wir noch immer unter dem alten Ruf zu leiden, ein verstaubtes Unternehmen zu sein", gibt Personalchefin Hede Gesine Fink zu.

Am Wochenende hat das Handy Pause

Und doch lockt das Haus auch besonders anspruchsvollen Nachwuchs wie Stephanie Jahn an. Der mag anfangs skeptisch sein und kann auch im Freundeskreis nicht mit glamourösen Produkten seines Arbeitgebers prahlen. Dafür aber sind die Bedingungen attraktiv, man kann Karriere machen, Verantwortung übernehmen und sich langfristig entwickeln.

Bei der KV Bayern hat sich einiges getan, es gibt unbürokratische Arbeitszeiten und Sitzgruppen mit WLAN-Verbindung, Lauftrainings und Winterwanderungen. Im Vergleich zu vielen hippen Häusern bieten diese Unternehmen zudem handfeste Anreize: Die Bezahlung ist tariftreu - und dazu gibt es freie Wochenenden, an denen kein Blackberry klingelt.

Aber sich zurücklehnen, die Sicherheit des Jobs genießen - das wird man in Zukunft auch bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern nicht mehr können. "Ab und an kommen noch immer Bewerber, die nur auf eine lebenslange Arbeitsplatzgarantie hoffen", sagt Personalchefin Fink. Da gebe es nur Absagen. Gerade weil auch weniger exponierte Firmen immer neue Ideen brauchen, sind dort selbstbewusste Mitarbeiter gefragt, die eigenständig und zielgerichtet arbeiten. Auch das kann ziemlich cool sein.

Anita Wachmann übrigens hatte bald keine Lust und keine Kraft mehr, das Spiel bei ihrer Agentur mitzumachen: Vor einem halben Jahr wechselte sie in eine andere PR-Agentur nach München. Diesmal, sagt sie, habe sie statt auf Coolness eher auf die Bedingungen geachtet. "Wenn jemand regelmäßig zu lange arbeitet, sucht die Geschäftsleitung aktiv nach dem Grund und einer Lösung", berichtet sie von ihrem neuen Arbeitgeber. Der Job bietet ihr viel Zeit fürs Privatleben, für soziale Kontakte abseits der kreativen Arbeit.

In der hippen Agenturwelt mag man zwar über derlei altbackene Ansichten schmunzeln - doch Wachmann fühlt, dass sie sich nur auf diese Weise nicht verheizt.

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insgesamt 27 Beiträge
Boone 18.02.2008
Damit Arbeitgeber mehr zu bieten haben, müssen Sie zuerst mehr Ziele haben als ausschließlich Geld und Macht und welche Ziele könnten das wohl sein?
Damit Arbeitgeber mehr zu bieten haben, müssen Sie zuerst mehr Ziele haben als ausschließlich Geld und Macht und welche Ziele könnten das wohl sein?
Vincent_Vega 18.02.2008
Was sind denn bitteschön "spießige Arbeitgeber"? Firmen die das Gehalt pünktlich zahlen und dafür im Gegenzug auf eine Arbeitszeit von 40 Std. in der Woche bestehen (evtl. auch noch auf Überstunden) und die keinen Kicker [...]
Was sind denn bitteschön "spießige Arbeitgeber"? Firmen die das Gehalt pünktlich zahlen und dafür im Gegenzug auf eine Arbeitszeit von 40 Std. in der Woche bestehen (evtl. auch noch auf Überstunden) und die keinen Kicker und "hippe" Möbel in den Büros haben? Na, egal, ersparen Sie mir die Antwort. Es muß jeder selbst wissen, was ihm/ihr gefällt. Überstunden und permanente Erreichbarkeit ist bei vielen Arbeitgebern eine zwingende Notwendigkeit der Position, die man im Unternehmen bekleidet - völlig unabhängig vom Kretivitätsgehalt oder der Anzahl an "hippen" Büroutensielien. Was mich immer wieder verwundert ist, daß sich viele dem Herdentrieb des "ich will/darf nicht als erster egehen" hingeben. Diese Gruppendynamik wird von vielen Arbeitgebern gefördert, bring unter dem Strich m.E. nach aber nur eine geringe Effizienzsteigerung des Gesamtunternehmens.
tomrobert 18.02.2008
der Mitarbeiter auch mithaften, wenn die Leute krank werden. Das würde zu Mechanismen führen, die den Mitarbeiter vor burning out schützt.Eben weil viele das nicht erkennen.Die Gesellschaft kann sich sowas nicht leisten.
der Mitarbeiter auch mithaften, wenn die Leute krank werden. Das würde zu Mechanismen führen, die den Mitarbeiter vor burning out schützt.Eben weil viele das nicht erkennen.Die Gesellschaft kann sich sowas nicht leisten.
"Viele junge Akademiker lassen sich vom Glanz* cooler Unternehmen blenden."...... Eine gehörige portion naivität der studienabgänger ermöglicht es den arbeitgebern die ausbeutung auszuweiten. ich finde man sollte [...]
"Viele junge Akademiker lassen sich vom Glanz* cooler Unternehmen blenden."...... Eine gehörige portion naivität der studienabgänger ermöglicht es den arbeitgebern die ausbeutung auszuweiten. ich finde man sollte überzeugungsarbeit in den schulen und universitäten leisten, um diesen trend entgegen zu wirken und nicht noch zusätzlich zu verstärken. in meiner schulischen ausbildung zum 3d artist und filmler (vor zwei jahren) war die einstellung der absolventen genau wie im artikel beschrieben. ein besuch bei "einem bekannten privaten sender" zeigte, dass praktikanten erst über eine mehrjährige berufspraxis verfügen müssen, um als schnittassistent ihr dasein zu fristen. ähnlich bei einer 3d produktionsfirma für "eine bekannte sendung (nach den simpsons)." 2 jahre vertrag als praktikant und danach "...schaun mer mal weidda". fließbandarbeit zu einem schlechten lohn. eingetrichterte veranwortung mit dem gedanken im hinterkopf ersetzbar zu sein. das macht menschen krank
bcpmoon 18.02.2008
Für mich persönlich heisst Arbeit: Ich habe einen Deal mit der Firma und der wird erfüllt, aber nicht übererfüllt, denn das wäre dumm, oder besser: unökonomisch. Man darf die Arbeit eben nicht persönlich nehmen, sonst kommt der [...]
Für mich persönlich heisst Arbeit: Ich habe einen Deal mit der Firma und der wird erfüllt, aber nicht übererfüllt, denn das wäre dumm, oder besser: unökonomisch. Man darf die Arbeit eben nicht persönlich nehmen, sonst kommt der Burn-out garantiert. Ich predige das auch meinen Untergebenen - äh - Mitarbeitern: Gut arbeiten heisst effizient arbeiten und das heisst: Keine Überstunden. Wie soll jemand für die Firma ökonomisch tätig sein, der sein eigenes Leben nicht im Griff hat?
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