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26.02.2008
 

Frauenmosaik

Julia Fischer

Julia Fischer, 24, ist Stargeigerin und seit Herbst 2006 jüngste Professorin Deutschlands an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen – ich denke, das war die wichtigste Sache, die ich in meiner Kindheit gelernt habe. Egal ob es um Schule, um Musik oder auch um zwischenmenschliche Beziehungen ging – wenn man nicht weiß, worauf es ankommt, was wichtig und was nichtig ist, kann man sich nicht auf das konzentrieren, was man tatsächlich erreichen möchte. Das Wort Stress ist so gut wie nie in meinem Elternhaus gefallen, und es ist ein Wort, das ich bis heute nicht benutze. Wenn man zu viel zu tun hat, liegt die Kunst auch wieder darin, zu entscheiden, was wesentlich ist und was nicht – was kann man verschieben, was weglassen, und was muss unter allen Umständen sofort erledigt werden.

Fischer
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DPA

Fischer

Musik ist mein Leben. Nichts hat mich als Kind so berühren können beziehungsweise erziehen oder bereichern. Die Persönlichkeit sowie das innere Leben eines Menschen werden durch seine Gefühlswelt bestimmt, die durch emotionale Erlebnisse geformt wird. Schon sehr früh bemerkte ich an mir selbst, wie mich Musik veränderte – wie ich durch die Musik solche Erlebnisse erfuhr, die mich prägten und mich auch mit anderen Menschen verbanden.

Das Schönste und Anziehendste an der Musikwelt ist, dass Nationalität, Religion, Geschlecht und Alter keine Rolle spielen. Von frühester Kindheit an musizierte ich mit Musikern aus aller Welt, probte in verschiedenen Sprachen – sogar in Sprachen, die ich gar nicht beherrschte, dann war Musik eben die Ebene der Verständigung, das, was man sich durch sie zu sagen hatte. Ein Musiker offenbart sein Inneres, wenn er spielt. In der Musik kann man nicht lügen und sich auch nicht verstecken. Wenn ich mit einem Kollegen gemeinsam zum ersten Mal musiziere, wird er danach Dinge über mich wissen oder zumindest erahnen, die ich in Worten nie ausdrücken würde oder könnte, und umgekehrt.

Es war mir nie wichtig, erfolgreich zu werden. Mein Wunsch war es immer, Menschen an dieser Verbindung, die zwischen den Musikern auf der Bühne herrschen kann, teilhaben zu lassen. Auf dieser Ebene der höchsten Kommunikation, ohne Erklärungen, nur durch Empfinden. Da Musik eine so persönliche Sache ist, ist das Wichtigste, sich selbst treu zu bleiben, sich nicht für oder durch den Erfolg zu verändern oder sich zu verstellen, um sogenannten wichtigen Personen zu gefallen. Denn dann wird man als Künstler unaufrichtig, und das ist etwas, was in der Kunst nicht zu verzeihen ist.


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