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14.04.2008
 

Praktika

Einstieg oder Ausbeutung?

Der Verein Fairwork zeichnete ein Berliner Museum mit dem "Goldenen Raffzahn" für ein besonders dreistes Praktikums-Angebot aus und fordert klare Regeln. Die geplante "Klarstellung" der Bundesregierung reicht zornigen Praktikanten nicht.

Die ungeliebte Trophäe sieht aus wie ein kieferorthopädischer Abdruck, nur die Eckzähne sind in Vampirmanier zugespitzt: Mit dem handgefertigten "Goldenen Raffzahn" zeichnete der Verein "fairwork" das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin für das "dreisteste Praktikumsangebot des Jahres 2007" aus.

Das Museum habe einer 29-jährigen Absolventin in Deutsch und Geschichte offeriert, ein sechsmonatiges Praktikum zu absolvieren - unbezahlt. Das sei ein "trauriges Beispiel dafür, dass auch der öffentlich-rechtliche Status kein Garant für faire Praktikumsbedingungen ist", kritisiert Bettina König, Vorsitzende von "fairwork". Beim DHM betont man dagegen, die Praktikumsangebote seien Ausbildungsverhältnisse und richteten sich normalerweise an Studenten.

Auch im politischen Berlin ist der Streit um die Rechte der Generation Praktikum neu entflammt. Auslöser war eine im März vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichte Studie: Danach sind über die Hälfte aller freiwilligen Erstpraktika, die nach Abschluss einer beruflichen Ausbildung absolviert werden, unbezahlt, weitere 12 Prozent "unangemessen" und nur 37 Prozent "angemessen vergütet".

Zu schwammiger Vorstoß?

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will deshalb eine "Klarstellung" vornehmen. Er schlägt vor, die Regelungen des Berufsbildungsgesetzes, das eine "angemessene Vergütung" für reguläre Arbeit vorschreibt, ins Bürgerliche Gesetzbuch zu übernehmen. Eine solche Klausel, hofft Scholz, habe eine "generalpräventive Wirkung" gegen Ausbeutung.

Negative Folgen fürchten hingegen die Gegner einer stärkeren Regulierung - und die sitzen auch in der Bundesregierung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht keine "generelle Ausbeutung von Praktikanten": Die Vorteile dürften nicht durch bürokratische Vorgaben eingeschränkt werden. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände hält eine zwingende Vergütung sogar für gefährlich: Diese könnte "das Aus beidseitig gewünschter Praktika" bedeuten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hingegen fordert, die Hospitanzen generell auf drei Monate zu begrenzen. "fairwork" begrüßt zwar den Vorstoß des Ministeriums, hält ihn aber für zu schwammig: So stehe nirgends, wie hoch eigentlich eine "angemessene Vergütung" sei.

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