Wer studiert, muss sich vor Arbeitslosigkeit nicht fürchten. "Ein Hochschulstudium lohnt sich" - diese frohe Botschaft verkündete das Hochschul-Informations-System (HIS) am Dienstag, als sie eine neue Absolventenstudie vorstellte. Die Hannoveraner Bildungsforscher untersuchten den Absolventenjahrgang 2000/2001 und fragten rund 5500 junge Akademiker, was, wo und wie sie fünf Jahre nach dem Hochschulabschluss arbeiten, ob sie mit ihrer Beschäftigung und ihrem Gehalt zufrieden sind.
Erfreuliches Ergebnis: Fast alle Absolventen haben nach fünf Jahren einen Platz in der Berufswelt erobert. Zum Zeitpunkt der Befragung waren nur drei Prozent der Uni-Absolventen arbeitslos, von den Fachhochschulabsolventen sogar nur zwei Prozent. Anders herum: 85 Prozent der Uni- und 90 Prozent der FH-Absolventen gingen im Winter 2006/2007 einer regulären Erwerbstätigkeit nach. Von den nicht Erwerbstätigen war ein Großteil entweder mit der Kindererziehung oder der Promotion beschäftigt.
Damit liegt der Anteil der arbeitslosen jungen Akademiker sehr deutlich unter dem Bevölkerungsdurchschnitt (7,5 Prozent im Juni). Neun Prozent der Hochschulabsolventen arbeiten selbstständig, jeweils zwei Prozent halten sich mit "langfristigen Übergangstätigkeiten" und "Jobs" über Wasser.
Im Detail zeigen sich bei den Studienfächern allerdings erhebliche Unterschiede. Besonders gut schnitten die in der Wirtschaft derzeit begehrten Absolventen der sogenannten MINT-Fächer ab. Dabei handelt es sich um Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften. Akademiker aus den meisten dieser Disziplinen erreichten wie auch Wirtschaftswissenschaftler besonders hohe Erwerbsquoten von 90 bis 97 Prozent.
Architekten und Biologen haben schlechtere Karten
Bei den Naturwissenschaftlern scheren vor allem die Biologen, bei den Ingenieuren die Architekten aus: Bei ihnen liegt die Erwerbstätigkeitsquote fünf Jahre nach Studienende bei nur 60 bis 70 Prozent. Große Berufsstart-Probleme haben auch Magister aller Art und die akademischen Sozialberufler. Die HIS-Studie bestätigt also das gängige Bild: Der Ingenieur wird von Arbeitgebern regelrecht umschwärmt, die Ökonomin startet ebenfalls durch - derweil muss der Sozialpädagoge darben, und die Historikerin promoviert ein bisschen oder hütet zu Hause das Kind.
Denn auch diese beiden Punkte offenbart die Untersuchung:
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nutzt das Erscheinen der von ihrem Ministerium in Auftrag gegebenen Untersuchung, um angesichts des grassierenden Fachkräftemangels abermals für die MINT-Fächer zu trommeln: Die Absolventen seien beruflich besonders erfolgreich und bezögen auch "Spitzeneinkommen".
"Damit gibt die Studie ein wichtiges Signal an die jungen Menschen, denn sie zeigt: Ein Technikstudium lohnt sich", jubelte Schavan am Dienstag und forderte vor allem junge Frauen auf, sich für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu entscheiden." Bisher scheitern Ingenieurinnen allerdings häufig an den Barrieren der Männerdomänen, und Arbeitsmarktexperten sind durchaus skeptisch, ob der Höhenflug der Technikberufe für immer fortdauert.
Mehr Stress bei gleichem Gehalt
Die Studie bestätigt das Mantra "Bildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", insgesamt sind die Perspektiven junger Akademiker solide bis rosig. Nicht alle feiern damit aber gleich neue Einkommensrekorde: Seit der vorigen Erhebung zum Absolventenjahrgang 1997 hat sich an den Einkünften im Durchschnitt nichts geändert - vier Jahre sind also auch an Berufstätigen ohne echten Gehaltszuwachs vorbeigegangen.
Die Urteile der Befragten ergeben ein gemischtes Bild. Zwar sind sie mit Arbeitsinhalten und Anforderungen "überwiegend zufrieden". Die Absolventen von 2001 bemängeln aber mehr zeitlichen Druck und weniger Familienfreundlichkeit bei gleichbleibendem Lohn. 80 Prozent der FH- und 90 Prozent der Uni-Absolventen sehen sich als "im Großen und Ganzen" angemessen beschäftigt. 85 Prozent der Uni-Absolventen sagen dabei, dass ein Studienabschluss für ihre aktuelle Arbeit Einstellungsvoraussetzung war.
cht/jol
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