SPIEGEL: Frau Behler, Sie wollen einem Bielefelder Gymnasium, an dem Lehrermangel herrscht, helfen und dort unentgeltlich Deutsch unterrichten. Warum dürfen Sie das nicht?
SPIEGEL: Ist das in Zeiten von Lehrermangel und Staatsverschuldung nicht verrückt?
Behler: Na klar ist das verrückt. Niemand sollte Schulen daran hindern, flexibel qualifiziertes Personal zu gewinnen. Meine anvisierte Aushilfsarbeit in Bielefeld ist jedenfalls erstmal vergeben. Eine Studentin hat den Job übernommen – gegen Honorar.
SPIEGEL: Haben Sie als frühere SPD-Bildungsministerin nichts von rechtlichen Hürden für Gratis-Lehrer gewusst?
Behler: Dass das Dienst- und Vertragsrecht eine komplizierte Sache ist, wusste ich. Aber diese Details waren mir nicht bekannt.
SPIEGEL: Lust auf einen Reformvorschlag?
Behler: Sicher. Vielleicht könnten die rechtlichen Auflagen durch eine symbolische Bezahlung erfüllt werden – einen Euro hätte ich sofort genommen.
SPIEGEL: Haben Sie Hinweise, dass die NRW-Schulministerin Barbara Sommer, CDU, nun an einer Art Lex Behler arbeitet?
Behler (lacht): Ich habe den Eindruck, dass das Schulministerium sich jetzt bemüht, das Problem kreativ zu lösen. Eine Spezialregelung nur für mich wäre aber zu wenig. Ich bin sicher nicht die einzige Fachkraft, die ein paar Stunden pro Woche ehrenamtlich arbeiten würde. Diese Leute müssen ermutigt und nicht ausgebremst werden.
Das Gespräch führte Andrea Brandt
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH