SPIEGEL ONLINE: Was bringen Sie Männern über Frauen bei?
Knaths: Ein Verständnis für die hierarchiebefreite, extrem sachorientierte Kommunikation der Frau. Wenn eine Frau erst mal zuhört und nichts sagt, bedeutet das nicht, dass sie nichts zu sagen hat. Aber genau so verstehen das die Männer und stufen sie runter. Auch, dass Frauen stärker an Inhalten als an destruktiven Spielen interessiert sind, ist ein Nutzen, der in unserer Gesellschaft noch nicht ausreichend gewürdigt wird. Ein anderer wichtiger Punkt, der zu Verwerfungen führt, ist das Üben von Kritik.
SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?
Knaths: Sie werden selten erleben, dass ein Mann vor versammelter Mannschaft offen in Opposition zur Nummer eins geht. Und wenn doch, können Sie davon ausgehen, dass einer von beiden zwei Monate später nicht mehr da ist. Oder der Kritiker ist der Hofnarr. Frauen dagegen widersprechen freimütig. Sie glauben ja, dass es in diesem Meeting ausschließlich um die Sache geht. Der Bedeutung der Rangordnung sind sie sich dabei oft gar nicht bewusst. Aber der Hierarch wird die Kritik in der Sache als Angriff auf seine Position empfinden und niederschlagen - ein klassisches Missverständnis.
SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie damit sagen, Frauen sollen nicht widersprechen?
Knaths: Ach wo! Sie müssen nur lernen, es als Zustimmung zu verpacken, wie Männer das intuitiv tun. Führt der Chef wortreich seine Ansichten aus, fällt ihm die Frau womöglich ins Wort: "Also, ich halte für grundverkehrt, was Sie sagen ...". Der Kollege Schröder hingegen sagt im richtigen Moment: "Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den Sie gerade angesprochen haben. Ich möchte dazu noch etwas ergänzen ...". Und dann sagt er alles, was er denkt.
SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht, gelinde gesagt, etwas überdiplomatisch?
Knaths: In einer Frauenrunde können Sie sich solche Eiertänze sparen. Aber wenn Sie wollen, dass Ihr Beitrag in einer Männerrunde ernst genommen wird, und Sie irgendwann eine Position bekommen, in der Sie Dinge nach Ihren Vorstellungen gestalten können, dann bringt Sie glasklar formulierter Widerspruch zur Nummer eins nicht nach vorn.
SPIEGEL ONLINE: Aber Posten, Status und Geld, so sagt die Entwicklungspsychologin Pinker, seien Frauen sowieso viel weniger wichtig als Männern.
Knaths: Ich würde es so sagen: Keine Frau will schlecht verdienen, erst recht nicht weniger als der Kollege für die gleiche Arbeit. Geld und Posten sind nur nicht so entscheidend für ihren Selbstwert. Aber sie wollen sehr wohl inhaltlich Einfluss nehmen. Also müssen sie dazu an die entsprechenden Positionen gelangen und sich dort auch behaupten. Dafür gibt es Hilfsmittel: Statussymbole. Männer wissen bei der Beförderung genau, welches Dienstwagenmodell ihnen zusteht. Sie kämpfen um fünf PS mehr. Frauen sagen: Was soll ich mit dem dicken Auto? Mit meinem kleinen kriege ich in der Stadt einen Parkplatz, und hinten passen die Wasserkästen rein. Aber wenn die Frau ihr kleines praktisches Auto vor der Firma auf der Straße parkt, hat sie schon mal das Garagenspiel verloren. Nicht mal der Pförtner wird sie ernst nehmen. Wollen Frauen in Führungspositionen respektiert werden, müssen sie sich die PS, das größere Zimmer und den Besprechungstisch nehmen. Und natürlich das entsprechende Geld! Alles, was sie kriegen können. Sonst legen ihnen die geschätzten Kollegen das als Schwäche aus.
SPIEGEL ONLINE: Hört man Ihnen zu, könnte man meinen, Sie betrachten das Trainieren männlicher Rituale und Verhaltensweisen als eine Art Frauensport. Stützen Sie damit nicht in Wahrheit die männlichen Alphatierrituale?
Knaths: Nein. Meine Klientinnen sollen sich ja nicht innerlich anpassen und verbiegen. Sie bleiben Frauen mit ihren weiblichen Stärken und Fähigkeiten. Ich vermittle ihnen ein Repertoire, mit dem sie diese ergänzen können. Es geht darum, dass sie erfolgreicher mit ihren Inhalten punkten, ihr Gehalt verbessern und gelassener die Karriereleiter hinaufsteigen.
SPIEGEL ONLINE: Und was geschieht, wenn sie oben angelangt sind?
Knaths: In gemischten Gruppen bestimmt die Nummer eins die Kommunikation. Aber schon ab einem Anteil von etwa 30 Prozent Frauen in einer männlich geprägten Gruppe, sagen Experten, kippt das System. Das ist natürlich das Ziel dieses Marsches durch die Institutionen. Es müssen nur genügend Frauen bis nach oben durchkommen, damit sie selbst die Spielregeln verändern können.
Das Interview führte Beate Lakotta
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