Von Max Hägler
Jede zweite Hochschule nimmt am internationalen Marketingprogramm "Gate" teil, jede dritte tourt im Ausland, jede fünfte unterhält eigene Auslandsbüros, und an Top-Standorten wie in München oder Aachen wird oft auf Englisch gelehrt, gerade in den Naturwissenschaften.
Auf den ersten Blick wirken Deutschlands Hochschulen weltoffen, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich: Die Internationalisierung ist weniger weit fortgeschritten als gedacht.
Dies zeigen erste Ergebnisse einer Studie, die dem Hochschulmagazin "duz" vorliegen. Gemeinsam mit der Humboldt-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz prüfte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), wie international deutsche Hochschulen sind – in Bezug auf Studenten, Professoren, Studiengänge und bei der Beratung
Das Ergebnis der im Frühjahr begonnenen Erhebung ist ernüchternd, wie DAAD-Projektleiter PD Dr. Helmut Buchholt nach einer ersten Datenanalyse feststellt: "Wir haben viel erreicht bei den Betreuungsangeboten. Aber es gibt noch viel zu tun, bis Deutschlands Bildungslandschaft wirklich international wird."
Ernüchternde Ergebnisse
Anders gesagt: Dem Abwandern von deutschen Forschern ins Ausland steht kein entsprechender Bildungszuzug entgegen. So haben neun von zehn Hochschuldozenten – wissenschaftliche wie künstlerische – einen deutschen Pass, bei den Professoren liegt die "Deutsch-Quote" gar bei 94 Prozent. Zum Vergleich: An ausländischen Top-Unis wie der ETH Zürich beträgt der Ausländeranteil bei Professoren 40 bis 50 Prozent.
In Deutschland stammen viele der wenigen "internationalen" Professoren aus dem deutschsprachigen Ausland: 22 Prozent kommen aus Österreich, 15 Prozent aus der Schweiz. Es folgen die USA mit 9, Großbritannien und die Niederlande mit je 7 Prozent.
Deutlich über dem Schnitt liegen die Kunst- und Musikhochschulen. Dort kommen 18,7 Prozent der Professoren aus dem Ausland, bei den größeren Unis sind es 7,4 Prozent, bei den Technischen Universitäten (TU) 6,6 Prozent und an den Fachhochschulen haben 2 Prozent der Professoren einen ausländischen Pass.
Erhoben hat die Daten die Gesellschaft für empirische Sozialstudien (GES) mit Hilfe der akademischen Auslandsämter. "Die Rückmeldung war außerordentlich positiv", sagte Buchholt. So hätten sich bei der freiwilligen Befragung alle Technischen Universitäten gemeldet und 96 Prozent der großen Unis mit mehr als 20.000 Studierenden. Auch bei den Fachhochschulen hätten 68 Prozent der größeren (mehr als 5000 Studierende) beziehungsweise 43 Prozent der kleineren (weniger als 5000 Studierende) geantwortet.
Quote internationaler Studiengänge mäßig imposant
Wie bei den Dozenten liegen auch bei den Studierenden die Kunst- und Musikhochschulen vorn: Beinahe jeder fünfte Studierende stammt aus dem Ausland. Dahinter die TU – knapp jeder sechste hat hier keinen deutschen Pass.
Auch bei den internationalen Studiengängen "sieht es gar nicht so gut aus", sagte Buchholt im "duz"-Gespräch. Zwar geben sich durchschnittlich zwölf Prozent der deutschen Studiengänge das Prädikat "international", an den TU sind es gar 20 Prozent – lehren also etwa in Englisch, haben ein besonderes Curriculum oder eine obligatorische Auslandsphase. Aber die auf den ersten Blick imposante Quote wird dadurch relativiert, dass in ihnen hochgerechnet nur etwa sechs Prozent der Studierenden eingeschrieben sind.
"Offensichtlich handelt es sich in der Regel um Orchideen, die schmücken, aber nur in geringem Umfang zur Lehrleistung beitragen", bewertet GES-Chef Friedhelm Maiworm die Ergebnisse der ersten Auswertungen. Und DAAD-Experte Buchholt kritisiert, dass bei der Zuweisung von Geldern das Kriterium "Internationalität" bisher nur an wenigen Hochschulen eine Rolle spielt. "Wenn Internationalität so wichtig ist, muss das auch mit der Geldvergabe verknüpft sein", fordert Buchholt.
Unklar ist angesichts des umfangreichen Datenmaterials noch, wann die Studie komplett präsentiert wird. Unabhäng davon treibt die Hochschulrektorenkonferenz das Thema "Internationalisierung" weiter voran.
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