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19.12.2008
 

Europas Top-Arbeitgeber

Google und L'Oréal siegen

Von Karsten Langer

Google ist Primus: Bei keiner Firma würden junge europäische Ingenieure lieber arbeiten als beim Internet-Giganten. Für angehende BWLer ist der Kosmetikgigant L'Oréal erste Wahl. Eine europaweite Umfrage zeigt, dass deutsche Studenten mit die höchsten Gehälter erwarten.

Die Top-Plazierung von Google als beliebtester Arbeitgeber der Ingenieure in Europa beweist: Es spricht sich flink herum, wenn ein Konzern seinen Angestellten beste Karriere- und Einkommensperspektiven bietet. Das ist nur ein Ergebnis der aktuellen Studie des Berliner Trendence-Instituts. Außerdem belegt die Erhebung: Angehende Ingenieure und Betriebswirtschaftler in Europa planen ihre Karriere längst über Ländergrenzen hinaus. Ihre Lieblingsarbeitgeber kommen aus den USA, dann folgen Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Holland.

Gern fotografiert: Google ist der Lieblingsarbeitgeber der Ingenieure in Europa
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REUTERS

Gern fotografiert: Google ist der Lieblingsarbeitgeber der Ingenieure in Europa

Für das Ranking hat das Beratungsinstitut Trendence über 90.000 europäische examensnahe Studenten in 20 Ländern befragt und zwar in den Monaten von Dezember 2007 bis Juni 2008 - also in einer Zeit, bevor die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise viele Volkswirtschaften in die Rezession drückte. Befragt wurden je ein Drittel Ingenieure, BWLer und Studenten anderer Fächer. Das "European Student Barometer" ist die mit Abstand größte Untersuchung ihrer Art.

Unter den Top-50-Plazierungen sind vor allem bei den BWLern amerikanische Unternehmen beliebt, hauptsächlich aus der Banken-, Versicherungs- und Beraterbranche. Dazu gehören die Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young und Deloitte, die Berater McKinsey, Accenture und BCG und die Banken Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley.

Deutsche Konzerne bei Ingenieuren beliebt

Ob die Investmenthäuser zur Stunde immer noch so gut abschneiden würden, ist vor dem Hintergrund der Finanzkrise freilich fraglich. Bei den angehenden Ingenieuren ist der Hang zu US-Unternehmen auch vorhanden, wenn auch nicht so stark ausgeprägt.

Lieblingsarbeitgeber bei den BWLern ist wie im Vorjahr der französische Kosmetikkonzern L'Oréal. Auf Platz zwei folgen die Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers, dann Apple, Ernst & Young und Coca-Cola. Auf Platz sechs rangiert mit BMW der erste deutsche Konzern. Die Münchener Autobauer konnten sich in diesem Jahr um zwei Plätze verbessern.

Bis auf den Aufsteiger Google (Platz acht) hat sich aber unter den Top Ten der BWLer im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert. Adidas ist im aktuellen Ranking vom fünften auf den zehnten Platz abgerutscht, Microsoft auf Position 14 und ist damit nicht mehr in den Top Ten vertreten.

Porsche befindet sich wie 2007 auf Rang 16, die Deutsche Bank hat sechs Plätze gut gemacht und sich auf Platz zwölf positioniert. Mit Volkswagen, Allianz, Siemens und Lufthansa landeten vier weitere deutsche Unternehmen unter den Top 50.

Unter den Ingenieuren sind deutsche Konzerne beliebter als bei den BWLern. Mit BMW, Siemens und Porsche schafften es drei in die Top Ten des Trendence-Rankings. BMW hat sich um zwei Plätze verschlechtert und belegt hinter Apple Platz fünf. Siemens rückte im Vergleich zum Vorjahr um eine Position auf Rang acht auf. Porsche rutsche von Platz sieben auf Platz zehn ab.

Volkswagen belegt erneut Rang zwölf, Bosch sprang vom 46. auf den 15. Rang und ist damit unter den deutschen Firmen der Aufsteiger des Jahres. Mit Daimler, SAP und Bayer sind drei weitere deutsche Unternehmen in den Top-50-Arbeitgebern der Ingenieure vertreten.

Die bevorzugten Branchen

BMW und Porsche, Volkswagen und Daimler - die deutschen Autobauer sind im europäischen Arbeitgeberranking der Ingenieure seit Jahren vertreten. Diese Präferenzen schlagen sich auch in den bevorzugten Branchen der deutschen Ingenieure wieder. Über 30 Prozent wollen in der Autoindustrie arbeiten, nur der Bereich Elektrotechnik ist mit 33 Prozent noch beliebter. Es folgen in Deutschland die Sparten Informatik (20 Prozent) und Maschinenbau (18 Prozent) - und dann lange nichts mehr.

Deutsche Ingenieure schätzen die Autobranche, aber Porsche glänzt weniger
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DPA

Deutsche Ingenieure schätzen die Autobranche, aber Porsche glänzt weniger

Das große Interesse am Auto wird europaweit durchaus nicht geteilt. So wollen in Norwegen nur 7 Prozent aller angehenden Absolventen im Automobilbereich arbeiten, dafür aber 15 Prozent in der Chemiebranche und 58 Prozent in der Elektrotechnik. Kein Interesse herrscht europaweit am Medienbereich und am öffentlichen Sektor, wenig Interesse am Logistiksektor und der Telekommunikation.

Nur französische Ingenieure in spe begeistern sich für die Verteidigungssparte (17 Prozent), die Kollegen aus Holland können sich auch für den Beratersektor erwärmen (16 Prozent).

Ganz andere Vorlieben haben angehende BWLer. Was alle eint: Die europäische Mehrheit will im Bereich Konsumgüter arbeiten - über die Hälfte der Finnen und Franzosen, 42 Prozent der Deutschen. Unbeliebt sind die Branchen Chemie, Pharma, Medien und das Versicherungswesen.

Auswahlkriterien europaweit recht ähnlich

In den anderen Industriezweigen sind die nationalen Interessen sehr verschieden. So sind die sonst eher unpopuläre Beraterbranche und der Energiesektor bei den Norwegern beliebt, 20 Prozent aller Finnen suchen ihr Glück im Bereich Elektrotechnik.

Ein Viertel aller Schweizer und Briten will am liebsten bei einer Investmentbank arbeiten, und überdurchschnittlich viele Dänen (15 Prozent) und Slowaken (18 Prozent) wünschen sich einen Job im Bereich Informatik. Die Bankbranche ist bei den Spaniern (36 Prozent), Portugiesen (20 Prozent) und Franzosen (16 Prozent) besonders beliebt, Behörden bei den Norwegern (26 Prozent), Dänen (23 Prozent) und Deutschen (16 Prozent).

Bei der Entscheidung für ihren ersten Arbeitgeber ähneln sich europaweit die Auswahlkriterien angehender Ingenieure und BWLer. Sehr wichtig sind ihnen Möglichkeiten zur hausinternen Fortbildung und eine ausgeglichene Work-Live-Balance bei gleichzeitig anspruchsvoller Position. Ingenieure schätzen außerdem Jobsicherheit und die Chance, im Unternehmen ihre Promotion absolvieren zu können. Als weniger wichtig wurde ein hohes Einstiegsgehalt und ein kontinuierlich steigendes Einkommen bewertet.

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