Von Christine Prußky
Die aktuelle wissenschaftliche Nachwuchsförderung mit all ihren Projektmanagement-Seminaren und Soft-Skill-Workshops erscheint da in einem anderen Licht. Und tatsächlich ist die Sorge innerhalb der Professorenschaft verbreitet, das Berufsbild Professor werde auf einen Typus reduziert: den des weltläufigen Wissenschaftsmanagers nämlich. Dass sich die Qualifikationswege und angebote für Promovenden und Postdocs aber exakt an diesem Typus orientieren, lässt sich so wenig leugnen wie das Unbehagen darüber. Es existiert, will thematisiert und diskutiert sein.
Geführt werden kann eben diese Debatte von niemandem besser als von denjenigen, die den Beruf Professor heute ausüben oder in Zukunft ausüben wollen. Dafür müssten sich Professoren und Nachwuchsforscher allerdings zunächst einmal über ihr eigenes Selbstverständnis klar werden, es reflektieren und überprüfen. Sie müssen sich fragen, inwieweit ihr berufliches Selbstverständnis mit den Anforderungen im Einklang steht, die von außen an die Professur gestellt werden. Sie müssen für sich ganz konkret herausfinden, wie sie sich denn selbst sehen: eher als Forscher, eher als Lehrer, eher als Coach, oder vielleicht doch eher als Organisator?
Diese Selbstbestimmung kann ihnen niemand abnehmen und sie ist dringend nötig. Denn erst wenn bekannt ist, welches Selbstverständnis oder welche Selbstverständnisse an der Basis mit dem Beruf Professor verbunden sind, macht der Abgleich mit den Anforderungen, Erwartungen und konkreten Aufgaben Sinn, die von außen an Professoren gestellt werden.
Der Professorenberuf ist überfrachtet
Politiker und Reformer des Wissenschaftssystems denken schon seit geraumer Zeit laut über den Beruf Professor, seine Aufgaben und die Möglichkeiten nach, diese Aufgaben zu verteilen. Den zuletzt deutlichsten Schritt in der Richtung unternahm der Wissenschaftsrat vor ziemlich genau einem Jahr mit der Empfehlung zur Einführung einer Professur mit dem Schwerpunkt Lehre. In dem Votum manifestiert sich nicht nur das Bestreben, die Lehre an Hochschulen zu verbessern, sondern auch die Erkenntnis, dass der Professorenberuf schlicht überfrachtet wird. Exzellente Lehre und Forschung lassen sich heute nicht mehr gleichzeitig auf Topniveau leisten, lautet die Botschaft der Experten aus Köln.
Am grünen Tisch sind die Empfehlungen nicht entstanden. Sie greifen vielmehr Überlegungen einiger Vordenker innerhalb der Professorenschaft auf. Zu ihnen gehört Prof. Dr. Reinhard Kreckel. "Es würde dem Laden insgesamt besser gehen, wenn es in einem Institut neben den Professoren fest etablierte Dozenten mit den gleichen akademischen Rechten und Pflichten gäbe, sodass die Aufgaben der Lehre, Forschung, Nachwuchsbetreuung und Verwaltung auf mehrere Schultern verteilt werden können", erklärte Kreckel vergangenes Jahr in der Juli-Ausgabe der "duz" (07/2008). Damit plädierte der Direktor des Wittenberger Instituts für Hochschulforschung für nichts weniger als den Abschied von der Professorenuniversität.
Dass die Professur und mit ihr das Berufsbild einer Generalüberholung bedarf, steht seit Jahren auch für Prof. Dr. Karl-Max Einhäupl fest. Die Einheit von Forschung und Lehre könne in einer Institution, nicht unbedingt in einer Person aufrechterhalten werden, erklärte der heutige Chef der Berliner Charité im Herbst 2004, damals noch Vorsitzender des Wissenschaftsrates.
Aussagen wie diese sind für viele Professoren heute noch ein rotes Tuch. Dabei beruhen die Meinungen letztlich nur auf der Vorstellung, dass sich auch und gerade im Betrieb Wissenschaft jeder auf das konzentrieren sollte, was er beziehungsweise sie am liebsten und damit wohl auch am besten macht. Genau das können, müssen aber nicht in jedem Fall alle Aufgaben sein, die den Beruf Professor heute ausmachen. Es kann auch nur ein Teil davon sein. Und so wäre es möglich, dass der Prof der Zukunft gar kein Prof mehr ist - dafür aber viel besser zum individuellen Talent passt.
Christine Prußky ist Leitende Redakteurin der "duz".
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