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20.04.2009
 

Junglehrer

Dompteure im Kurs

Von Verena Friederike Hasel

Spät erst gelangen Lehramtsstudenten in die Praxis, oft zu spät. In einem einzigartigen Seminar der Uni Kassel können sie prüfen, ob sie den Einsatz im Klassenzimmer durchstehen - und oft sie sich schwierigen Schülern wirklich gewachsen fühlen.

"Herr Meier ist krank, bitte springen Sie in seiner Klasse ein!" Das ist der Arbeitsauftrag, den Lehramtsstudent Christopher an diesem Freitagnachmittag in der Uni Kassel zu erfüllen hat. Er ist jetzt also Vertretungslehrer, freundlich wendet er sich an seine virtuellen Schüler: "Erzählt mir einfach, wie weit ihr im Stoff seid."

"Stopp, schon falsch!" Seine Kommilitonen schütteln die Köpfe. "Sag ihnen lieber, dass du im Klassenbuch nachschaust, wo du mit ihnen weitermachst", rät eine Mitstudentin. "Wenn du fragst, wie weit sie sind, lädst du sie ja geradezu dazu ein, dich anzulügen." Die Gruppe stimmt zu: Ein Lehrer sollte besser kein Kumpel sein.

Das Rollenspiel ist Teil eines bundesweit einzigartigen Uni-Blockseminars mit dem Titel "Psychosoziale Basiskompetenzen im Lehrerberuf". Seit Oktober müssen es alle Lehramtsstudenten der Universität Kassel im Laufe ihres ersten Studienjahres belegen - als frühen Vorgeschmack auf später.

Unsichere Kandidaten brennen schneller aus

Mit Übungen wie "Herr Meier ist krank" oder einem simulierten Kollegengespräch über einen Problemschüler will Heinrich Dauber, Professor am Zentrum für Lehrerbildung, die Studenten dazu bringen, sich die entscheidende Frage zu stellen, und zwar rechtzeitig: "Bin ich wirklich bereit, einen Beruf auszuüben, der psychisch und sozial derart belastend ist?" Gerade hat das Seminar den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre bekommen.

Normalerweise befassen sich Lehrer während des Studiums mit dem Dreisatz, der Fotosynthese oder den Napoleonischen Kriegen, mit den Inhalten ihrer Fächer also. Eine frühe Selbstüberprüfung hinsichtlich der Berufswahl ist hingegen nicht vorgesehen.

Dabei wäre gerade die besonders wichtig: Bislang nahmen Wissenschaftler an, dass sich vor allem solche Lehrer im Beruf aufreiben, die besonders engagiert sind. Eine neuere Untersuchung (SPIEGEL 5/2008) hat hingegen ergeben, dass im Gegenteil diejenigen ausbrennen, die sich von Anfang an nicht für ihre Berufsentscheidung begeistern konnten.

Die angehenden Lehrer wirken schüchtern

Zum Beispiel, wenn der Lehrerberuf nur die zweite Wahl war. So wie bei einer Studienanfängerin im Kasseler Seminar, die eigentlich Polizistin werden wollte, dann aber den Einstellungstest nicht bestand. Nun also: Lehrerin, weil der Beruf "ähnlich viel Abwechslung wie die Polizei bietet". Eine Kommilitonin wollte eigentlich "etwas mit Sport" machen, aber die Berufschancen schienen ihr zu unsicher.

Dauber möchte seine Studenten in ein Gespräch darüber verwickeln, was in der Praxis vor einer Klasse pädagogisch wünschenswert ist - und was erreichbar. "Häufig gehen Studenten mit der Überzeugung ins Klassenzimmer, dass sie Dompteure sein müssen." Dabei hätten Studien gezeigt, dass offene Unterrichtsformen erfolgreicher seien.

Doch dafür braucht es Sicherheit, aber die künftigen Junglehrer wirken noch schüchtern, nicht ganz präsent, als könnte schon ein durch den Raum fliegendes Federmäppchen sie aus der Fassung bringen. "Ich habe Angst davor, dass mir die Schüler auf der Nase herumtanzen", gibt Franziska zu. Ihre Mutter, die selbst Lehrerin ist, riet ihr ab von dem Beruf: nicht in diesen Zeiten, nicht mit diesen Kindern.

Rückfall in Schülerzeiten

Caroline, angehende Lehrerin für die Haupt- und Realschule, erzählt, in ihrem Orientierungspraktikum habe ein Lehrer im Klassenzimmer zu einem Kollegen gesagt: "Das sind doch alles Asoziale." Gemeint hat er seine Schüler. "Wenn man so viel Schlechtes hört, möchte man sich wappnen", sagt Caroline.

Nun soll Franziska eine prägende Schulerfahrung aus ihrer Kindheit mit Bausteinen darstellen. Für den Lehrer wählt sie den großen roten Klotz und stellt ihn vorn hin. Die Schüler dagegen, graue Klötze, legt sie hinten in einer Reihe ab. Etwas anderes als Frontalunterricht habe es nicht gegeben, sagt sie.

Eine andere Studentin nennt ihr Bauwerk "Gleichschritt, Befehlsgewalt" und erzählt von einem Lehrer, der Strafarbeiten nach Belieben vergab. Solche Erfahrungen wirken nach: "Viele fallen, sobald sie unterrichten, auf das Verhalten zurück, das sie von ihren eigenen Lehrern kennen", sagt Dauber.

Damit sich das ändert, empfehlen die Seminarleiter der Teilnehmerin Juliane, ein Seminar über offene Unterrichtsformen zu besuchen. Andere, die bei der "Herr Meier ist krank"-Übung sehr nervös waren, werden an Sprechtrainer vermittelt.

Und ein Student entschied sich, das Lehramtsstudium abzubrechen. Auch das sei eine honorige Entscheidung, finden die Initiatoren. Auf der Seminareinladung steht: "Es ist ein wunderbarer Beruf, aber vielleicht nicht für jeden der richtige."

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Das nehme ich Ihnen ja ab, ich vermute jedoch, dass sie an einer Berufsschule sind (wg. Schülern im Alter von 15 bis 25 Jahren) und dort u.a. EDV unterrichten, demnach ihr "Spezialgebiet". Die Jahre zuvor werden Ihnen [...] mehr...

24.04.2009 von Studiengebührenzahler:

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Wenn neben Ihnen nach 40 Jahren Schuldienst die Autos ehemaliger Schüler anhalten und die Insassen Ihnen über ihren weiteren Lebensweg berichten, wenn Sie dann noch zu Klassentreffen als Rentner und ehemaliger Klassenleiter [...] mehr...

24.04.2009 von discipulus:

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24.04.2009 von nop1: woher...

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