Irrtum 1: Alles geht seinen Dienstweg
Das Angebot flatterte mit der Hauspost auf die Schreibtische: eine Position in der Entwicklungsabteilung, bestens dotiert, gute Aufstiegschancen, zur Jahresmitte frei. Die interne Stellenausschreibung kam druckfrisch aus der Personalabteilung des Konzerns. Dutzende Bewerber aktualisierten hoffnungsfroh ihre Lebensläufe. Eigentlich konnte die Stelle noch nicht vergeben sein.
Eigentlich! Der Dienstweg ist eine seltsame Erfindung, vor allem deshalb, weil er nie eingehalten wird. Gedacht war das in diesem Fall so: Der Abteilungsleiter meldet die Vakanz der Personalabteilung. Dort schreibt man den Job aus, sortiert die Bewerbungen vor, führt die ersten Gespräche und spielt den Ball wieder an den Abteilungsleiter zurück. Der - fürs Ergebnis völlig offen - entscheidet sich für den besten Bewerber.
Doch kaum war die Stelle frei, hatte der Abteilungsleiter eine Idee: Ein alter Kumpel aus der Betriebssportgruppe würde gut in die Abteilung passen. Er griff zum Hörer, beide trafen sich zum Mittagessen, und schon nach der Suppe war man sich handelseinig.
Dennoch meldete der Chef die Vakanz der Personalabteilung. Dennoch bewarb sich ein Heer hoffnungsvoller Mitarbeiter. Dennoch wurden Interviews geführt. Und heraus kam - welch Überraschung: Niemand passte so gut zu der Stelle wie der Sportkumpel (der Abteilungsleiter hatte den Personalern einen Wink gegeben).
Abseits des Dienstweges fließen auch die meisten Informationen: eher in der Kaffeeküche, wo jeder die Ohren spitzt, als in der Hausmitteilung des Chefs, die eh keiner liest. Der Versandbote, der mit allen plauscht, weiß oft mehr als der Geschäftsführer, an den alle berichten sollten.
Wenn Sie die Dienstwege als Farce durchschauen und sich erfolgreich durchs Gebüsch des Informellen schlagen, haben Sie nicht nur beim Bewerben die Nase vorn - Sie können auch Ihr Wissen, Ihre Macht und Ihre internen Aufstiegschancen verbessern.
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