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29.05.2009
 

Miese Job-Chancen für Uni-Absolventen

Letzter Ausweg Doktortitel

Von Christoph Titz

Fertig mit dem Studium und arbeitslos - Tausende Absolventen plagt derzeit die Angst vor einer Zukunft ohne Arbeit. Eine neue Studie zeigt: Für viele gibt es tatsächlich nur wenig Hoffnung, der Job-Markt sieht miserabel aus. Auf SPIEGEL ONLINE erklärt ein Experte, was Uni-Abgänger nun tun sollten.

Armin Trost: "Keine gute Zeit, sein Studium zu beenden"
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Armin Trost

Armin Trost: "Keine gute Zeit, sein Studium zu beenden"

Es gibt bessere Ideen, als in der ersten Hälfte des Jahres 2009 die Uni-Laufbahn abzuschließen und sich eine Arbeit zu suchen. Die Wirtschaft schrumpfte im vergangen Quartal um 3,8 Prozent - ein Wert ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Mach einen Einser-Abschluss, und du hast einen Job sicher? Wirtschaftsingenieure werden händeringend gesucht? Die Wahrheiten von vor einem Jahr klingen für die Absolventen in diesen Tag wie Spott und Hohn.

Eine Studie der Hochschule Furtwangen und der Personalberatung Promerit AG untermauert statistisch, was Absolventen seit Ende 2008 am eigenen Leib erleben. Die Arbeitssuche sei 2009 "deutlich schwerer geworden", schreibt Armin Trost, Leiter der Untersuchung und Partner bei der Personalberatung, in einem Vorabbericht.

Für die Untersuchung haben Trost und sein Team von März bis April 289 Unternehmen mit einem Online-Fragebogen zu ihrem Einstellungsverhalten in der Wirtschaftskrise und zu den Plänen für das laufende Jahr befragt. In die Auswahl kamen die bei Absolventen beliebtesten und die größten Unternehmen in Deutschland, darunter etwa der Sportartikelhersteller Puma und die Autobauer Audi und BMW.

"Wir haben für die Absolventen keine guten Nachrichten", sagte Studienleiter Trost SPIEGEL ONLINE. Das laufende Jahr sei mit Sicherheit "keine gute Zeit, das Studium zu beenden".

Kandidaten, wie sie die Firmen wollen, gibt es nicht

Was die Unternehmen über ihre Pläne in Sachen Recruiting berichten, gibt Hochschulabsolventen wenig Anlass zur Hoffnung:

  • Auch bei der Mitarbeitersuche heißt es für die Unternehmen: sparen. Die Hälfte gibt an, künftig weniger Geld für Stellenanzeigen in Zeitungen auszugeben. Aber auch bei den personalintensiven Jobmessen (26 Prozent) und in der Personalberatung (36 Prozent) werden die Firmen Geld abziehen und ihr Angebot verkleinern.
  • Stattdessen setzen sie mehr auf persönliche Kontakte - denn es kostet deutlich weniger Geld, Mitarbeiter zu befragen und Netzwerke anzuwerfen, als aktiv im Heer der Absolventen des aktuellen Jahrgangs zu suchen.
  • Beinahe jedes zweite Unternehmen will "primär für strategisch wichtige Bereiche" einstellen. Am ehesten wollen Firmen noch im Vertrieb oder in Forschung und Entwicklung neue Leute holen.
  • Ein knappes Drittel der Firmen macht fürs laufende Jahr überhaupt keine Prognosen, eine mittelfristige Personalplanung gibt es nicht - es wird, wie es heißt, "auf Sicht gefahren". Gut 40 Prozent der Unternehmen geben an, nur sehr kurzfristig zu planen.
  • Nutzlos für die akut verzweifelten Bewerber ist eine Strategie, die knapp jedes zweite Unternehmen derzeit fährt: Sie bauen aus den besten der erfolglosen Bewerbungen Pools mit qualifizierten Kandidaten auf - für die Zeit nach der großen Krise.
  • 15 Prozent der Firmen geben an, in der Krise noch mehr als zuvor auf Bewerber zu setzen, die schon Berufserfahrung mitbringen - für junge Leute, die direkt von der Uni kommen, oft eine abschreckende Nachricht.

Zumindest den letzten Punkt versucht Trost allerdings abzumildern: Ein Bewerberprofil, wie es sich die Unternehmen wünschen, gebe es ohnehin nur selten - "einen solchen Kandidaten müssten sich die Firmen backen." Auch auf Stellenausschreibungen, die Berufserfahrung verlangen, sollte man sich als Absolvent also unbedingt bewerben und in den Unterlagen eben andere Stärken betonen.

Weil in Krisenzeiten alle potentiellen Arbeitgeber "die Latte höher hängen", rät Trost, stark auf persönliche Kontakte und "professionelle Netzwerke" zu setzen. Beziehungen seien wichtig und sollten ruhig genutzt werden.

Soll einem also der Onkel eine Stelle zuschustern, auch wenn man dafür kaum geeignet ist? "Das hat nichts mit Vetternwirtschaft zu tun", sagt Trost. Im Geschäftsleben gelte vielmehr: "Ich empfehle nur jemanden, wenn ich auch dahinter stehe und für meinen Tipp einstehen kann."

Leise Hoffnung gebe es noch am ehesten für Naturwissenschaftler und technische Ingenieure; aber auch darauf will sich der Recruiting-Forscher Trost nicht festlegen. Denn vor einem Jahr habe man auch noch dringend nach Experten für den Bereich Finance gesucht - die jetzt ebenso wenig eine Stelle kriegen wie alle anderen.

Letzter Ausweg: Überwintern an der Uni

Ein schöner Hut - aber wer in der Krise abschließt, hat es auf dem Arbeitsmarkt recht schwer
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DPA

Ein schöner Hut - aber wer in der Krise abschließt, hat es auf dem Arbeitsmarkt recht schwer

In Zeitungen und auf den großen Jobbörsen nach Stellen zu suchen, bringt wenig, sagt Trost. Ein besserer Weg sei da schon, direkt die Seiten der Unternehmen anzusurfen, die einen interessieren, und dort zu suchen. Eine Lösung könne auch sein, an die Uni zurückzukehren und noch "einen Master oder einen Doktor draufzusetzen".

Das Angebot an Bewerbern sei im Vergleich zur Nachfrage derzeit einfach übergroß - das treibe auch die Verantwortlichen in den Firmen an den Rand der Verzweiflung. "Personaler, mit denen ich gesprochen habe, sagen mir: 'Ich habe hier Kandidaten, die hätte ich vor einem Jahr sofort eingestellt - und jetzt geht es nicht.'"

Eine typische Reaktion ist dann, dass Firmen den Bewerber bitten, die Daten für eine spätere Kontaktaufnahme behalten zu dürfen - denn eigentlich ist eine Aufbewahrung der persönlichen Unterlagen und Kontaktdaten nur für sechs Monate erlaubt. Viele Bewerber hielten eine solche Bitte zwar für eine freundliche Form der Absage, doch Trost rät, darauf auf jeden Fall einzugehen. Der Suchende sollte die Personaler nur festlegen: "'Freut mich, wenn Sie meine Daten noch aufheben wollen. Wie geht es denn weiter, wann kann ich mich melden?', ist dann die richtige Antwort", rät der Experte.

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