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Lehrerausbildung Auf einmal steht man im Klassenzimmer

2. Teil: Wie die Lehrerausbildung von der Pflicht zur Kür werden kann

Eine Hochschule, von der es viele nicht erwartet haben, hat sich der vielfältigen Probleme der Lehramtsstudenten angenommen. Es war die TUM, die plötzlich die Lehrer in den Mittelpunkt stellte. Im Dezember gründete sie eine ganz neue Fakultät, die "TUM School of Education", ausgestattet mit Promotionsrecht und fünf neuen Lehrstühlen auf dem Gebiet der Bildungswissenschaften, darunter Didaktik der Mathematik und Bildungssoziologie. "Wir können es nicht weiter zulassen, dass die Lehrerbildung das fünfte Rad am Wagen der Fachwissenschaften ist", fordert TU-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Herrmann. "Die Lehrerbildung muss vielmehr zum Hauptgeschäft der Universitäten werden."

Es ist ein Paradigmenwechsel in der Hochschullandschaft. Das Lehramtsstudium ist an den Hochschulen eine Art Zwitter mit meist zwei zuständigen Ministerien, dem Schulministerium und dem Wissenschaftsministerium. Für die Universitäten ist die Lehrerausbildung schon immer eine bloße Pflichtdienstleistung gegenüber dem zahlenden Bundesland gewesen. Zudem gewinnt man mit ihr keine Lorbeeren im wichtigsten aller Wettbewerbe: der Forschung. Und weil die Lehramtsstudierenden bislang auch kaum in die Fachforschung eingebunden waren, blieb ihr Image als notwendiges Übel konstant schlecht.

Das Umdenken setzte ein, als die Vergleichsstudien Pisa, Timms und Iglu die schlechten Leistungen deutscher Schüler offenbarten und damit auch indirekt die Qualität der Lehrer. An der Mitte Juni vorgestellten OECD-Lehrer-Studie Talis nahm Deutschland wie auch die USA, Frankreich und Großbritannien nicht teil, weil nicht die Kompetenzen, sondern nur die Arbeitsbedingungen für die Lehrer untersucht wurden, begründete es die KMK.

Engagement zahlt sich am Ende aus

Schwung in die schon länger schwelende Reformdebatte kam vor allem durch die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf Bachelor und Master. Der Schwenk an der TUM hat wiederum mit dem dortigen gesellschaftlichen Gestaltungswillen zu tun. Und der hängt vor allem mit ihrem Präsidenten zusammen. Die Uni will durch gute Lehrer in den Schulen Interesse an Naturwissenschaften und Technik wecken. Denn interessierte Schüler sind auch die besseren Studierenden von morgen. Diesen Kreislauf haben deutsche Unis bislang kaum gesehen oder nicht sehen wollen.

Profitieren sollen von der "TUM School of Education" auch die Studenten. Sie sollen endlich ein Standing, weil eine eigene Heimat bekommen. Normalerweise laufen Lehramtsstudierende oft an verschiedenen Fakultäten nebenher mit und fühlen sich den Fachwissenschaftlern unterlegen.

An der TUM soll das nun anders werden. Obwohl Lehrer in Bayern auch weiterhin Staatsexamen und Referendariat benötigen, hat die TUM ihre Ausbildung auf Bachelor und Master umgestellt und bietet die Abschlüsse "B. Educ" und "M. Educ". Viele Universitäten haben das ebenfalls gemacht. Aber so konsequent wie die Münchener, übrigens unter Leitung des Bildungsforschers Prof. Dr. Manfred Prenzel, war niemand.

Von Einheit entfernter denn je

Wobei ein genauer Überblick schwer zu bekommen ist, wie Hochschulforscher Martin Winter von der Uni Halle-Wittenberg feststellt. "Eine neue Unübersichtlichkeit in der Lehrerausbildung" sei entstanden, seit sich die KMK Anfang des Jahrzehnts auf gemeinsame inhaltliche Standards geeinigt habe und zugleich infolge des Bologna-Prozesses der Studienaufbau umgekrempelt werde. So kommt es, dass die Lehrerbildung von einer bundesweit einheitlichen Regelung "entfernter denn je" sei.

Darüber hinaus fehlt gewissenhaftes Aussieben von Kandidaten, die für ein Lehramtsstudium nicht geeignet sind. In Bildungsmusterland Finnland sind Persönlichkeitstests am Studienbeginn gang und gäbe. Eins zu zehn lautet die Quote von Lehramtsstudenten und Bewerbern. Die Schweiz hat - wie Österreich - zwar erst vor einigen Jahren die gesamte Lehrerbildung auf Hochschulniveau gehoben. An der Pädagogischen Hochschule Zürich wird aber das erste Studienjahr als "Assessment-Jahr" definiert, in dem Dozenten und Studierende über ihre Eignung diskutieren. Das Ganze mündet schließlich in eine schriftliche Empfehlung. Jeder zehnte verlässt daraufhin die Pädagogische Hochschule.

Auch wer an der TUM Lehrer werden will, muss sich künftig einem Eignungstest unterziehen. Wer ihn bestanden hat, bekommt dann aber auch einen Schulpädagogen als persönlichen Mentor zugeordnet.

"Es sind hier wie dort die Hochschulen, die zunehmend den Takt angeben", sagt der ehemalige Hochschulpräsident der PH Weingarten, Jakob Ossner, der inzwischen an der Uni St. Gallen forscht. Er fragt sich allerdings, ob sie auch weiterhin den Taktstock schwingen. "Was an der TUM passiert, ist sehr gut, aber anderswo fehlen solche Personen wie Wolfgang Herrmann." Ossner weiß, wovon er spricht. Im vergangenen Jahr hatte er mit seinen ähnlich revolutionären Bildungsplänen den Hochschulsenat verschreckt - und zog sich schließlich vom Präsidentenposten zurück.

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insgesamt 1602 Beiträge
PeterShaw 16.07.2009
Deutsche Lehrer sehen nur so alt aus, weil sie nachmittags so harte Tennismatches spielen und in den Ferien die Berge der Welt besteigen.
Zitat von sysopDeutsche Lehrer gehören im europäischen Vergleich zu den ältesten.
Deutsche Lehrer sehen nur so alt aus, weil sie nachmittags so harte Tennismatches spielen und in den Ferien die Berge der Welt besteigen.
PeterShaw 16.07.2009
Man sollte das Studium weglassen. Das braucht man nicht für das Moderieren von Lernprozessen. Junge Arbeitssuchende in die Schulen!
Zitat von sysopDeutsche Lehrer gehören im europäischen Vergleich zu den ältesten.
Man sollte das Studium weglassen. Das braucht man nicht für das Moderieren von Lernprozessen. Junge Arbeitssuchende in die Schulen!
PeterShaw 16.07.2009
Das ist ein Widerspruch in sich - Bildungsexperten kommen nicht zu Ergebnissen. Dafür braucht man ein Fundament.
Zitat von sysopZu dem Ergebnis kommt die Bildungskommission der EU ...
Das ist ein Widerspruch in sich - Bildungsexperten kommen nicht zu Ergebnissen. Dafür braucht man ein Fundament.
PeterShaw 16.07.2009
Die erfahrenen und gut ausgebildeten Kollegen sind der modernen Bespaßung weniger aufgeschlossen - wird so Qualität buchstabiert?
Zitat von sysopDas hohe Durchschnittsalter schadet der Unterrichtsqualität.
Die erfahrenen und gut ausgebildeten Kollegen sind der modernen Bespaßung weniger aufgeschlossen - wird so Qualität buchstabiert?
PeterShaw 16.07.2009
Zu viel Geld und Ferien - das ist nichts für junge Engagierte.
Zitat von sysopIst der Schuljob nicht attraktiv genug?
Zu viel Geld und Ferien - das ist nichts für junge Engagierte.
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