Von Almut Steinecke
Auch Kevin Henker aus Recklinghausen legt eine Verwandlung hin, wenn er zur Arbeit geht. Der 19-Jährige macht eine Ausbildung zum Chemikanten beim Evonik-Konzern im Ruhrgebiet, im Chemiepark Marl. Kevin ist im dritten Ausbildungsjahr und mag es am liebsten klassisch-gruftig: mit schwarz lackierten Fingernägeln und puderigem düsteren Lidstrich, mit Hals- und Armbändern aus Leder mit spitzen Nieten, Ketten mit Kreuzen, Anhängern mit Totenköpfen. Nicht in erster Linie, um aufzufallen, sondern weil Kevin sich so am "echtesten" fühlt. So gebe er sich "das schwarze Etwas", durch das er authentischer sei.
"Ich fühle mich geborgen in dieser Szene", sagt Kevin. Wenn es ginge, würde er gern auch bei der Arbeit schwarz herumlaufen. Das verbieten aber die Sicherheitsvorschriften: Als Chemikant wirkt er etwa mit bei der Herstellung von Kunststoff und auch von Gefahrstoffen, die in der Industrie gebraucht werden.
Entsprechend anders verpackt muss Kevin sein. Eine riesige, spiegelnde Schutzbrille verdeckt dann seine ungeschminkten Augen, seine schwarzen Locken sind manchmal unter einem gelben Plastikhelm versteckt. Sein schmaler Körper steckt im hellen Schutzanzug, dazu Handschuhe aus weichem Gummi. Ein krasser Gegensatz zu Kevins Freizeit-Look.
"Ich liebe es, mich selbst zu inszenieren"
"In Naturwissenschaften hatte ich in der Schule nur Einser", sagt Kevin. Und jetzt liegen seine Leistungen "im höheren Drittel", sagt sein Ausbildungsbetreuer Wolfgang Leitner, 43. Dass sein Schützling sonst ein wenig auffälliger herumläuft, stört ihn nicht. "Wirklich wichtig ist, dass die jungen Menschen teamfähig sind. Es gehört zu unserem Kulturgut, dass sich jeder Mensch frei entfalten darf", allerdings immer, "ohne anderen in der Gesellschaft Schaden zuzufügen", erklärt Leitner die tolerante Linie des Unternehmens.
Keine allzu großen Gedanken um ihre Wirkung auf Vorgesetzte muss sich dagegen Rebea Böhmer machen - sie hat noch keine Chefs und lernt Gestaltung. Die Schülerin besucht derzeit die zwölfte Klasse des Walter-Gropius-Berufskollegs, einer Technischen Schule in Bochum. Anders als ihre drei Szene-Brüder muss Rebea kaum Abstriche machen, was ihr außergewöhnliches Äußeres angeht. Schwarze Partys oder Konzerte besucht sie gern in "bunt-kitschigem" Mix aus "Gothic-Lolita, Cyber-Gothic und Visual Kei": mit Haarteilen aus Schläuchen in schwarz, rosa und blau, in der Szene "Cyber-Loxx" genannt, mit Schweißerbrille auf der Stirn, Unterbrust-Korsage, rosa Federstola und bauschigem Tüllröckchen.
Ähnlich auffällig geht sie morgens zur Schule - und das sei überhaupt kein Problem: "Meine Mitschüler sind tolerant, die Lehrer total locker, besonders mein ehemaliger Lehrer für Gestaltung." Der freue sich sogar richtig, wenn er sie sieht. "Ich liebe es, mich selbst zu inszenieren." Wenn Rebea ihrem Look treu bleibt, könnte ihr das bei ihrem Berufsweg sogar nützlich sein: Ihr Wunschstudiengang ist Mode-Design in Münster.
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In großen Unternehmen und gerade in Unternehmen die international arbeiten kann ich es verstehen wenn der Arbeitgeber einen gewissen "Dresscode" vorgibt. Mir persönlich ist es egal solange es keine hygienischen [...] mehr...
Ich habe ja nicht behauptet, dass das nicht geht. Der im Artikel genannte Mitarbeiter der BA hatte ja Kundenkontakt. Wobei ich Iron Maiden jetzt auch nicht bevorzugen würde...aber das ist ja Geschmackssache;-) mehr...
Das ist mir ein wenig zu schwarz/weiß. Ich kenne viele in der "schwarzen Szene" die sich im Beruf anpassen müssen und denen das nichts ausmacht. Ich verstehe mich ja auch nicht als Revoluzer sondern fühle mich eben [...] mehr...
Es muss ja nicht immer das Extremoutfit oder der Iro sein. Was sollte dagegen sprechen, in einem Büroberuf *ohne* Kundenkontakt in Sneakers, Shorts und Iron-Maiden-Shirt aufzulaufen ? Imho : nichts Gottseidank sehen das noch [...] mehr...
Der Artikel selber und solche "Meinungs"äusserungen erklären viel über die heutige Welt, Danke! "Sie lassen sich nicht verbiegen...." ha, ha, selten so gelacht, welch eine lächerliche Horde von angepassten [...] mehr...
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