Auf dem Arbeitsmarkt in den USA sieht es finster aus, doch Molly Fahey will nichts unversucht lassen. "Es ist eine sehr schwierige Zeit", sagt die junge Arbeitslose und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Aber es hilft, wenn man in Bewegung bleibt."
Die 26-jährige Ingenieurin hat gerade zwei Stunden Training im Aerobic-Saal eines Fitnessstudios in Bethesda bei Washington hinter sich, das auf sehr amerikanische Weise Sport mit Jobsuche verbindet. "Career Fitness" heißt das Programm; das Karriere-Sporttraining soll Körper und Geist für den Arbeitsmarkt stählen.
Chef des Projekts ist Malcolm Munro, er treibt Fahey und den Rest der Gruppe zu Höchstleistungen. Munro bezeichnet sich als "Karriere-Trainer", in seinen schweißtreibenden Aerobic-Klassen gibt er nebenbei Tipps zum Verfassen von Lebensläufen, zu Vorstellungsgesprächen und ganz allgemein zur Selbstmotivierung in einer schwierigen Zeit.
Dahinter steht ein sehr amerikanischer Gedanke - wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen. "Wer einen Job finden will, muss sich hundertprozentig anstrengen", formuliert es Munro. "100 Prozent heißt, man muss sich zu Dingen durchringen, die unbequem sind." Und bequem wird es in seinen Sportstunden nicht, dafür sorgt Munro mit großer Energie.
"Das Engagement wird zeigen, dass du der richtige für den Job bist"
Das Training soll also Menschen auf Jobsuche zum Sprung über ihre eigenen Grenzen verhelfen. Die Suche ist oft frustrierend, die Rezession hat die Arbeitslosenquote in den USA auf fast zehn Prozent getrieben. Die sportliche Quälerei soll Verzagtheit und Resignation vertreiben und den Kampfgeist stärken. "Ich habe Kunden, die waren ein Jahr arbeitslos, doch nachdem sie sich zu unbequemen Übungen durchgerungen haben, hatten sie binnen Wochen eine neue Stelle", schwärmt Munro von seinem eigenen Programm.
Das ist ein Effekt, auf die auch Molly Fahey hofft. "Es ist eine wirklich positive Erfahrung, ich habe viele gute Infos über Bewerbungen und die Jobsuche im Allgemeinen bekommen", sagt sie nach dem schweißtreibenden Training.
Ken Harris, 44 und arbeitslos, ist nach der sportlichen Anstrengung richtig euphorisiert: "Mein Tank ist wieder voll", sagt er. Vor dem Training sei er "ein bisschen im Selbstmitleid versunken". Nach der Schinderei nun sprühe er aber wieder vor Energie.
Voller Energie ist auch Libby Rubin, die als Trainerin für die Job-Sport-Gruppe arbeitet. Sie erklärt ihre Philosophie: "Je härter du trainierst, desto besser kommst du im Bewerbungsgespräch rüber - stärker, selbstsicherer, positiver", sagt sie in bestem Motivationstrainer-Jargon. "Das Engagement wird dem Arbeitgeber zeigen, dass du der Richtige für den Job bist." Fitness-Einpeitscher Munro ergänzt: "Wenn man sich nicht gut fühlt, wird das im Bewerbungsgespräch schnell sichtbar. Man muss Optimismus ausstrahlen."
Wenn es mitten in der Rezession allerdings einfach keine Stellen gibt, hilft auch der strahlendste Auftritt nicht. Bei einem Mitglied der Gruppe zeichnet sich bereits ein Erfolg ab. Der arbeitslose Ken Harris, gelernter Sportlehrer, bekam vom Chef des Fitnessstudios, in dem die Karriere-Gruppe schindet, ein Jobangebot. Der Manager bat ihn, eine Bewerbung einzureichen.
Karin Zeitvogel, AFP
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