Von Anne Spies
Hamburg - Besonders Freiberufler in der Medienbranche leiden an der konjunkturellen Flaute. Ein Drittel der "Freelancer" unter Journalisten, Werbe- und PR-Experten verdiente krisenbedingt weniger. Bei den angestellten Kollegen haben im Schnitt nur 17 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssen, die selten höher ausfielen als 20 Prozent. Bei manchem Selbständigen schrumpfte das Einkommen dagegen auf die Hälfte zusammen.
Wer ohnehin schon wenig verdient, wird schnell ein Fall für den Staat: Immer mehr Selbständige bekommen Hartz IV, meldete die Bundesagentur für Arbeit im August. Die Zahl der sogenannten Aufstocker habe sich mehr als verdoppelt. Das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel warnt vor Altersarmut: Mehr als ein Zehntel aller Selbstständigen verdient zu wenig, um vorzusorgen, ergab eine Studie des Instituts.
Bei den Einkommen von Freiberuflern gibt es enorme Unterschiede. Die selbständig tätigen Teilnehmer des Gehaltsreports von "manager magazin" verdienen mit durchschnittlich 79.000 Euro im Jahr rund 20.000 Euro mehr als die Angestellten - aber womöglich nicht genug. Schließlich müssen sich Selbständige nicht nur einen Teil des Einkommens fürs Alter zurücklegen, sondern sich auch selbst versichern.
Arme Architekten
Ein Architekt beispielsweise, mit einem kleinen Büro und Angestellten, muss das Zwei- bis Dreifache eines Angestelltengehalts erwirtschaften, um alle Betriebs- und Versicherungskosten zu decken, schätzt die Bundesarchitektenkammer. Für einen Journalisten mit etwa acht Jahren Berufserfahrung veranschlagt die Gewerkschaft Ver.di einen Jahresumsatz von 86.000 Euro - 34 Prozent mehr als ein tariflich bezahlter angestellter Redakteur als Gehalt bekommt.
Die Einkommenshöhe variiert je nach Branche und Unternehmensgröße sehr stark, ergab die Untersuchung des "manager magazins" (die Ausgabe 10/2009 inklusive Gehaltsreport gibt es hier). So verdienen Selbständige mit einem Angestellten im Schnitt 97.000 Euro im Jahr, Einzelkämpfer aber nur 70.000 Euro. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist mit 35 Prozent besonders groß. Bei den Angestellten liegt er der "manager magazin"-Studie zufolge nur bei 27 Prozent.
Trotz der zuweilen prekären Einkommenslage sind 55 Prozent der Selbständigen zufrieden mit ihrem Einkommen. Bei den Angestellten sind es nur 49 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren konnten die Selbständigen ihr Einkommen stärker steigern als die Angestellten, in die Zukunft blicken sie jedoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits erwarten 44 Prozent Steigerungen von 20 Prozent und mehr, andererseits rechnen 23 Prozent mit stagnierenden oder sinkenden Einkommen.
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