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21.12.2009
 

Gehaltspoker

"Wer laut schreit, bekommt auch etwas"

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Corbis

Wie holt man trotz Krise mehr Gehalt raus? Und woran liegt es, dass manche Kollegen mehr verdienen, obwohl sie den gleichen Job machen? Im Interview verrät Gehaltscoach Martin Wehrle, warum antizyklisches Verhandeln und PR in eigener Sache sich auszahlen.

Frage : Herr Wehrle, wer kann in der aktuellen Lage überhaupt mehr Gehalt verlangen?

Martin Wehrle: Das hängt vom einzelnen Mitarbeiter ab. Die Krise wirkt wie eine Lupe, die Stärken und Schwächen besonders hervortreten lässt. Gerade jetzt brauchen die Firmen Leistungsträger. Wer von denen antizyklisch vorgeht und jetzt mehr Gehalt fordert, da nur wenige den Mut dazu haben, hat gar nicht so schlechte Chancen.

Frage: Aber wenn doch einfach kein Geld zu verteilen ist?

Wehrle: Es gibt immer Abstufungen. Keine Firma trennt sich von Top-Leuten und stellt lieber Durchschnitt ein, weil der billiger ist. Nach außen und bezogen auf die Masse der Mitarbeiter allerdings nutzen Unternehmen Krisen auch, um gezielt Gehaltsforderungen abzuschmettern. Vor der Krise heißt es: Da braut sich was zusammen. In der Krise müssen sie sparen. Und nach der Krise müssen sie sich erst mal erholen.

Frage: Welche Gegenstrategie empfehlen Sie?

Wehrle: Leichter haben es Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen, deren Leistung sich in Zahlen messen lässt. Sie sollten sich gekürzte Boni schnell zurückerobern, indem sie für das Unternehmen attraktive Ziele definieren und natürlich auch erreichen. Fast so wichtig wie die Ergebnisse selbst ist es aber, diese auch publik zu machen. Eine Studie von IBM zeigte, dass die Leistung bei Gehaltserhöhungen nur 10 Prozent zählt, die anderen 90 machen Eigen-PR und das Verhältnis zum Vorgesetzten aus. Viele Manager hassen etwa Meetings und schicken lieber ihren Stellvertreter. Ein Riesenfehler, denn im Meeting kann man gezielt die Arbeit der eigenen Abteilung herausstreichen.


Frage: Warum verdienen Frauen noch immer weniger als Männer, auch in ähnlichen Positionen?

Wehrle: Frauen machen sich oft zu viele Gedanken und trauen sich seltener als Männer, eine konkrete Forderung zu stellen. Stattdessen formulieren sie vorsichtige Bitten wie "Es wäre schön, etwas mehr zu haben ...". Dabei ist es nur konsequent, dass das Gehalt nachverhandelt wird, wenn die Leistung steigt.

Frage: Laut aktuellem Gehaltsreport von manager magazin tauschen sich nur 18 Prozent der Befragten mit Kollegen über Gehälter aus. Woran liegt das?

Wehrle: Das Thema ist immer noch tabu, mehr noch als Eheprobleme oder schwere Krankheiten. Wer über dem Schnitt verdient, fürchtet den Neid der anderen; wer darunter liegt, schämt sich. Dazu kommt, dass die Gehaltsstrukturen sehr ungerecht sind: Nur wer laut genug schreit, bekommt auch etwas. Und Untreue wird belohnt. Bei freiwilligen Wechseln steigt das Gehalt, obwohl es in der neuen Firma vielleicht langjährige Mitarbeiter gibt, die eher ein höheres Gehalt verdient hätten als der Abgeworbene.

Das Interview führte Anne Spies, manager-magazin.de

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insgesamt 17 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.12.2009 von pausbacke001: ...und der Chef schreit einfach zurück...

Mal im Ernst...wer laubt denn wirklich das die Chefs nicht auch im 'Abschmettern' von Gehaltsforderungen geübt sind? Nach 13 Jahren im Beruf und vier Jobwechseln ist die einzige Möglichkeit mehr Geld zu bekommen, daß man seine [...] mehr...

21.12.2009 von chocochip: In der Krise wird sich das ändern...

"Im Interview verrät Gehaltscoach Martin Wehrle, warum antizyklisches Verhandeln und PR in eigener Sache sich auszahlen. " Das wird sich in der Krise ändern. mehr...

21.12.2009 von brandifax: exakt

Genau so und nicht anders läuft's. Wer sich auf Kompetenzsimulation und Ich - Marketing versteht, kommt hierzulande an sein Ziel. Diese Nasen werden besonders gerne auf die höheren Posten gesetzt und können dann soviel Mist [...] mehr...

21.12.2009 von nicnac72: stromberg

stromberg kommt bestimmt auch wieder aus firnsdorf in die zentrale zurück. wenn es nicht so traurig wäre... mehr...

21.12.2009 von zynik: karriere als selbstzweck

Karriere als Selbstzweck ohne Inhalt. Gruselig, welche Blender ungefiltert das öffentliche Meinungsbild prägen und Eigen-PR machen dürfen. Ich will den guten alten Journalismus zurück. :-( Allerdings führt sich die Schule [...] mehr...

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Zur Person

Martin Frommann
Martin Wehrle, 39, war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Er ist Autor der Bücher "Lexikon der Karriere-Irrtümer" und "Geheime Tricks für mehr Gehalt"

Buchtipp

Martin Wehrle:

Das Lexikon der Karriere-Irrtümer
Worauf es im Job wirklich ankommt.

Econ Verlag, Februar 2009, 224 Seiten, 16,90 Euro.

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