Von Birger Menke und Christoph Titz
Warum soll die Kirche Journalisten ausbilden? Hmm. Weil das eine gute Frage ist, stellt sich die Evangelische Journalistenschule in Berlin die Frage gleich mal selbst auf ihrer Homepage und lässt die Journalistin Beatrice von Weizsäcker antworten.
Weil Werte wichtig sind, sagt Weizsäcker, Mentorin an der Schule: "Um nicht nur den Kopf zu erreichen, sondern auch das Herz, das den Charakter formt. Um jungen Menschen zu einer inneren Haltung und lebensklugen Verantwortung zu verhelfen." Darum leistet sich die Evangelische Kirche eine eigene Journalistenausbildung - klein, aber fein. Und in Berlin ist journalistische Ethik nicht nur ein halbstündiger Nachmittagskurs, damit das Thema alibimäßig auch mal dran war. Solides, praxisnahes Handwerk will die Schule in 22 Monaten vermitteln. Aber ethisches Verhalten gehört für sie zum professionellen Journalismus wie die fünf Ws oder das Zwei-Quellen-Prinzip.
Seit bald 25 Jahren bildet die Journalistenschule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche jedes Jahr 16 Journalistenschüler aus, die sie Volontäre nennt, die aber anders als reguläre Volontäre, anders auch als die Schüler der Henri-Nannen-Schule oder der Springer-Akademie kein Geld bekommen.
Evangelisch muss keiner sein, der an der EJS anfängt, das betonen die Schüler und auch die Schule immer wieder. Doch im gleichen Atemzug kommt der Verweis auf die Werte und auf einen Journalismus, der mit Menschen, über die er berichtet, sorgsam umgeht. Eigentlich selbstverständlich - im journalistischen Alltag aber nicht immer.
Ausbildung in der Königsdisziplin
Noch einen Tick exotischer - und obendrein nicht kostenlos - ist eine Schule im Südwesten, die nur eines ausbilden will: Reporter. Die edlen Jobs für reisende Schönschreiber sind so rar wie die Ausbildungsplätze für genau diese eine journalistische Disziplin. Außer in Reutlingen bekommt man eine so eng gefasste Ausbildung über ein ganzes Jahr in Deutschland nicht.
Reportagen, das bedeutet für die Zeitspiegel-Schule in erster Linie: "Genaues Wahrnehmen, akribische Recherche und detailgetreues Beschreiben." Die Ausbildung der zwölf Nachwuchs-Reporter startet für gewöhnlich im April mit einem Schnelldurchflug durch alle Textformen, dann geht es mit der Reportage-Schulung richtig los. Nach rund zwei Monaten mit erfahrenen Dozenten kommt der erste Auslandseinsatz.
Beide Schulen machen sich die Auswahl ihrer Bewerber nicht leicht. An der Reportageschule beugen sich Juroren über die Motivationsschreiben und Textproben (die nicht unbedingt bereits veröffentlicht sein müssen) und wählen die Bewerber danach aus. Interessante Kandidaten werden zum Auswahlgespräch eingeladen. Für den nächsten Lehrgang ab April 2011 kann man sich bis Ende Oktober 2010 bewerben.
Die EJS in Berlin setzt ebenfalls auf Arbeitsproben und Bewerbungsgespräche, verzichtet aber auf die bei anderen Journalistenschulen so geschätzten Wissens- und Bildertest (wie etwa den der Nannen-Schule, der Münchener DJS sowie der Schulen des Springer-Verlages und von RTL). Weckruf für Kurzentschlossene: Die Bewerbungsfrist für den nächsten Jahrgang endet am 30. Juni, die Ausbildung beginnt dann am 1. November 2010.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
| alles zum Thema Medien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH