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17.05.2010
 

Erfahrungsbericht

Wie die Nannen-Schule mein Leben prägt

Khuê Pham, geboren 1982. Studierte Soziologie in London und arbeitete als freie Journalistin in Berlin, bis sie Anfang 2009 an die Henri-Nannen-Schule kam. Stationen bei SPIEGEL ONLINE, "Zeit", "Berliner Zeitung" und ausländischen Medien.Zur Großansicht
Felix Rettberg

Khuê Pham, geboren 1982. Studierte Soziologie in London und arbeitete als freie Journalistin in Berlin, bis sie Anfang 2009 an die Henri-Nannen-Schule kam. Stationen bei SPIEGEL ONLINE, "Zeit", "Berliner Zeitung" und ausländischen Medien.

Die Henri-Nannen-Schule gilt als eine der renommiertesten Journalistenschulen Deutschlands. Khuê Pham, 27, absolviert derzeit die Ausbildung. Sie erzählt, was nach dem harten Auswahlverfahren auf die Jungjournalisten zukommt.

Neun Uhr abends, wir sitzen immer noch in der Schule. Haben ja nichts Besseres zu tun als zu arbeiten, wir Nannen-Schüler. "Kannst du mal gegenlesen?", frage ich meinen Bürokollegen und gebe ihm einen Text. Ist ja klar, was jetzt kommt: Kritik, Kritik, Kritik.

"Ich finde 'donnern' zu lautmalerisch in diesem Satz…", sagt er. Was würde ich nur ohne meine lieben Mitschüler tun? Wahrscheinlich denken, ich könnte schreiben.

Seit über einem Jahr bin ich an der Hamburger Journalistenschule. Eigentlich wollte ich nur lernen, wie man einen guten Text schreibt. Jetzt bin ich ein Nannenkind mit 19 neuen Geschwistern (den Mitschülern), einem Ziehvater (dem Schulleiter) und knapp 600 Verwandten (meinen Vorgängern). Ihre Bilder hängen in einer Ahnengalerie im Schulflur, darunter stehen Namen, von denen ich viele täglich in der Zeitung lese.

Wolf Schneiders Mitgift: "Qualität kommt von Qual"

Seit dem Lehrgangsstart an der Henri-Nannen-Schule habe ich ein neues Lebensmotto: Qualität kommt von Qual. Es stammt vom ersten Leiter unserer Schule, Wolf Schneider. Nannenschüler, predigte er bei einem Kurzbesuch, schreiben auf die Zeile genau, kommen immer pünktlich und werden nie krank. Sie vermeiden Sprachmüll, wissen Tatsache von Mutmaßung zu trennen, und verfassen sie eine Reportage, haben sie ein cineastisches Faible: Dann gilt es nämlich, das "Kino im Kopf" anzukurbeln.

Wir haben aber auch Spaß. Zum Beispiel, wenn wir Videos anschauen, die wir im Multimedia-Seminar produziert haben. Oder wenn wir Klassenpartys schmeißen und zu YouTube-Videos abrocken. Wir verstehen uns ziemlich gut, wir 20 Geschwister.

Nur die Verlagskrise vermiest uns die Laune. Es ist nicht gerade aufmunternd, eine journalistische Ausbildung zu machen und immer wieder zu hören, dass Stellen gestrichen und Redaktionen verkleinert werden. Aber wir sind halbwegs optimistisch. Was bleibt uns auch anderes übrig?

Ende Juni verlassen wir den Schoß der Schule. Dann ist Schluss mit Kaffeedienst, Rundmails und Mittagessen in der Gruner+Jahr-Kantine. Wahrscheinlich wird mir sogar die blöde Pausenklingel fehlen. Schon komisch, was die Nannen-Schule aus einem macht.

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In den nächsten Folgen: die Deutsche Journalistenschule in München, die RTL-Journalistenschule in Köln, die Axel-Springer-Akademie, die Evangelische Journalistenschule in Berlin sowie die Zeitenspiegel Reportageschule in Reutlingen.

Journalistenschulen

Henri-Nannen-Schule, Hamburg

Teilnehmer: 20

Bewerber: rund 2000

Dauer: 18 Monate

Kosten/Vergütung: keine/ 761 Euro monatlich

Voraussetzungen: bei Ausbildungsbeginn Mindestalter 19 Jahre, Höchstalter 27 Jahre

Träger: Gruner+Jahr-Verlag, "Zeit"-Verlag und finanzielle Förderung durch den SPIEGEL


Nannen-Schule: Bewerbung, Ausbildung, Absolventen

Deutsche Journalistenschule (DJS), München

Evangelische Journalistenschule, Berlin

Axel-Springer-Akademie, Berlin

RTL-Journalistenschule für TV und Multimedia, Köln

Zeitenspiegel Reportageschule, Reutlingen

Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft

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DPA
Für viele Abiturienten und Studenten ist Journalist ein Traumberuf. Rechtlich darf jeder sich so nennen - das garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes, die Pressefreiheit verbietet jede Reglementierung des Berufszugangs. In Deutschland gibt es rund 70.000 Journalisten, rund die Hälfte Freiberufler. Wer davon leben will, muss sein Handwerk lernen und beherrschen.

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