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21.06.2010
 

Streit im Büro

Wie man Kollegen und Bomben entschärft

Gute Laune, schlechte Laune im Büro: Jeder beeinflusst das Klima selbstZur Großansicht
Corbis

Gute Laune, schlechte Laune im Büro: Jeder beeinflusst das Klima selbst

2. Teil: Die Eigenarten der Kollegen können Teamarbeit befruchten - warum man einen bunten Garten pflegen sollte

Kleine Weißfische wenden einen Trick an, um hungrige Hechte zu verwirren: Sie ballen sich zu Schwärmen, zu silbernen Fischklumpen. Wenn sie dicht an dicht schwimmen, gelingt es dem Hecht nicht, ein einzelnes Fischchen zu orten und anzugreifen. Aber wehe, ein Fisch verlässt den schützenden Schwarm - dann schnappt der Hecht gnadenlos zu.

Wer den Schwarm verlässt und von der Norm abweicht, läuft auch im Job ein hohes Risiko. Machen wir uns nichts vor: Die heutigen Unternehmen sehen Mitarbeiter als austauschbare Fertigbauteile. Man greift sie sich vom Fließband der Universität oder der Schule, setzt sie im Arbeitsprozess an einer bestimmten Stelle ein und tauscht sie aus, sobald sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen oder zu sehr verschleißen.

Wenn ein Mitarbeiter geht, muss der nächste denselben Job machen können. Niemand soll unersetzbar, niemand zu eigenartig sein. Darum laufen ganze Abteilungen durch den Windkanal derselben Fortbildungen, eine Gleichschaltung der Köpfe.

Dieses Diktat der Anpassung färbt auf den Umgang der Kollegen untereinander ab. Was passiert, wenn einer von der Norm abweicht, und sei es nur um eine Winzigkeit? Wenn er sein Vesper im Büro isst, statt mit in die Kantine zu kommen? Wenn er sächselt, statt Hochdeutsch zu sprechen? Wenn er ein Projekt befürwortet, das alle anderen ablehnen, einen Kunden mag, den alle anderen hassen?

Mit Foppen fängt es an - mit Mobben hört es auf

Dann geht es ihm oft wie dem Kleinfisch: Er wird zerfleischt. Die Kollegen betrachten ihn als "seltsam", als "Eigenbrötler", als "unberechenbar". Sie grenzen ihn aus, als hätte er eine ansteckende Krankheit. Mit Foppen fängt es an - mit Mobben hört es auf. Dabei verhält sich der Kollege nicht falsch, nur anders als die andern.

Finden wir einen Garten schön, in dem nur eine Blumensorte wächst? Nein, wir lieben es bunt und vielfältig. Finden Sie eine Abteilung schön, in der nur eine Kollegensorte wächst? Ist der sächsische Dialekt nicht ein Farbtupfer im sprachlichen Einheitsbrei? Ist es nicht erfrischend, dass jeder Kollege seine eigene Herkunft, Meinung und Geschichte hat?

Wenn Sie es schaffen, die Eigenarten der Kollegen nicht als unerwünschte Abweichung zu sehen, sondern als individuelle Vorzüge, dann wird Ihr Arbeitsplatz zu einem bunten Menschengarten. Einem Garten, der Ihr Auge erfreut und in dem jeder Kollege seine Berechtigung und seine eigene Blütezeit hat.

Ist der geschwätzige Kollege, der manchmal alle nervt, nicht ein idealer Vertreter für den Messestand der Abteilung, wo man den ganzen Tag reden muss? Dann blüht er. Ist der introvertierte Computerfreak, der seine Mittagspause vorm Bildschirm verbringt, nicht der rettende Engel, wenn Sie in der Softwarefalle stecken? Dann blüht er. Ist die brummige Kollegin, die manchmal abweisend wirkt, nicht wie geschaffen dafür, um im schwierigen Verhandlungen die Wünsche der Gegenseite abzublocken? Dann blüht sie.

Selbst Kaktus-Stacheln können nützlich sein

So war Teamarbeit gedacht: dass Menschen sich mit ihren Eigenarten, ihren Talenten, ihren Ausbildungen ergänzen - wie Verteidiger und Stürmer auf dem Fußballfeld. Abwechslung macht nicht nur den Garten schön, sie kann auch im Job für bessere Erlebnisse sowie für bessere Ergebnisse sorgen.

Schauen Sie jeden Kollegen einmal an, als wäre er eine Pflanze: Welches sind seine Eigenarten, seine schönsten Seiten? Auf welchem Boden wächst er, welche Nachbarschaft zieht er vor? Und wozu, falls er ein Kaktus ist, können sogar seine Stacheln nützlich sein (denken Sie an die ruppige Verhandlungsführerin)? Hegen und nutzen Sie die Eigenarten Ihrer Kollegen, statt sie als Unkraut zu bekämpfen.

Aber denken Sie umgekehrt, beim Blick auf Ihre Eigenarten, auch daran: Entscheidend ist die richtige Mischung aus Individualität und Anpassung; denn eine allzu exotische Pflanze könnte das Bild des Gartens stören. Jedes Team hat eine Identität, feste Gewohnheiten, auf die es stolz ist. Wer diese Eigenart ablehnt, von dem fühlt sich die Gruppe abgelehnt.

Überlegen Sie, in welcher Hinsicht Sie sich dem Team annähern können, ohne sich zu verbiegen. Zum Beispiel hilft es, wenn Sie sich an Gruppenerlebnissen beteiligen, etwa den gemeinsamen Pausen. Auch bei den Standards im Umgang, etwa ob man sich duzt oder siezt, sollten Sie den Pfad der Gruppentugend nicht verlassen.

Eine solche Verbeugung vor der Gruppe hilft Ihnen, dass die Kollegen Sie in ihrem Kreis aufnehmen. Sind Sie dort angekommen, werden Ihre anderen Eigenarten nicht mehr als Ausgrenzung missverstanden, sondern als "Besonderheiten" akzeptiert.

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insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.06.2010 von GM64: Eine Frage der Sozialistion

wenn der Mobber in einer Umgebung sozialisiert wurde, in der die Sau immer weniger Zitzen als Ferkel hatte, dann ist der das Schubsen gewohnt, der kann dann nichts anderes. Meine Kollegen hatten mir immer viel Glück bei meiner [...] mehr...

21.06.2010 von searchfake5: Sreit im Büro

Zitat aus dem Artikel: "Wenn Sie es schaffen, die Eigenarten der Kollegen nicht als unerwünschte Abweichung zu sehen, sondern als individuelle Vorzüge, dann wird Ihr Arbeitsplatz zu einem bunten Menschengarten. Einem Garten, [...] mehr...

21.06.2010 von Bre-Men: Unsinn

Spitzel und Zuträger werden oft von den Vorgesetzten angeheuert und instrumentalisiert. Einmal erkannt bekommen die natürlich Druck. Jetzt kommt hier so ein P-Berater und meint, die Mitarbeiter untereinander sollen das auch noch [...] mehr...

21.06.2010 von SBasker: Mobbing

Mobbing ist eine Seuche, die dringend eingedämmt werden muss. Hier sind die Bertriebsleitungen zunächst und vor allem gefordert. Mobbing-Opfer, denen nicht von den Verantwortlichen im Betrieb geholfen wird, haben dann letztlich [...] mehr...

21.06.2010 von GM64: Ich fand den Beitrag auch schlecht

Wenn ihr Vorgesetzter zu den Leuten gehört, die wenn sie sich eine Eis kaufen, die Waffel so voll füllen, dass überhaupt kein Platz mehr drauf ist, bei der Kasse dann Kleingeld zückt und der Kassierin erklärt, dass ihm die 5 [...] mehr...

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Zum Autor

Martin Frommann
Martin Wehrle, geboren 1970, war Führungskraft in einem Konzern, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Als Buchautor veröffentlichte er unter anderem die Titel "Geheime Tricks für mehr Gehalt" und "Der Feind in meinem Büro", zuletzt erschien 2009 sein "Lexikon der Karriere-Irrtümer".

Buchtipp

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